Poolfahrzeuge im Fuhrpark: Wann Carsharing eigene Dienstwagen überflüssig macht

Poolfahrzeuge im Fuhrpark: Wann Carsharing eigene Dienstwagen überflüssig macht

von Katja Joho

Viele Fuhrparkmanager kennen es: In der Flotte steht eine Reihe von Poolfahrzeugen, die mehr rumstehen als fahren. Dieser Leerlauf kann mit Corporate Carsharing behoben werden. Lohnt sich das Modell?

Zwanzig Prozent weniger Fahrzeuge – und trotzdem haben die Abteilungen mehr Firmenwagen zur Verfügung. So lautet das Fazit bei MTU Friedrichshafen, dem Kernunternehmen von Rolls-Royce Power-Systems mit Sitz am Bodensee. Früher gab es Abteilungsfahrzeuge, heute nur noch Carsharing; abgesehen von den Dienstwagen der Führungskräfte. An 15 Standorten gibt es insgesamt 86 Fahrzeuge, die von rund 5000 Mitarbeitern genutzt werden können. „Die Poolfahrzeuge spielen eine sehr große Rolle“, sagt MTU-Fuhrparkmanager Roland Wiggenhauser.

Bei MTU wurde das Carsharing-System 2006 eingeführt. Zuvor standen vielen Abteilungen eigene Fahrzeuge zu, die nur innerhalb der Abteilung weitergereicht wurden. „Ein Mitarbeiter hatte den Schlüssel dazu in der Schublade oder Hosentasche. Und wenn das Fahrzeug in der Abteilung nicht benötigt wurde, stand es auch schon einmal eine Woche rum, ohne genutzt zu werden – und dass, obwohl die Nachbarabteilung vielleicht Bedarf gehabt hätte“, beschreibt Wiggenhauser die unglückliche Situation. Der manuelle Austausch funktionierte nicht. „Jeder wollte die Freiheit haben, ein Fahrzeug jederzeit griffbereit vor der Tür stehen zu haben.“

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Nach der Jahrtausendwende wurden im MTU-Fuhrpark die Fahrtenbücher ausgewertet und festgestellt, dass tatsächlich ein großer Anteil der Fahrzeuge viel rumsteht und der Fuhrpark für das Unternehmen eigentlich zu groß war. Um dem entgegenzuwirken, startete das Unternehmen das Projekt Carpool.

In diesen Branchen sind Firmenwagen verbreitet

  • Großhandel

    Verbreitung: 26,4 Prozent
    Bruttolistenpreis: 33.863 Euro

    Quelle: Firmenwagenmonitor 2016

  • Bau

    Verbreitung: 25,6 Prozent
    Bruttolistenpreis: 34.050 Euro

  • Gebrauchsgüter

    Verbreitung: 21,9 Prozent
    Bruttolistenpreis: 43.459 Euro

  • Pharma

    Verbreitung: 20,7 Prozent
    Bruttolistenpreis: 41.801 Euro

  • Zeitarbeit

    Verbreitung: 20,7 Prozent
    Bruttolistenpreis: 34.242 Euro

  • Medizintechnik

    Verbreitung: 20,5 Prozent
    Bruttolistenpreis: 43.081 Euro

  • IT-Systemhäuser

    Verbreitung: 20,2 Prozent
    Bruttolistenpreis: 34.694 Euro

  • Autohäuser

    Verbreitung: 20,1 Prozent
    Bruttolistenpreis: 34.694 Euro

  • Hardware

    Verbreitung: 19,6 Prozent
    Bruttolistenpreis: 47.132 Euro

  • Anlagenbau

    Verbreitung: 18,2 Prozent
    Bruttolistenpreis: 40.166 Euro

  • Gesamt

    Verbreitung: 11,7 Prozent
    Bruttolistenpreis: 39.187 Euro

„Nicht ganz ohne Widerstand der Abteilungen“, räumt Wiggenhauser schmunzelnd ein. Denn als es hieß, die Abteilungswagen würden abgeschafft, war der Aufschrei zunächst groß. Die Beschwerden ebbten aber schnell ab. „Mit der Umstellung haben die Mitarbeiter zum Beispiel schnell erkannt, dass die Abteilungen durchaus von dem System profitieren“, so Wiggenhauser. Von nun an stand jeder Abteilung schließlich nicht nur das eigene Fahrzeug zur Verfügung, sondern gleich zwei oder drei Wagen, wenn sie benötigt werden.

Weniger Fahrzeuge, weniger Kosten

„Durch das Corporate Carsharing kann die Auslastung der Fahrzeuge optimiert und somit auch die Kosten für den Fuhrpark gesenkt werden“, sagt Prinzing. Der Bundesverband Carsharing (BCS) spricht von einer Effizienzsteigerung, die es – je nach Fuhrparkgröße – möglich macht, rund 20 bis 30 Prozent der Fuhrpark-Autos abzuschaffen.

Das zeigte sich auch bei MTU: Mit der Umstellung auf die Poolvariante schrumpfte der Fuhrpark deutlich. Von ursprünglich 100 Abteilungswagen blieben letztlich 80 Carsharing-Fahrzeuge übrig.

Und das rechnete sich: „Mit der Reduktion konnten wir die Kosten für die Installation der Controllingsysteme für das Carsharing decken und es so ohne größere Investitionen einführen“, erklärt Wiggenhauser. „Zwanzig Fahrzeuge weniger war für uns ein erheblicher Kostenanteil, den wir somit streichen konnten. Eine wichtige Erkenntnis in diesem Zusammenhang.“

Firmenwagen Die Finanzbranche fährt die teuersten Schlitten

Statussymbole verändern sich. Dem Zeitgeist gemäß werden auch Dienstwagen umweltfreundlicher und billiger. In manchen Branchen darf das Auto aber trotzdem noch etwas kosten. Protzen geht schließlich auch in grün.

In welcher Branche braucht man überhaupt einen Dienstwagen? Quelle: Fotolia

Für den Betrieb des Carpools bei MTU haben sich die Verantwortlichen für ein breites System an Dienstleistern entschieden. „Der Aufwand ist dadurch überschaubar“, sagt Wiggenhauser. Zu den Dienstleistungen zählen Services wie Tankkarten, aber auch Wartungsarbeiten, Werkstattleistungen, Reinigung der Fahrzeuge oder die automatische Abrechnung nach jeder Fahrt.

„Poolfahrzeuge sind eine geniale Lösung“, sagt Marc-Oliver Prinzing, Vorstandsvorsitzender des Fuhrparkverbandes. „Sie können allerdings auch Probleme mit sich bringen.“ Pool- und Carsharinglösungen machten vor allem dann Sinn, wenn Mitarbeiter regelmäßig ein Dienstfahrzeug benötigen, allerdings nicht in dem Umfang, dass sich ein Dienstwagen lohnt.

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