Detroit: Deutsche Autobauer erleben US-Renaissance

Detroit: Deutsche Autobauer erleben US-Renaissance

von Angela Hennersdorf

Vor zwei Jahren schien Amerikas Autoindustrie am Ende. 2011 aber war ein Super-Jahr für die Branche, ganz besonders auch für die deutschen Hersteller. Und auch 2012 sollen die US-Absatzzahlen der Deutschen weiter wachsen, wenn auch nicht so stark.

Was bedeutet eigentlich Fahrvergnügen? Seitdem ich in Amerika bin, fragen mich das immer wieder die Amerikaner. Die Reaktionen auf meine Übersetzungsbemühen sind dann recht verhalten: „Fun to drive“ – that’s all?“ Für amerikanische Ohren hört sich „Fahrvergnügen“ so exotisch an, dass die Amerikaner dahinter eine neue Supertechnik der Deutschen vermuten, eine neue Einspritztechnologie, ein neues Getriebe – jedenfalls etwas, das für „german engineering“ steht – und nicht nur einfach für Spaß am Fahren.

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Dem Volkswagen-Konzern kann das egal sein, der Slogan kommt gut an bei den Amis. Trotz schlechter Konjunktur und hoher Arbeitslosigkeit in den USA haben sich die Amerikaner besonders viel Fahrvergnügen in 2011 gegönnt – und das nicht nur mit den VW-Marken.

Europas Schwächen wettmachen

Abwrackprämie oder Staatshilfe? Das war einmal. Im vergangenen Jahr erhöhte die Branche insgesamt ihren Absatz in den USA um zehn Prozent auf 12,8 Millionen Fahrzeuge. Auch für 2012 erwarten Experten ein leichtes Plus auf 13,6 Millionen. Das ist nicht mehr so rosig. Trotzdem wollen sich vor allem die deutschen Hersteller keine neue Krise herbeireden – schon gar nicht in Amerika, dem nach China weltweit wichtigsten und größten Markt.

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Das florierende Amerikageschäft soll dabei helfen, die Schwächen in Europa wettzumachen.Immerhin – eine ziemlich gute Ausgangsposition haben die Deutschen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, in dem mindestens ein eigenes Auto nach wie vor zum Lebensstandard gehört, so wie ein eigenes Haus.

Deutsche Hersteller legten 2011 kräftig zu

Schließlich haben vor allem die deutschen Hersteller abgesahnt auf dem amerikanischen Markt in 2011. Die Volkswagen Group of America mit den Marken VW, Audi, Bentley und Lamborghini verkaufte im vergangenen Jahr in Nordamerika 444.000 Fahrzeuge, 23 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Gros davon setzten die Wolfsburger mit ihrer Kernmarke VW ab - immerhin 324.000 Autos, das sind 26 Prozent mehr als 2010. Erstmals seit 2003 schrieb die Vertriebsgesellschaft von Volkswagen of America operativ schwarze Zahlen. Bis 2013 soll auch das neue Werk in Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee Gewinn machen. Bis dahin soll das Werk mit 2500 Beschäftigten auch seine volle Kapazität von 150.000 Einheiten erreichen.

In Chattanooga rollt der speziell für den US-Geschmack entwickelte Mittelklassewagen Passat vom Band. Der amerikanische Passat ist größer, er hat mehr Federung – die Amerikaner mögen es weich und bequem. Und der Wagen hat viele cupholder, also Becherhalter. Schließlich muss der Kaffee- oder der Colabecher für den Amerikaner stets griffbereit sein. Auch 2012 erwartet VW in Nordamerika abermals ein zweistelliges Absatzwachstum und will in diesem Jahr mehr als 500.000 Fahrzeuge an die US-Kundschaft ausliefern. Das ist angesichts der Weltkonjunkturlage enorm optimistisch.

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