Daimler-Vorstand Ola Källenius: "Ein Auto kauft man nicht wie ein Hemd"

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InterviewDaimler-Vorstand Ola Källenius: "Ein Auto kauft man nicht wie ein Hemd"

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Ola Källenius gilt als der neue starke Mann bei Daimler – und als potenzieller Nachfolger von Dieter Zetsche.

von Rebecca Eisert

Ola Källenius gilt als mutmaßlicher Kronprinz von Daimler-Chef Dieter Zetsche. Im Interview spricht der heutige Vertriebs- und künftige Entwicklungsvorstand über intelligente Autos, das Silicon Valley und wie er den Mercedes-Vertrieb digitaler machen will.

WirtschaftsWoche: Die Autoindustrie steht vor einer großen Aufgabe. Sie müssen Verbrennungs- durch Elektromotoren ersetzen und Autos in rollende Smartphones verwandeln – kurz: das Auto der Zukunft schaffen. Was haben wir hier von Ihnen zu erwarten?
Ola Källenius: Wir sind schon auf dem Weg nicht nur Fahrzeughersteller zu sein, sondern auch Mobilitätsdienstleister. Das Auto der Zukunft fährt autonom, hat null Emissionen und ist intelligent mit dem Fahrer und seiner Umgebung vernetzt. Mit der neuen Generation der E-Klasse gehen wir bereits einen großen Schritt in diese Richtung. Das Mercedes-Benz Erlebnis wird sowohl die Emotionen der Kunden ansprechen, wie auch die Vernunft, dank unserer innovativen Technologien.

Riecht es im Mercedes der Zukunft eher nach Heu oder nach Hyazinthen?
Sie spielen darauf an, dass wir in der neuen E-Klasse verschiedene Raumdüfte anbieten.

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Zur Person

  • Ola Källenius

    Ola Källenius, Jahrgang 1969, ist Vorstand für Vertrieb und Marketing bei Daimler. Der gebürtige Schwede hat in St. Gallen und Stockholm internationales Management studiert. 1993 begann Källenius seine berufliche Laufbahn bei Daimler und stieg über verschiedene Stationen – etwa Leiter des US-Werks Tuscaloosa, Geschäftsführer AMG und Bereichsvorstand Vertrieb der Pkw-Sparte – zum 1. Januar 2015 in den Konzernvorstand auf. Zum Jahreswechsel 2016/2017 übernimmt der 46-Jährige den Posten von Thomas Weber als Entwicklungsvorstand, der in Ruhestand geht.

Und 64 verschiedene Farbtöne für die Beleuchtung im Fahrgastraum. Ist das im digitalen Zeitalter wirklich wichtig?
Im Auto der Zukunft ist es mindestens so wichtig die Sinne zu bespielen wie die digitale Welt - mit Düften, Licht oder naturbetonten Materialien. Sie haben im Wohnzimmer ja auch nicht nur eine Stereoanlage und einen Fernseher stehen, sondern auch Möbel und eine Lampe, die für eine gemütliche Atmosphäre sorgen. Im Auto ist es genau so: der Fahrer soll sich wohl fühlen.

Trotz solcher Visionen kommt Ihre neue E-Klasse aber mit zwei schönen 12,3 Zoll großen Displays, jedoch ohne Touchscreens daher. Warum so viel Vergangenheit auf dem Weg in die digitale Zukunft?
Ich halte unsere neuartige Bedienfunkion mit den beiden Touch Control Buttons am Lenkrad für absolut intuitiv und bequem. So lassen sich beide Displays bedienen, ohne dass die Hände vom Lenkrad genommen werden müssen. Alternativ können ja auch die Spracheingabe oder der Drehdrücksteller in der Mittelkonsole genutzt werden. Da lassen wir den Kunden die Wahl.

Mercedes E-Klasse Der selbstfahrende Dienstwagen von Mercedes

Die neue Mercedes E-Klasse feiert Premiere. Im Interview sprechen die Chefentwickler über die Limousine selbst, autonomes Fahren und die Zukunft von Benzin und Diesel.

Die neue Mercedes E-Klasse, präsentiert am 10. Januar 2016 auf der Detroit Auto Show. Quelle: Daimler

Sie sprachen eingangs von Intelligenz. Der Begriff wird inflationär gebraucht. Es soll sogar intelligente Kühlschränke geben, die beim Abnehmen helfen. Wobei hilft die E-Klasse?
Die E-Klasse ist ein besonders intelligentes Auto. Ich würde sie als Vorboten der automobilen Zukunft bezeichnen. Wir arbeiten hier mit einer Stereokamera und einer hoch modernen Radar-Sensorik rund um das Auto. Die erfassen Situationen, die dem Fahrzeug und seinen Insassen gefährlich werden könnten und lassen das Auto im Notfall und bei ausbleibender Fahrerreaktion regulierend eingreifen.

Die Deutschen beargwöhnen das autonome Fahren, unter anderem, weil sie fürchten, für Schäden durch Schwächen oder Fehler des Autopiloten haften zu müssen. Wie wollen Sie diese Vorbehalte aus dem Weg räumen?
Im Moment ist der Fahrer in der Haftung. Wir haben die Grenze noch nicht überschritten. Aber es wird beim vollautonomen Fahren der Zeitpunkt kommen, wo die Technik voll verantwortlich ist und damit auch der Hersteller.

Wie verantwortlich fühlen Sie sich für die Daten, die Kunden Ihnen durch die IT-Systeme an Bord zwangsläufig etwa über ihr Fahrverhalten oder ihre Routen übermitteln?
Wir arbeiten mit den höchsten digitalen Sicherheitsstandards. Außerdem gilt: Der Kunde allein bestimmt, welche Mercedes me Dienste er nutzen möchte und willigt im Einzelfall ein, welche Daten wir in seinem Sinne nutzen dürfen. Der Vertrag wird zwischen dem Käufer und Mercedes-Benz geschlossen. Es werden keinerlei Daten an Dritte weitergegeben. Daran haben wir kein Interesse.

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