Daimler: Zetsche ist Meister der Ankündigungen

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Daimler: Zetsche ist Meister der Ankündigungen

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In sieben Jahren hat Daimler-Chef Dieter Zetsche den Aktienkurs des Unternehmens nicht hoch gebracht.

von Martin Seiwert, Rebecca Eisert und Jürgen Rees

Am 21. Februar soll der Aufsichtsrat die Amtszeit von Vorstandschef Dieter Zetsche verlängern. Der 59-Jährige hat wieder einmal einiges in petto: weiter eine dicke Dividende und eine engere Liaison mit den Chinesen. Doch Großaktionäre rebellieren und verlangen einen neuen Chef für die Autosparte.

September 2007. Daimler-Chef Dieter Zetsche wird in einem Interview gefragt, ob sein Unternehmen mit ungleich größeren Autokonzernen wie Toyota künftig mithalten könne. Kein Problem, gibt sich der Vorstandschef locker: „Unser Umsatz ist dem von Toyota recht nah.“

Recht nah ist relativ. Am Ende des Geschäftsjahres 2007 verbuchte der japanische Autobauer 166 Milliarden Euro Umsatz, Daimler 99 Milliarden Euro. 2011 wuchs Daimler zwar schneller, auf 107 Milliarden Euro, Toyota macht immer noch 63 Milliarden Euro mehr.

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»Ich will, dass Investoren gut beraten sind, wenn sie ihr Geld in Daimler- Aktien stecken« Zetsche am 10. September 2007

Juni 2011. Zetsche ist in Angriffsstimmung. Es müsse „endlich Schluss sein mit den unproduktiven Debatten“ über die Brennstoffzelle, sagt er. Daimler werde vorangehen und schon 2014, ein Jahr früher als zuvor angekündigt, in die Großserienproduktion von Autos mit dem Elektroantrieb einsteigen. Alles Makulatur, nicht ein Jahr früher, sondern drei Jahre später, also 2017, hieß es vorige Woche aus Stuttgart, sei Daimler so weit. Die Liste „Gesagt, nicht getan“ ist zum Markenzeichen des Daimler-Chefs geworden.

Nach sieben Jahren Regentschaft am Neckar steht der walrossbärtige 59-Jährige wie kein zweiter deutscher Top-Manager für eine wilde Mischung aus hemdsärmligem Optimismus und Halb- bis gelegentlichen Unwahrheiten. Das kostete ihn unter seinesgleichen viele Punkte: In einem Ranking der führenden Manager, für das 1000 Big Shots in Deutschland regelmäßig befragt werden, landete Zetsche unlängst auf dem letzten von 15 Plätzen. Ganz oben thront VW-Chef Martin Winterkorn, dessen Tochterkonzern Audi die Schwaben aussticht, knapp gefolgt von einem weiteren Zetsche-Rivalen, BMW-Chef Norbert Reithofer.

Zu Beginn seiner Amtszeit 2006 drückten Beobachter noch ein Auge zu, wenn Zetsche zum Überschwang anhob. Da musste er vornehmlich heilen, was sein Vorgänger Jürgen Schrempp angerichtet hatte: die gescheiterte Partnerschaft mit dem US-Hersteller und heutigem Fiat-Ableger Chrysler sowie die Korruptionsfälle, die Daimler lähmende Ermittlungen der US-Börsenaufsicht SEC einbrachten.

Aufsichtsrat Chefkontrolleur Bischoff in der Kritik

Manfred Bischoff und Dieter Zetsche sind Kumpels aus schwerer Zeit. Investoren bemängeln die große Nähe der beiden zueinander.

Foto des Daimler-Aufsichtsratchefes Bischoff Quelle: dapd

Doch auch als die Aufräumarbeiten abgeschlossen waren, blieb Zetsche Ankündigungskünstler – und hinter seinen Rivalen BMW und Audi zurück. So groß der Gewinn mit zuletzt acht Milliarden Euro zuletzt auch ausfiel, den Bayern fährt Daimler auf fast allen Feldern mit großem Abstand hinterher.

Das wird den Daimler-Aufsichtsrat nicht davon abhalten, Zetsche nach seinen ersten beiden Amtsperioden für eine weitere als Vorstandschef zu bestellen. Am 21. Februar soll das Gremium den Vertrag von Zetsche vorzeitig um fünf Jahre bis 2018 verlängern. Auch Forschungsvorstand Thomas Weber und Compliance-Vorstand Christine Hohmann-Dennhardt sollen eine weitere Amtsperiode anhängen dürfen, heißt es in Konzernkreisen.

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