E-Autos als Dienstwagen: Für den elektrischen Fuhrpark braucht es Mut

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E-Autos als Dienstwagen: Für den elektrischen Fuhrpark braucht es Mut

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Der "Stromzwerg" - ein Poolfahrzeug des Stuttgarter Bauunternehmens Wolff & Müller.

von Katja Joho

Der Fuhrpark mit alternativen Antrieben ist gut fürs Image, fürs ökologische Gewissen und sogar wirtschaftlich. So sieht es zumindest ein Stuttgarter Familienunternehmen – und stellt komplett auf Stromer um.

Stromzwerge werden die kleinen Poolfahrzeuge bei Wolff & Müller genannt, die auf dem Hof des Stuttgarter Bauunternehmens für die Mitarbeiter bereit stehen. Reine E-Autos, die für kurze Strecken in der Stadt genutzt werden. Sie sind das erste Anzeichen für den Wandel im Fuhrpark des Familienunternehmens. Bei den Stuttgartern wird schon länger in der Unternehmensstrategie auf Nachhaltigkeit setzt. Nun will Wolff & Müller (W&M) seinen Fuhrpark auf Elektro und Hybrid umwälzen.

Das Bauunternehmen mit insgesamt 2000 Mitarbeitern hat seinen Hauptsitz in Stuttgart und 27 Standorte über die Bundesrepublik verteilt. Die Mitarbeiter sind mit eigenen Dienstwagen, Poolfahrzeugen oder Baufahrzeugen auf deutschen Straßen unterwegs – und diese sollen in Zukunft mehrheitlich mit alternativen Antrieben ausgestattet sein. Die Stromzwerge als Poolfahrzeuge waren der erste Schritt. Nun sollen in diesem Jahr sowohl Elektro- als auch Hybridfahrzeuge auch als persönliche Dienstwagen in die Car Policy aufgenommen werden.

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Die Geschäftsführung geht mit gutem Beispiel voran: In Kürze fährt ein Geschäftsführer den ersten E-Dienstwagen des Unternehmens – eine Mercedes-Benz B-Klasse mit Elektroantrieb. „Einer unserer Geschäftsführer hat explizit den Wunsch geäußert, dass er als nächsten Dienstwagen gerne ein Elektrofahrzeug hätte“, so W&M-Flottenmanager Patrick Heidrich. „Er verwies auf die Nachhaltigkeit von Wolff & Müller und da wir zu dieser Zeit sowieso bereits an dem Konzept zur Umstellung des Fuhrparks gearbeitet haben, nahmen wir diesen Wunsch auf.“ Wahrscheinlich im dritten Quartal dieses Jahres soll das Fahrzeug kommen. Der Dienstwagen des Geschäftsführers wird so zum Modellversuch für E-Autos im W&M-Fuhrpark.

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„Mit einem Öko-Auto mache ich mich nur lächerlich“

Und dass, obwohl Elektroautos unter den Dienstwagenfahrern scheinbar mehrheitlich noch immer ein Imageproblem haben. Das zumindest legt eine Studie des Meinungsforschungs-Instituts Dataforce zur Elektromobilität nahe. Über 65 Prozent der befragten Dienstwagenfahrer stimmten der Aussage zu: „Bei Elektroautos denke ich an Autos, die eine geringere Reichweite haben als andere Autos.“ Darüber hinaus stehen die Dienstwagenfahrer laut der Dataforce-Analysten vor allem den Kosten für Elektroautos kritisch gegenüber und nicht zuletzt scheint das E-Auto als Dienstwagen ein wahres Imageproblem zu haben: „Immerhin 15 Prozent der befragten Dienstwagenfahrer stimmten der provokanten Frage ‚Mit einem Öko-Auto mache mich bei meinen Kollegen und Freunden nur lächerlich‘ zu oder eher zu“, heißt es bei Dataforce.

Nichtsdestotrotz gaben in der Dataforce-Umfrage 48 Prozent der Dienstwagenfahrer an, dass sie „sich grundsätzlich ein Elektroauto anschaffen würden“.

Angst vor einer negativen Wirkung eines Öko-Images gibt es bei W&M nicht – im Gegenteil. Bei dem Bauunternehmen hat der bestellte E-Dienstwagen des Geschäftsführers großes Interesse geweckt: „Ich wurde schon von vielen Kollegen darauf angesprochen und aus vielen Niederlassungen kam die Rückmeldung, man sei gespannt, was da kommt“, sagt Fuhrparkleiter Heidrich. „Einige haben infolgedessen ebenfalls Interesse an Elektro-Dienstwagen bekundet.“

Das passt zu den Zukunftsplänen bei W&M. Der Fuhrpark besteht zu zwei Drittel aus Pkw, der Rest sind Nutzfahrzeuge. Vor allem bei den Pkw sollen zukünftig mehr und mehr Modelle mit alternativen Antrieben, sprich als Hybride oder E-Autos, unterwegs sein.

„Unser Fuhrpark sollte nachhaltig sein – aber immer auch unter wirtschaftlichen Aspekten“, sagt Ignazio Gentile, Geschäftsführer der Wolff & Müller Einkaufspartner. „Zunächst einmal bedeutet es, dass wir die CO2-Werte im Blick haben und unser Fuhrpark daher aus jungen Fahrzeugen besteht.“ Besonders mit Blick auf die Stuttgarter Situation sei dies ein wichtiger Aspekt – schließlich sieht es derzeit danach aus, dass in Stuttgart ab dem kommenden Jahr zum Beispiel zeitweise Fahrverbote für Dieselfahrzeuge möglich sind. „Wenn wir bedenken, dass sich in Stuttgart im nächsten Jahr diesbezüglich das ein oder andere ändern könnte, ist es ja besonders wichtig, auf Nachhaltigkeit im Fuhrpark zu achten“, so Gentile.

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