"Budget Car" von Volkswagen: Warum VW ein Billigauto baut

Analyse"Budget Car" von Volkswagen: Warum VW ein Billigauto baut

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Bislang ist der VW Up in China das günstigste Modell, das soll sich aber 2018 ändern.

von Sebastian Schaal

Die Konkurrenz macht es schon lange, Volkswagen bald auch: 2018 kommt ein Billig-VW auf den Markt. Das hat VW-Chef Winterkorn jetzt angekündigt. Was alles über das Modell bekannt ist und warum es so lange gedauert hat.

Nun also doch: Volkswagen wird ein Billigauto bauen, so viel steht fest. In einem Interview mit der "Bild am Sonntag" kündigte VW-Boss Martin Winterkorn an, dass der Konzern "ab 2018 eine Budget-Car-Familie mit SUV, Stufen- und Schrägheck" auf den Markt bringen werde. "Wir bauen die Fahrzeuge in China, die Modelle werden etwa zwischen 8.000 und 11.000 Euro kosten", sagte Winterkorn. Vorerst soll das Auto auch nur in China verkauft werden, um die dort stockenden VW-Verkaufszahlen zu erhöhen. Über andere Märkte für das "Budget Car" sei noch nicht entschieden.

Das Billigauto – auch wenn Volkswagen diesen Begriff stets vermeidet – kommt damit später als allgemein erwartet und vor allem ist es deutlich teurer als von den meisten Branchenkennern vermutet. Bislang galten 6.000 bis 8.000 Euro als wahrscheinliche Preisspanne, zudem sollte dem Vernehmen nach der Verkauf bereits Ende 2016 oder Anfang 2017 starten.

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Volkswagen in Zahlen

  • Umsatz

    52,7 Milliarden Euro (gegenüber Startquartal 2014: +10,3 Prozent)

  • Auslieferungen an Kunden

    2,487 Millionen Fahrzeuge (+1,8 Prozent)

  • Gewinn nach Steuern

    2.932 Milliarden Euro (+18,8 Prozent)

  • Mitarbeiter

    595.300 am 31. März 2015 (+0,5 Prozent im Vergleich zum 31.Dezember 2014)

  • Mitarbeiter im Inland

    272.200 (+0,4 Prozent)

  • Werke

    118 (Vorjahr: 106)

So viel ist bekannt, weitere Details hat Volkswagen noch nicht verraten. Die wichtigsten Fragen zu dem Projekt.

Wie viel billiger als das aktuelle Einstiegsmodell ist das Budget Car?

Wie in Deutschland ist das günstigste VW-Modell in China der Kleinstwagen Up. Dort wird der Up mit Dreizylinder-Benziner und Automatikgetriebe ab 116.900 Yuan, umgerechnet rund 17.000 Euro, angeboten. Hierzulande startet der Up bereits bei Preisen von unter 10.000 Euro, die angesprochene Dreizylinder-Automatik-Kombination wird für 11.500 Euro angeboten. Der Preisunterschied ist da, könnte aber für eine strenge Abgrenzung zwischen Budget Car und den bestehenden VW-Modellen größer sein.

Warum baut VW ein Billigauto?

Billigautos gelten als Schlüssel für die Erschließung weiterer Kundenschichten in Schwellenländern, besonders in Asien. Mit den Autos nach europäischem Vorbild – wenn auch stark für den lokalen Geschmack angepasst – stoßen die Autobauer an Wachstumsgrenzen, da viele der potenziellen Kunden in der Ober- und Mittelschicht inzwischen ein Auto haben. Die Budget Cars sollen das Angebot nach unten erweitern – und so eine zwar weniger zahlungskräftige, aber sehr große Käufergruppe erschließen.

Wieso fällt die Entscheidung erst jetzt?

Die Wettbewerber Renault, Toyota und Hyundai sind mit günstigen Autos teils seit Jahren in China, Indien und Brasilien erfolgreich. Der Wolfsburger Konzern mit Winterkorn an der Spitze hat sich mit der Entscheidung für ein solches Budget Car lange schwer getan. Anfangs sollte es eine Zusammenarbeit mit Maruti Suzuki richten, einem der größten ausländischen Autobauer in Indien. Dort ist die Suzuki-Tochter seit Jahren vertreten und konnte viel Erfahrung bei der Entwicklung preiswerter Autos sammeln. Sogar gegenseitige Beteiligungen waren bereits vollzogen. Doch aus der angepeilten Traumehe wurde schnell ein Rosenkrieg, die Allianz trug nicht die erwarteten Früchte – und endete vor einem Schiedsgericht.

