Daimler-Trucks: Ingenieure versuchen, sich in dicke Kunden hineinzuversetzen

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Daimler-Trucks: Ingenieure versuchen, sich in dicke Kunden hineinzuversetzen

Das Geschäft für Dicke wird oftmals stiefmütterlich behandelt. Das will Daimler  ändern. Mit Hilfe eines „Korpulenzanzuges“ sollen sich Ingenieure nun besser in fettleibige Kunden hineinversetzen können. Insbesondere Trucker-Fahrer sollen davon profitieren.

„Irgendwann macht es einfach klick im Kopf“, sagt Richard Sauerbier. Der Entwicklungsingenieur ist für den Bereich Interieur und Ergonomie bei Daimler zuständig und musste feststellen, dass es seinen schlanken Kollegen schwer fällt, sich in fettleibige Menschen hineinzuversetzen. Mit Hilfe des „Obesity Suit“ sollen Ingenieure bei der Konstruktion und Gestaltung von Trucks neue Erkenntnisse erlangen. Fahrzeugdetails können aufgrund gewonnener Erfahrungswerte so konstruiert werden, dass Übergewichtige besser zurechtkommen und es auf der "Straße" leichter haben.

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Dabei geht es allerdings nicht um den gesundheitlichen Aspekt, Autobauer haben längst erkannt, dass sie wirtschaftlich erfolgreich sein können, wenn sie sich auch auf die Bedürfnisse dicker Menschen einstellen. Lange ist dies zu kurz gekommen. Insbesondere Brummi-Fahrer gehörten zu der Kundengruppe, deren Lebensstil Übergewicht mehr als begünstigt. Langes Sitzen, wenig Bewegung, fettiges Essen. Einer Studie zufolge, die 2007  im „Journal of the American Dietetic Society“ erschien, sind 86 Prozent der geschätzten 3,2 Millionen Lastwagenfahrer in den USA übergewichtig oder fettleibig.

Im „Obesity Suit“ machte der Daimler-Ingenieur Sauerbier daher den Selbstversuch –  mit erschreckenden Erkenntnissen. Jeder Schritt war eine Herausforderung: Der Alltag wurde von mehr Platzbedarf, eingeschränktem Balancegefühl, Beweglichkeitseinschränkungen oder physiologische Anstrengung dominiert.  

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Ursprünglich wurde der Korpulenzanzug für die Daimler Tochter Freightliner in Nordamerika entwickelt, da 60 Prozent der Fahrer von Freightliner-Lastwagen in den USA fettleibig sind. Es ging dabei nicht einfach darum, der Testperson Pfunde aufzulasten. Die entsprechende Verteilung sei viel wichtiger gewesen, so Sauerbein. Der Anzug sollte so realistisch wie möglich sein, nicht verrutschen und eng am Körper sitzen. Am eigenen Leib solle auf diese Art und Weise nachempfunden werden, mit welchen Einschränkungen ein korpulenter Mensch zu rechnen hat. Das wissenschaftliche Ingenieurswerkzeug diene zur Sensibilisierung, um die Schwierigkeiten der Zielgruppe zumindest ansatzweise zu verstehen.

Dicke Menschen schwitzen sehr schnell, jede zusätzliche Bewegung bedeutet große Anstrengung. Dazu gehört alleine schon, die Schuhe zu binden. Speziell für Brummi-Fahrer gälte die Schwierigkeit, den schweren Körper in den LKW zu hieven und sich dann hinter das Lenkrad zu quetschen. Die Erkenntnisse wollen die Entwicklungsingenieure bei Daimler nun umsetzen: Es gehe darum, den Einstig zu vereinfachen, Handgriffe an die richtige Stelle zu montieren und Bedienelemente griffgünstig zu platzieren, erklärt Sauerbier. Darüber hinaus solle den Trucker-Fahrern in den Ruhephasen ermöglicht werden, so gut es geht zu regenerieren. Ein breiteres Bett und Sportmöglichkeiten sowie Massagesessel seien daher in Planung.

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