Chef der Trucksparte: Daimler-Manager in China am Pranger

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Chef der Trucksparte: Daimler-Manager in China am Pranger

, aktualisiert 21. November 2016, 11:14 Uhr
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In Chinas sozialen Medien ist ein Daimler-Manager Opfer eines Shitstorms.

von Stephan ScheuerQuelle:Handelsblatt Online

Ein Daimler-Manager soll eine Frau wüst beschimpft haben. Chinas Staatsmedien befeuern die Debatte im Netz, indem sie Namen, Funktion und Fotos des „überheblichen Europäers“ verbreiten – und zum Boykott aufrufen.

Alles beginnt mit einem wütenden Kurztext. Eine chinesische Nutzerin beklagt sich auf dem chinesischen Mikroblog Weibo, sie sei von einem deutschen Manager wüst beschimpft worden. Im Streit um einen Parkplatz habe der Mitarbeiter von Daimler gesagt: „Ich bin schon seit einem Jahr in China. Und das erste, was ich gelernt habe, ist: Alle Chinesen sind Bastarde.“

Der Beitrag verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Am Montagmorgen lesen mehr als fünf Millionen Nutzer die Beiträge, die unter dem neueingerichteten Hashtag „Daimler Manager verunglimpft China“ verbreitet werden. Mehr als 4.000 Kommentare werden innerhalb von Stunden mit dem Hashtag gepostet. Es wird zum Boykott von Daimler-Produkten in der Volkrepublik aufgerufen. Nutzer teilen die Handynummer und Postanschrift des Mitarbeiters. Screenshots legen nahe, dass ein interner Auszug des Firmenadressbuchs im Internet verbreitet wurde. Aufrufe zu Gewalt kursieren.

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Daimler versucht die Debatte zu entschärfen. Es handele sich um einen persönlichen Konflikt, der in keiner Weise für das Unternehmen stehe, sagt eine Sprecherin dem Handelsblatt. Daimler biete interkulturelle Vorbereitungskurse für Mitarbeiter an, die ins Ausland entsendet würden.

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In einer Stellungnahme an chinesische Medien betont der Autobauer, der Hintergrund des Falls werde untersucht. „Wir drücken unser Bedauern über diesen persönlichen Konflikt aus. Jegliche Aussagen des beteiligten Mitarbeiters stehen in keinem Fall für unser Unternehmen.“ Daimler arbeite daran, ein verantwortungsvolles Unternehmen in China zu sein.

Daimler müsse die Entwicklung sehr ernst nehmen, fordert Professor Yang Bin, der an der Pekinger Tsinghua Universität zu Chinas Sozialen Netzwerken forscht. „Es ist verständlich, dass Nutzer im Internet wütend sind. Es ist richtig, dass sich Daimler direkt entschuldigt hat“, sagt Yang. „Persönliche Kontaktdaten dürfen nicht ungefragt online geteilt werden. Das ist auch in China illegal“, hebt Yang hervor. Die Regierung arbeite daran, auch im Internet klarere Grenzen zu ziehen.

Anstatt die Debatte zu versachlichen, feuern chinesische Staatsmedien die Debatten im Internet jedoch weiter an. Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua gibt den Vorfall auf Weibo mit den Worten weiter: „Sie essen das Fleisch vom Knochen. Und dann legen sie die Stäbchen zur Seite, um zu schimpfen.“ Daimler habe massiv von Chinas Aufstieg profitiert, aber die Einstellung des Mitarbeiters offenbare, wie überheblich der Konzern auf China herabblicke. Gleichzeitig teilte die Nachrichtenagentur, Namen, Funktion und Fotos des Daimler-Mitarbeiters.

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Ein Chinese meldet sich zu Wort, dessen Mobilnummer nur um eine Ziffer von der des Daimler-Mitarbeiters abweicht. Er schickt Fotos von SMS, die fälschlicherweise an ihn geschickt wurden. „Geh nach Deutschland, Du und Deine Firma haben in China nichts zu suchen“, heißt es in einer. In einer anderen fordert ein unbekannter Absender: „Warte nur, bis wir Dich in die Finger bekommen. Niemand darf unser Land so beschmutzen, wie ihr überheblichen Europäer.“

„Auch Chinesen sind immer wieder Opfer solcher Kampagnen“

Eine Präsenz auf Chinas sozialen Netzwerken ist ein Muss für internationale Konzerne. Nirgendwo gibt es sonst so einen direkten Draht zu Konsumenten. Nirgendwo lassen sich Werbekampagnen so genau auf Käufer zuschneiden. Chinas Firewall blockiert globale Plattformen wie Facebook, Twitter oder Youtube. Aber für alle Medien gibt es chinesische Pendants.

Wutausbrüche von Nutzern gibt es auf dem Mikroblog Weibo ähnlich wie bei Facebook und Twitter. Doch während chinesischen Zensoren schnell politisch heikle Kommentare oder Kritik an der chinesischen Regierung löschen, werden immer wieder persönliche Daten einzelner Personen millionenfach geteilt. „Renrou“ (übersetzt Menschenfleisch) wird das gezielte Online-Mobbing in China genannt.

Das sei ein Problem, sagt Professor Yang. „Es richtet sich aber nicht nur gegen Ausländer. Auch Chinesen sind immer wieder Opfer solcher Kampagnen“, sagt Yang. Das mache die Auswirkungen solcher Entwicklungen jedoch nicht weniger dramatisch.

Peking hatte bereits vor zwei Jahren die Kampagne „Sauberes Internet 2014“ gestartet. Damals waren die Regeln Veröffentlichungen im Internet massiv verschärft worden. Seitdem können Blogger mit bis zu drei Jahren Haft bestraft werden, wenn sie über Online-Kommentare oder Mikroblogs „Gerüchte“ verbreiten, die von mehr als 5.000 Besuchern gelesen oder mehr als 500 Mal im Netz weiterverbreitet werden.

Menschenrechtsgruppen wie die US-Organisation Human Rights in China warnen jedoch, dass diese Regel gegen Regierungskritiker ausgelegt werden können, und nicht helfen, Onlinemobbing einzudämmen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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