Designzukunft: Wie die Elektrifizierung das Autodesign verändert

Designzukunft: Wie die Elektrifizierung das Autodesign verändert

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Ladezustand einer Batterie: Autofahrer kann ihn selbst bestimmen

von Thorsten Firlus und Christopher Schwarz

Designer Tobias Nagel über mehr Gestaltungsfreiheit und neue Formen.

In den nächsten zwei bis drei Jahrzehnten muss sich am klassischen Autodesign (durch den Elektroantrieb allein) gar nicht so viel ändern. Wie ein T-Shirt immer zwei Ärmel haben wird, muss im Auto Raum für Insassen, Gepäck und eine Knautschzone ganz vorn sein. Wir behalten also auch zunächst noch traditionelle Formen und Proportionen.

Der entscheidende Schritt im Design kommt mit den Veränderungen der technischen Peripherie. Sind erst mal Batterien und Elektromotoren klein genug, dann steht mehr Platz vorn zur Verfügung. Zusammen mit intelligenten Verkehrsleitsystemen, in die sich der Fahrer einloggt wie ein Computernutzer in ein Netzwerk und die ihn beim Verkehr in der Stadt steuern, führt das auch zu einem Wandel der Formen.

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Autos könnten langsamer fahren

Die Autos könnten langsamer und dafür gleichmäßiger fahren und erreichten trotz des geringeren Tempos die Durchschnittsgeschwindigkeit von heute: etwa 20 Kilometer pro Stunde in der Stadt. Dann würden Knautschzonen und Versteifungen zum Schutz vor Unfällen an Bedeutung verlieren, und wir Designer wären freier in der Gestaltung: Die Front könnte ganz transparent sein und eine große Übersicht erlauben. Heute hätten die Fahrer wohl zu viel Angst vor so einem Auto. Wenn aber erst einmal die Zahl der Unfälle durch intelligente Leitsysteme sinkt, gewinnen wir auch ein Gefühl größerer Sicherheit. Außerdem könnten bei geringeren Geschwindigkeiten Autos mit weniger Gewicht geplant werden – und damit wären auch wieder neue Formen möglich.

Einige der gravierendsten Änderungen wird der Innenraum erleben. Sind erst mal die Bedienelemente nicht mehr mechanisch oder per Kabel mit dem Antrieb verbunden, kann auch das Armaturenbrett in seiner jetzigen Form völlig verändert werden. Durch den Verzicht auf mechanische Übertragung ist auch ein Joystick statt eines Lenkrads denkbar, sofern gleichzeitig der Airbag in der Tür oder im Sicherheitsgurt untergebracht würde.

Erst wenn die Antriebstechnik kleiner und die Peripherie automatisiert wird, beginnt die Zeit der großen Freiheit für die Designer. Sollten die Fahrzeuge dank intelligenter Steuerung in der gleichen Zeit wie bisher ihr Ziel erreichen, dafür aber weniger Geschwindigkeit benötigen, verliert auch der Faktor Luftwiderstand an Bedeutung.

Das Design könnte sich somit mehr am Faktor Mensch als an dynamischen Gesetzmäßigkeiten orientieren. Dann werden wir auch eine größere Vielfalt an Fahrzeugkategorien zu sehen bekommen. Kompakte Zweisitzer, kleinere Fahrzeuge für nur einen Fahrer, schmale Autos für spezielle Anwendungen. Bislang völlig vernachlässigt wurde die Idee, das Auto als Fitnessgerät zu begreifen, etwa mit einem installierten Laufband, auf dem sich der „Fahrer“ auch mal selbst bewegt, um wieder in Form zu kommen. Schon hätten wir den Begriff der „Automobilität“, der „Selbstbeweglichkeit“ neu definiert!

Tobias Nagel arbeitet als Designer in Japan. Er entwarf für Nissan die Konzeptstudien Pivo1 und Pivo2 und war zuletzt an der konzeptionellen Ausarbeitung des Nissan Land Gliders beteiligt.

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