Psychologie: Was der Dienstwagen über seinen Fahrer aussagt

ThemaAuto

Dienstwagen-Psychologie: Was der Dienstwagen über seinen Fahrer aussagt

Bild vergrößern

Audi, BMW, Daimler gehören zu den beliebtesten Marken für Dienstwagen.

von Sebastian Schaal

Der Firmenwagen ist ein Statussymbol und Statement – vor allem innerhalb des Unternehmens. Ein Psychologe erklärt, welches Modell was über Sie aussagt – und welche Hürden dem Traum-Dienstwagen im Weg stehen.

Beim Gehaltsgespräch geht nichts mehr? Dann reden Sie mit Ihrem Vorgesetzten doch über einen Dienstwagen. Auch wenn sich das Mobilitätsverhalten ändert und das eigene Auto gerade in der jüngeren Bevölkerungan Bedeutung verliert, sind Firmenwagen in Deutschland nach wie vor beliebt – ob als Incentive oder als Statussymbol auf Rädern.

Für den Arbeitgeber kann sich das lohnen: Wenn der Arbeitnehmer den Dienstwagen auch privat nutzen darf, gilt er als Teil der Vergütung. So reduzieren sich Bruttogehalt und damit auch Lohnnebenkosten um den geldwerten Vorteil des Fahrzeugs. Zudem kann der Arbeitgeber Anschaffung und Unterhalt des Wagens als Betriebsausgaben abschreiben.

Anzeige

Auf den Arbeitnehmer hingegen kommen nach der Grundsatzentscheidung für einen Firmenwagen wichtige Fragen zu: Ersetzt der Dienstwagen das eigene Auto vollständig oder benötige ich noch einen Zweitwagen? Soll der geldwerte Vorteil der Privatfahrten nach der Ein-Prozent-Regelung oder mit einem Fahrtenbuch für die Steuer erfasst werden? Und nicht zuletzt: Welches Modell ist meiner Position im Unternehmen angemessen?

Dienstwagen privat nutzen So funktioniert die Ein-Prozent-Regelung

Wer seinen Dienstwagen auch privat nutzt, kann zwischen Ein-Prozent-Regelung und Fahrtenbuch wählen. Die Ein-Prozent-Regelung gilt als die weniger aufwändige Variante. Doch auch hier gibt es einiges zu beachten.

Wer den Firmenwagen auch privat nutzt, hat einen geldwerten Vorteil, der versteuert werden muss. Das geht zum Beispiel mit der Ein-Prozent-Regelung für Dienstwagen. Quelle: dapd

Beim Dienstwagen-Modell grenzen oft unternehmenseigene Richtlinien die Auswahl ein. Manchmal stehen nur zwei oder drei Modelle zur Wahl, in anderen Unternehmen muss es ein silberner Kombi eines deutschen Herstellers mit Dieselmotor sein, der ins Budget passt. Ist die Wahlmöglichkeit so klein, ist laut Rüdiger Hossiep die interne Wirkung gegenüber Kollegen wichtiger als das Bild nach außen. „In Unternehmen neigen die Mitarbeiter dazu, das Etikett ihres Dienstwagens nach innen zu tragen, nicht nach außen“, sagt der Professor für Wirtschaftspsychologie an der Ruhr-Universität Bochum (RUB).

Der Chef ist der Maßstab

Der oberste Maßstab ist meist der Chef oder direkte Vorgesetzte – schließlich will man nicht unangenehm auffallen. „Es wäre schon fast Blasphemie, wenn man als Angestellter einen Jaguar fährt, während der Chef einen Mercedes hat – auch wenn das Auto des Chefs größer und teurer ist“, sagt Hossiep. Ein ausgefalleneres Auto als der Chef ist nach wie vor ein No-Go.

