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Carsharing: Flotten-Manöver

von Jürgen Rees

Carsharing ist in und boomt. Jetzt steigen mit Audi, Volvo, Opel und Toyota weitere große Hersteller in das Geschäft ein. Doch profitieren neben den Kunden auch die Städte und die Umwelt?

Toyota, Audi, Opel und Volvo zählen zu den Späteinsteigern in das Geschäft mit den geteilten Autos. Die Konzerne treffen auf Platzhirsche wie Flinkster von der Deutschen Bahn, Car2Go vom Stuttgarter Daimler-Konzern oder DriveNow vom Münchner Konkurrenten BMW. Aber auch Volkswagen, Ford sowie Peugeot und Citroën fehlen nicht: Praktisch alle großen Hersteller mischen mit – manche wie Daimler und BMW sehr ernsthaft, andere wie VW oder der französische PSA-Konzern etwas halbherzig.

Die Autobauer, so der Eindruck, haben die einst grüne Idee des Autoteilens für ihre Zwecke gekapert. Schon melden sich die ersten Zweifler, die fragen: Führt Carsharing wirklich zu weniger Autoverkehr, weil die Nutzer bewusster entscheiden, wann sie ein Fahrzeug brauchen? Oder legen sie jetzt auch kürzeste Strecken mit dem Pkw zurück, statt in Bus und Bahn einzusteigen? Sind die knappen Parkplätze in unseren Städten bald mit den Mietautos zugepflastert?

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Die Absicht der Autohersteller ist klar. Sie setzen auf einen Markt, der gerade boomt, und wollen sich ein möglichst großes Stück vom Kuchen abschneiden. Der Berliner Bundesverband Carsharing registrierte vor wenigen Tagen den millionsten Nutzer in Deutschland. Und der Run geht weiter. Die Unternehmensberatung Roland Berger erwartet, dass das Geschäft mit den geteilten Autos bis 2020 um jährlich 30 Prozent auf bis zu 5,6 Milliarden Euro Umsatz wachsen wird.

Die Carsharing-Angebote im Überblick

  • Flinkster (Dt. Bahn)

    Zahl der Fahrzeuge: mehr als 3100

    Verbreitung: 140 Städte

    Fahrzeugtypen: viele

    Carsharing-Typ: stationär

    Kosten pro km: 18–20 Cent

    Sonstige Kosten: 1500 Euro Selbstbeteiligung, bei Unfall, Reduktion gegen Aufpreis möglich

  • Stadtmobil

    Zahl der Fahrzeuge: 2000

    Verbreitung: 100 Städte

    Fahrzeugtypen: 25 verschiedene

    Carsharing-Typ: stationär

    Kosten pro km: ab 18 Cent

    Sonstige Kosten: regional verschieden

  • CarUnity (Opel)

    Zahl der Fahrzeuge: mehr als 1.500 (herstellerübergreifend)

    Verbreitung: deutschalndweit

    Fahrzeugtypen: verschieden

    Carsharing-Typ: Peer-to-Peer

    Kosten pro km: Tagespauschale

    Sonstige Kosten: keine Angabe

  • Citeecar

    Zahl der Fahrzeuge: 800

    Verbreitung: Berlin, Hamburg, München, Frankfurt am Main, Gelsenkirchen, Bochum, Essen, Dortmund, Herten, Recklinghausen, Bottrop

    Fahrzeugtypen: Kia Rio, Toyota Yaris

    Carsharing-Typ: stationär

    Kosten pro km: ab 22 Cent

    Sonstige Kosten: 1000 Euro Selbstbeteiligung bei Unfall - kann aber auf Null Euro reduziert werden, wenn man pro Stunde 75 Cent zusätzlich zahlt oder maximal 7,50 Euro am Tag.

  • Car2go (Daimler)

    Zahl der Fahrzeuge: 3500

    Verbreitung: Berlin, Hamburg, München, Stuttgart, Düsseldorf, Köln, Ulm, Frankfurt

    Fahrzeugtypen: Smart, Smart e-Drive

    Carsharing-Typ: flexibel

    Kosten pro km: 29 Cent pro Minute

    Sonstige Kosten: 500 Euro Selbstbeteiligung bei Unfall, Reduktion gegen Aufpreis möglich

  • DriveNow (BMW)

    Zahl der Fahrzeuge: 2950

    Verbreitung: München, Berlin, Köln, Düsseldorf, Hamburg, Wien, San Francisco

    Fahrzeugtypen: BMW 1er, BMW X1, BMW ActiveE, MINI, MINI Cabrio, MINI Clubman, MINI Countryman

