Daimler, BMW und VW: Was ein Börsencrash in China für die Autobauer bedeutet

Daimler, BMW und VW: Was ein Börsencrash in China für die Autobauer bedeutet

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BMW X5 und Audi Q5 in China: Ein Börsencrash samt Absatzflaute würde in Deutschland Arbeitsplätze gefährden.

von Rebecca Eisert

China ist das Dorado der deutschen Autoindustrie. Die Turbulenzen an Chinas Börse zeigen, wie schnell das zu Ende sein kann. Wie das Platzen einer Blase VW, BMW und Daimler und deutsche Arbeiter treffen würde.

Was passiert, wenn in China das „Ende des Goldrausches“ hereinbricht, wie Olaf Kastner, Chef des Gemeinschaftsunternehmens von BMW mit dem heimischen Hersteller Brilliance warnt? In den vergangenen zwei Jahren gab es auf dem chinesischen Markt nur eine Richtung: nach oben. Jetzt gehen die Verkaufszahlen erstmals abwärts. Gut drei Prozent Autos weniger als im Vorjahresmonat verkauften die Hersteller diesen Juni. Das allein ist noch kein Grund zur Sorge.

In Unruhe versetzt Hersteller wie Händler dieser Tage die Entwicklung an den Börsen. Seit dem 12. Juni ist der wichtigste chinesische Aktienmarkt in Shanghai um fast 30 Prozent eingebrochen. Die BMW-Aktien rutschten am Mittwochmorgen zusätzlich belastet von einem kritischen Analysten-Kommentar mit -3,43 Prozent auf 90,68 Euro ans Dax-Ende. Die Vorzugsaktien von Volkswagen verbilligten sich um zwei Prozent, die Papiere von Daimler verloren fast drei Prozent an Wert.

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Autoindustrie im Stresstest So belastbar sind die deutschen Autobauer

Von nichts ist unsere Wirtschaft so abhängig wie vom Erfolg der Autoindustrie. Was bleibt von unserem Wohlstand, wenn die Autoindustrie in die nächste Krise fährt? VW, BMW und Daimler im exklusiven Stresstest.

Stresstest für deutsche Autoindustrie Quelle: Marcel Stahn für WirtschaftsWoche

Die Zentralbank will den Börsenrutsch mit weiteren Krediten stoppen. Wie sie am Mittwoch mitteilte, will sie mit Hilfe einer staatlichen Firma „reichlich Liquidität“ bereitstellen, um damit für Stabilität an den Märkten zu sorgen. In dieser Situation wird klar – kein Glück währt ewig.

Volkswagen ist abhängig vom chinesischen Markt

Um die Verletzlichkeit der Autonation Deutschland abzuschätzen, hat die WirtschaftsWoche das Center of Automotive Management CAM in Bergisch Gladbach bei Köln beauftragt, die Unternehmen Volkswagen, Daimler und BMW einem Stresstest zu unterziehen. Dabei stellten wir auch die Frage: Was passiert, wenn die Nachfrage in China für die Dauer von mehr als einem Jahr um 20 Prozent abstürzt? Welcher Autobauer ist für diesen Fall am besten gerüstet und mit welchen Auswirkungen müssen die Mitarbeiter an den deutschen Standorten rechnen?

Börse stürzt ab China hat sich verzockt

Trotz Staats-Eingriffen beschleunigt sich die Talfahrt am heißgelaufenen chinesischen Aktienmarkt: Die Börse Shanghai öffnete Mittwoch rund sieben Prozent niedriger. Ein Crash würde weltweit die Konjunktur erschüttern.

Der chinesische Aktienmarkt legt eine Achterbahnfahrt hin. Quelle: dpa

Der Volkswagen-Konzern ist derzeit von allen deutschen Herstellern mit Abstand am abhängigsten vom chinesischen Markt. 37 Prozent aller Fahrzeuge der Wolfsburger wurden im Jahr 2014 in China verkauft. VW hält gemeinsam mit seinen Joint-Venture-Partnern FAW und SAIC bereits einen Marktanteil von 20 Prozent. Und der Absatz soll weiter steigen – von gegenwärtig 3,5 Millionen auf fünf Millionen Autos im Jahr 2019. Gut 22 Milliarden Euro sollen dafür nach China fließen, 30.000 neue Jobs entstehen.

„Für Volkswagen geht es mehr als um Absatz und Gewinn. Für VW in China geht es auch um eine bessere Zukunft des Landes“, so der fürs China-Geschäft verantwortliche Vorstand Jochem Heizmann. Die Chance, dass VW die Folgen eines massiven Absatzeinbruchs in China auf die dortigen Werke beschränken könnte, hält Stresstester Stefan Bratzel, Leiter des CAM für begrenzt: „Massenentlassungen in China wären aufgrund des politischen Drucks sehr schwierig.“ Die Belastungen gingen in Milliardenhöhe und würden den Konzern zu Investitionsstopps und Sparprogrammen in deutschen Werken zwingen.