Fahrzeugproduktion und -absatz in China seit 2008

  • 2008

    Produktion: 6,74 Millionen Autos und 2,56 Millionen Nutzfahrzeuge

    Absatz: 6,76 Millionen Autos und 2,63 Millionen Nutzfahrzeuge

    Quelle: Statista.de

  • 2009

    Produktion: 10,38 Millionen Autos und 3,41 Millionen Nutzfahrzeuge

    Absatz: 10,33 Millionen Autos und 3,31 Millionen Nutzfahrzeuge

  • 2010

    Produktion: 13,9 Millionen Autos und 4,37 Millionen Nutzfahrzeuge

    Absatz: 13,76 Millionen Autos und 4,3 Millionen Nutzfahrzeuge

  • 2011

    Produktion: 14,49 Millionen Autos und 3,93 Millionen Nutzfahrzeuge

    Absatz: 14,47 Millionen Autos und 4,03 Millionen Nutzfahrzeuge

  • 2012

    Produktion: 15,52 Millionen Autos und 3,75 Millionen Nutzfahrzeuge

    Absatz: 15,5 Millionen Autos und 3,81 Millionen Nutzfahrzeuge

  • 2013

    Produktion: 18,09 Millionen Autos und 4,03 Millionen Nutzfahrzeuge

    Absatz: 17,93 Millionen Autos und 4,06 Millionen Nutzfahrzeuge

  • 2014

    Produktion: 19,92 Millionen Autos und 3,8 Millionen Nutzfahrzeuge

    Absatz: 19,7 Millionen Autos und 3,79 Millionen Nutzfahrzeuge

  • 2015

    Produktion (Januar-März): 5,31 Millionen Autos und 0,89 Millionen Nutzfahrzeuge

    Absatz (Januar-März): 5,31 Millionen Autos und 0,85 Millionen Nutzfahrzeuge

Auch Hans Demant, der bereits vor dem Suzuki-Deal von Winterkorn von Opel als Budget-Car-Beauftragter zu VW gelotst wurde, konnte lange Zeit nicht den Durchbruch bringen. Zwar stellte er mehrere mögliche Entwürfe vor, doch laut Insidern galten diese als zu teuer und unattraktiv für die angepeilten Märkte. Die Rendite, bei der Kernmarke VW ein sensibles Thema, verzögerte also auch dieses Projekt.

Hat die Entscheidung etwas mit dem Machtkampf bei Volkswagen zu tun?

Das ist unklar. Über die genauen Gründe für seine Attacke gegen den Vorstandsvorsitzenden ("Ich bin auf Distanz zu Winterkorn") schweigt VW-Patriarch Ferdinand Piëch bis heute. Dem Vernehmen nach war das fehlende Budget Car beziehungsweise das seit Jahren stockende Projekt Teil des Kritik-Pakets von Piëch. Welchen Stellenwert das Billigauto neben Themen wie der anhaltenden Renditeschwäche, der ausufernden Modellvielfalt oder den fehlenden SUV-Modellen in den USA eingenommen, ist nicht bekannt. Solange Piëch sich nicht dazu äußert, bleibt es reine Spekulation, ob die angeblichen Vorwürfe aus dem Machtkampf die Entscheidung beeinflusst haben.

Winterkorn baut Volkswagen um Das reinigende Gewitter über Wolfsburg

Nachdem der Machtkampf mit Firmenpatriarch Piëch gewonnen ist, organisiert VW-Boss Winterkorn den Autobauer um. Mit einer neuen Struktur alleine ist es nicht getan – VW sucht immer noch einen starken Aufsichtsratschef.

VW-Chef Martin Winterkorn: Ist das Riesenreich Volkswagen noch zentral steuerbar? Quelle: REUTERS

Warum wird das Budget Car vorerst nur in China angeboten?

Nachdem in China lange Zeit vor allem große Autos gefragt waren, da diese den Status seines Besitzers symbolisieren, nimmt der Markt zunehmend auch Klein- und Kompaktwagen an. Besonders in den Megacities setzen sich die Kompaktwagen wegen ihrer Vorteile im Stadtverkehrs zunehmend durch. Dazu kommt, dass Modelle, die für den chinesischen Anspruch ausgelegt sind, auch in anderen Märkten angeboten werden können – im Gegensatz zu Indien. Autos nach indischen Anforderungen sind – vor allem wegen ihrer mangelnden Sicherheitsausstattung – meist auch nur dort verkaufbar. Sind die Autos aber zu gut und sicher ausgestattet, werden sie auch teurer und in Indien zum Ladenhüter. Da Volkswagen in China auch über eine bestehende und starke Infrastruktur an Werken und Händlern verfügt, ist der Fokus auf China ein logischer Schritt.

Weitere Artikel

Baut und entwickelt VW nach dem Suzuki-Desaster das Auto jetzt alleine?

Vermutlich nicht. In China ist für ausländische Unternehmen die Zusammenarbeit mit einer lokalen Firma verpflichtend, VW kooperiert etwa mit FAW (First Automotive Works) und SAIC (Shanghai Automotive Industry Corporation). Vor wenigen Wochen verkündete der Konzern eine Kooperation mit dem chinesischen Autobauer Great Wall. Bei Marktanalysen und dem Vergleich mit potenziellen Konkurrenzmodellen sei Great Wall positiv aufgefallen, heißt es aus Konzernkreisen. Welchen Anteil der börsennotierte Privatkonzern bei dem Aufbau der VW-Billig-Reihe übernimmt, ist aber noch nicht bekannt.

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