    Carsharing-Typ: flexibel

    Kosten pro km: ab 24 Cent pro Minute

    Sonstige Kosten: 750 Euro Selbstbeteiligung bei Unfall, Reduktion gegen Aufpreis möglich

  • Multicity (Citroen)

    Zahl der Fahrzeuge: 350

    Verbreitung: Berlin

    Fahrzeugtypen: Citroen C-zero (elektro)

    Carsharing-Typ: flexibel

    Kosten pro km: 28 Cent

    Sonstige Kosten: 500 Euro Selbstbeteiligung bei Unfall, Reduktion gegen Aufpreis möglich

  • Greenwheels (VW)

    Zahl der Fahrzeuge: 280

    Verbreitung: 21 Städte

    Fahrzeugtypen: Kompaktklasse, Vans

    Carsharing-Typ: stationär

    Kosten pro km: 10 Cent plus Benzin

    Sonstige Kosten: 1000 Euro Selbstbeteiligung bei Unfall, Reduktion gegen Aufpreis möglich

  • Quicar (VW)

    Zahl der Fahrzeuge: 200

    Verbreitung: Hannover

    Fahrzeugtypen: VW Golf

    Carsharing-Typ: stationär

    Kosten pro km: 20 Cent

    Sonstige Kosten: 100 Euro Selbstbeteiligung bei Unfall, Reduktion gegen Aufpreis möglich

  • Mu (Peugeot)

    Zahl der Fahrzeuge: keine Angabe

    Verbreitung: deutschlandweit

    Fahrzeugtypen: alle Peugeot-Modelle

    Carsharing-Typ: bei Händlern

    Kosten pro km: ab 33 Cent

    Sonstige Kosten: keine Angaben


Einer der wichtigsten Gründe für den Boom: Noch nie war Carsharing dank Smartphones so einfach wie heute. Auf dem Handy sieht der Kunde, wo welche Fahrzeuge stehen. Er kann sie reservieren, bei Flinkster und Car2Go demnächst sogar mit dem Telefon aufschließen, bei Mu von Peugeot lässt sich vom Rad bis zum Transporter einfach alles teilen.

Immer neue Angebote sollen Kunden locken. Derzeit können sie zwischen zwei prinzipiellen Formen des Carsharings wählen: Bei den stationären Angeboten wie Flinkster, dem größten Carsharing-Anbieter Deutschlands, müssen Kunden im Voraus ein Auto buchen, es an einer Station abholen und dort in der Regel auch wieder abgeben. Die Preise sind relativ niedrig, nur unangemeldetes Überziehen der Leihzeit ist schmerzhaft teuer. Bei Free-Floating-Angeboten, wie die Branche sie mehr schlecht als recht gedenglischt nennt, etwa von Car2Go und DriveNow, sind die Fahrzeuge quer über eine Stadt wie Köln oder Berlin verteilt. Der Kunde sieht auf seinem Smartphone, wo ein Fahrzeug in seiner Nähe verfügbar ist, öffnet es mit Chipkarte oder Handy, steigt ein und stellt es später einfach wieder im Stadtgebiet ab. Die Flexibilität ist komfortabel, kostet aber zusätzlich.

Das Auto zu dritt

Wer sich als Nachzügler im Markt behaupten will, muss sich von der Konkurrenz klar abheben. Toyota versucht es mit seinen witzigen dreirädrigen Fahrzeugen in Grenoble. Volvo will ab 2016 ein Angebot organisieren, bei dem die Kunden der Schwedenmarke untereinander ihre Fahrzeuge tauschen.

Ein vergleichbares Carsharing-Konzept unter dem Namen „Audi unite“ bietet der Autohersteller aus Ingolstadt an. Bis zu fünf Personen können sich für ein oder zwei Jahre ein Auto teilen – vom kleinen A1 bis zum Supersportwagen R8. Die Nutzer organisieren sich über das Smartphone. Per App kann jeder das Fahrzeug reservieren und feststellen, wo das Auto steht – und wie viel Benzin noch im Tank ist. Die Audi-Art des Teilens kostet monatlich pro Person je nach Modell zwischen 160 und 970 Euro. Der Betrag schließt Steuern, Versicherung, Service, monatliche Reinigung und Reifenwechsel ein. Audi-Chef Rupert Stadler hofft: „So generieren wir komplett neue Zielgruppen für bestimmte Produktgattungen.“ Ähnliches plant auch Opel für die eigene Kundschaft.

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