Die Krisenszenarien der deutschen Autobauer

  • Szenario 1: Globale Finanzkrise

    Eine globale Finanzkrise vergleichbar mit der Krise von 2008/2009 trifft die globalen Automobilhersteller. Innerhalb weniger Wochen brechen die Autoverkäufe auf den wichtigsten Automobilmärkten USA, Europa und China um etwa 20 Prozent ein. Dadurch  verschärfen sich auch die Kreditbedingungen erheblich. Auch das folgende Jahr lässt zunächst keine Erholung erwarten.

  • Szenario 1: Volkswagen

    Szenario: Globaler Absatzrückgang um 20 Prozent

    • 2.000.000 verkaufte Fahrzeuge weniger weltweit
    • 750.000 davon in Deutschland
    • bis 50.000 betroffene Arbeitsplätze in Deutschland

    Fazit: Sehr verletzlich

    Quelle: Center of Automotive Management

  • Szenario 1: Daimler

    Szenario: Globaler Absatzrückgang um 20 Prozent

    • 400.000 verkaufte Fahrzeuge weniger weltweit
    • 200.000 davon in Deutschland
    • bis 15.000 betroffene Arbeitsplätze in Deutschland

    Fazit: Verletzlich

  • Szenario 1: BMW

    Szenario: Globaler Absatzrückgang um 20 Prozent

    • 430.000 verkaufte Fahrzeuge weniger weltweit
    • 200.000 davon in Deutschland
    • bis 12.000 betroffene Arbeitsplätze in Deutschland

    Fazit: Weniger verletzlich

  • Szenario 2: Krise in China

    Der chinesische Pkw-Markt bricht in Folge von wirtschaftlichen Problemen – denkbare wäre das Platzen einer Immobilienblase – innerhalb eines Jahres um drastische 20 Prozent ein und bleibt ein volles Jahr 20 Prozent niedriger als im Vorjahr. Die Aussichten für das nächste Jahr lassen ebenfalls keine Erholung erwarten.

  • Szenario 2: Volkswagen

    Szenario: Absatzrückgang um 20 Prozent in China

    • 750.000 verkaufte Fahrzeuge weniger weltweit
    • 650.000 weniger produzierte Autos in China
    • bis 8.000 betroffene Arbeitsplätze in Deutschland

    Fazit: Sehr verletzlich

  • Szenario 2: Daimler

    Szenario: Absatzrückgang um 20 Prozent in China

    • 60.000 verkaufte Fahrzeuge weniger weltweit
    • 35.000 weniger produzierte Autos in China
    • bis 1.500 betroffene Arbeitsplätze in Deutschland

    Fazit: Weniger verletzlich

  • Szenario 2: BMW

    Szenario: Absatzrückgang um 20 Prozent in China

    • 100.000 verkaufte Fahrzeuge weniger weltweit
    • 60.000 weniger produzierte Autos in China
    • bis 1.700 betroffene Arbeitsplätze in Deutschland

    Fazit: Weinger verletzlich

  • Szenario 3: Neue Player

    Neue oder bisher branchefremde Unternehmen wie Tesla, Google oder Apple gewinnen im Zuge der schnellen Durchsetzung der Elektromobilität und des vernetzten sowie autonomen Fahrens an Bedeutung und bedrohen mit ihren Geschäftsmodellen die etablierten Hersteller.

  • Szenario 3: Volkswagen
    • Mittel bis wenig innovativ mit Blick auf radikale Veränderungen
    • Mittelgroße Kompetenz bei Elektro- und Hybridfahrzeugen
    • Sehr hohe Kompetenz bei vernetztem Fahren
    • Kaum Erfahrung mit Mobilitätskonzepten

    Fazit: verletzlich

  • Szenario 3: Daimler
    • Mittel innovativ mit Blick auf radikale Veränderungen
    • Mittelgroße Kompetenz bei Elektro- und Hybridfahrzeugen
    • Sehr hohe Kompetenz bei vernetztem Fahren
    • Erste Erfahrung mit Mobilitätskonzepten (Car2Go, Moovel)

    Fazit: Weniger verletzlich

  • Szenario 3: BMW
    • Mittel bis sehr innovativ mit Blick auf radikale Veränderungen
    • Mittlere bis sehr große Kompetenz bei Elektro- und Hybridfahrzeugen
    • Sehr hohe Kompetenz bei vernetztem Fahren
    • Erste Erfahrung mit Mobilitätskonzepten (DriveNow)

    Fazit: Kaum verletzlich

Die träfen VW besonders hart, da die Wolfsburger viel mehr selber herstellen als Daimler und vor allem BMW. Der Widerstand der starken Gewerkschaften und des Landes Niedersachsens mit seiner Sperrminorität an VW, die beide seit Jahrzehnten für ein hohes Maß an Eigenfertigung und Jobs unter dem Konzerndach sorgen, wäre groß, müsste VW Stellen im Inland streichen.

Ein massiver Absatzeinbruch von 750.000 weniger verkauften Fahrzeugen in China schlüge daher mit zwei bis vier Milliarden Euro und 5000 bis 8000 gefährdeten Jobs hier zu Lande zu Buche.

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