Sind zum Beispiel lediglich Fahrzeugklasse und Preisobergrenze vorgeschrieben, gibt es neben dem Auto des Chefs noch einen weiteren wichtigen Punkt: Können Sie sich selbst mit der Marke und dem Modell identifizieren? In seinen jahrelangen Forschungen hat Hossiep eine Datenbank aufgebaut, mit der er nicht nur die passende Automarke für einen Fahrer bestimmen, sondern auch psychologisch begründete Aussagen über einzelne Baureihen oder gar Modell-Varianten treffen kann.

Um das Profil eines Autofahrers zu bestimmen, fragen die RUB-Forscher die Meinung in Bereichen wie „Fühlen & Erleben“, „Ausdruck des Selbst“ oder auch die Selbsteinschätzung des Fahrstils ab. Aus insgesamt 13 Faktoren ergibt sich so ein Profil, das die Ansprüche an Werte wie Beständigkeit, Performance, Image, Faszination, Gelassenheit und Design erfasst – sowohl für das Fahrzeugmodell als auch für den Fahrer. Je geringer die Abweichung, desto besser passt das Auto zum Fahrer.

So werden die Dienstwagen-tauglichen Limousinen, Kombis und zum Teil auch SUV der deutschen Premium-Hersteller in den Vergleichstests der Fachpresse als immer ähnlicher und austauschbarer beurteilt. Die Nase hat der vorne, der gerade frisch auf dem Markt ist und in der Momentaufnahme die modernste Technik bietet.

In diesen Branchen sind Firmenwagen verbreitet

  • Großhandel

    Verbreitung: 26,4 Prozent
    Bruttolistenpreis: 33.863 Euro

    Quelle: Firmenwagenmonitor 2016

  • Bau

    Verbreitung: 25,6 Prozent
    Bruttolistenpreis: 34.050 Euro

  • Gebrauchsgüter

    Verbreitung: 21,9 Prozent
    Bruttolistenpreis: 43.459 Euro

  • Pharma

    Verbreitung: 20,7 Prozent
    Bruttolistenpreis: 41.801 Euro

  • Zeitarbeit

    Verbreitung: 20,7 Prozent
    Bruttolistenpreis: 34.242 Euro

  • Medizintechnik

    Verbreitung: 20,5 Prozent
    Bruttolistenpreis: 43.081 Euro

  • IT-Systemhäuser

    Verbreitung: 20,2 Prozent
    Bruttolistenpreis: 34.694 Euro

  • Autohäuser

    Verbreitung: 20,1 Prozent
    Bruttolistenpreis: 34.694 Euro

  • Hardware

    Verbreitung: 19,6 Prozent
    Bruttolistenpreis: 47.132 Euro

  • Anlagenbau

    Verbreitung: 18,2 Prozent
    Bruttolistenpreis: 40.166 Euro

  • Gesamt

    Verbreitung: 11,7 Prozent
    Bruttolistenpreis: 39.187 Euro

Die Profi-Tester stützen ihre Aussagen auf Messewerte zu Verbrauchs- und Fahrleistungen oder den subjektiven Qualitätseindruck im Innenraum. Dabei mögen in der Tat immer ähnlichere Ergebnisse zustande kommen. Das heißt aber noch lange nicht, dass die Fahrer von Dienstwagen-Modellen wie dem Audi A6, BMW 5er oder der Mercedes E-Klasse keinen Unterschied mehr zwischen ihren Fahrzeugen machen. Im Gegenteil.

Gerade zwischen dem Audi A6 und der E-Klasse hat Hossiep starke Abweichungen bei einzelnen Werten festgestellt. Wer eine E-Klasse fährt, legt im Vergleich zur Kundschaft des A6 und teilweise auch des 5ers deutlich mehr Wert auf Beständigkeit, Funktionalität und Gelassenheit. Das Interesse an Performance und Aggressivität liegt beim E-Klasse-Fahrer hingegen nahe der Null-Linie – hier erreicht aber der A6-Fahrer die höchsten Werte. Weniger wichtig sind ihm hingegen Individualität und vor allem die Gelassenheit.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%