Continental-Chef : Keine Angst vor dem Euro-Austritt Griechenlands

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Continental-Chef : Keine Angst vor dem Euro-Austritt Griechenlands

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Vorstandsvorsitzender Elmar Degenhart hofft auf eine Listung des Autozulieferers Continental im Dax ab September

von Hans-Jürgen Klesse

Elmar Degenhart, Chef des Autozulieferers Continental, hat keine Angst vor Rezession und dem Euro-Austritt Griechenlands. Er will den Konzern unabhängiger vom Autogeschäft machen.

WirtschaftsWoche: Herr Degenhart, Peugeot-Citroën, Renault und Fiat schwächeln, der französische Autokonzern PSA will 8000 Jobs streichen und ein Werk schließen. Haben Sie schon eine Krisensitzung anberaumt?

Degenhart: Dazu besteht im Moment kein Grund. Zwar schlägt das in Form rückläufiger Abrufzahlen von Komponenten auf uns durch, wenn die von Ihnen genannten Autohersteller wegen der Euro- und Finanzkrise zum Teil mit zweistelligen Absatzrückgängen fertig werden müssen.

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Generell spüren wir Rückgänge aber nur bei den Kunden, die sich ganz überwiegend auf die europäischen Märkte konzentrieren. Gleichwohl gilt es, die Unsicherheiten auf den weltweiten Absatzmärkten, die schwierige wirtschaftliche Situation in einigen Mitgliedsländern der Europäischen Union und die Verlangsamung des Wachstums der Weltwirtschaft weiter sehr genau im Blick zu behalten.

Insgesamt hat der weltweite Automobilmarkt noch eine Menge Potenzial, davon profitieren wir durch unsere weltweite Aufstellung ebenso wie von der Exportstärke deutscher Autohersteller wie VW, BMW oder Daimler. Deren Erfolge in den wachsenden Märkten in Asien und den USA helfen uns ebenso wie die gute Auftragslage bei anderen Kunden in Nordamerika oder Asien, das Minus in Europa auszugleichen.

Auf welche Geschäfte sich der Umsatz bei Continental verteilt Quelle: Continental-Geschäftsbericht

Auf welche Geschäfte sich der Umsatz bei Continental verteilt (in Prozent; Klicken Sie für eine detaillierte Ansicht bitte auf die Grafik)

Bild: Continental-Geschäftsbericht

Was heißt das für Continental konkret?

2011 hatte der weltweite Markt für Pkw und leichte Lkw ein Produktionsvolumen von 75,5 Millionen Fahrzeugen, 2012 dürfte die globale Produktion in der Spanne von ein bis drei Prozent auf etwa 77 bis 79 Millionen wachsen. In den vergangenen Jahren lagen wir mit unserem Wachstum immer rund fünf Prozent über dem Gesamtmarkt. Auf Basis des erfolgreichen ersten Halbjahres sind wir zuversichtlich, unsere gesteckten Jahresziele sicher zu erreichen. Aufgrund der guten Entwicklung in den ersten sechs Monaten rechnen wir nun mit einem Anstieg des Konzernumsatzes um mehr als 7 Prozent auf über 32,5 Milliarden Euro. Außerdem gehen wir davon aus, dass die Marge beim bereinigten operativen Ergebnis sogar über dem sehr guten Vorjahresniveau liegen wird. Grund für diese Neueinschätzung ist die leicht rückläufige Belastung aus den zuvor stark gestiegenen Rohstoffkosten.

Die Abkühlung in Europa und das rückläufige Wachstum etwa in China sind unübersehbar. Was machen Sie, wenn die Konjunktur in Deutschland und anderen wichtigen Märken einknickt?

Wegen der Euro- und Finanzkrise vor allem in Südeuropa ist der europäische Pkw-Absatzmarkt im ersten Halbjahr um rund sechs Prozent geschrumpft. Dieser Trend dürfte auch in der zweiten Jahreshälfte anhalten. Andererseits laufen die Geschäfte in anderen Märkten unverändert gut. Aber sollte es dennoch zu heftigeren Krisenerscheinungen kommen, sind wir wesentlich besser vorbereitet, als auf die erste Finanzkrise vor vier Jahren. Die Autobranche ist deutlich flexibler geworden, wir können schneller auf Marktveränderungen reagieren und unsere Produktion kurzfristig anpassen.

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Quelle: Pressebild

Wie soll das funktionieren?

Unsere Planungsmethoden sind zum Beispiel wesentlich besser geworden, bei den Zulieferern wie bei den Autokonzernen. In der ersten Krise hatten wir einen Planungsvorlauf von nur sechs bis zwölf Monaten, heute können wir aufgrund der besseren Datenlage mit einem Planungshorizont von zwölf bis 18 Monaten arbeiten. Wir merken gleichzeitig durch verbesserte Informationen zu den Beständen unserer Kunden viel früher, wenn sich etwas zusammenbraut. Das verkürzt die Reaktionszeiten innerhalb der gesamten Lieferkette und ermöglicht eine schnellere und genauere Anpassung der Liefermengen auf allen Ebenen. Das heißt, zwischen uns und den Autokonzernen, aber auch gegenüber unseren eigenen Zulieferern.

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