VW-Manager wegen Dieselskandal verhaftet

Diesel-Abgasskandal: FBI wirft VW-Management Vertuschung vor

, aktualisiert 09. Januar 2017, 16:15 Uhr
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Ein Kfz-Meister lädt im Rahmen der Rückrufaktion zum Abgasskandal ein Software-Update auf einen Volkswagen Golf.

Das FBI hat einen Volkswagen-Manager wegen des Diesel-Abgasskandals festgenommen. Der Vorwurf: eine Beteiligung an der Abgasmanipulation.

Die US-Bundespolizei FBI wirft dem Management von Volkswagen eine Beteiligung an der Abgasmanipulation vor. Nach Zeugenaussagen sei das führende Management in Wolfsburg Ende Juli 2015 über Existenz und Ziel der Betrugssoftware informiert worden, hieß es in der Reuters vorliegenden Klageschrift gegen einen hochrangigen VW-Mitarbeiter. "Statt für eine Offenlegung des Defeat Devices gegenüber der US-Aufsicht einzutreten, genehmigte das VW-Management die weitere Verschleierung", schrieb der FBI-Beamte in der am 30. Dezember in Detroit eingereichten Klage. Darin werden keine Namen der Verantwortlichen in Wolfsburg genannt.

Ein VW-Sprecher sagte, der Konzern äußere sich nicht zu den laufenden Ermittlungen. Bisher hieß es, keine aktiven oder früheren Konzernvorstandsmitglieder seien in den Betrug verstrickt gewesen. Als Urheber wurde auf Ingenieure verwiesen, deren Namen wegen der strafrechtlichen Ermittlungen nicht genannt wurden.

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In der Klageschrift wirft das FBI dem Beschuldigten, dem ehemaligen Chef des für die Koordination mit den US-Behörden zuständigen Umwelt- und Ingenieursbüros von VW in den USA, in Zusammenarbeit mit anderen VW-Mitarbeitern gemeinschaftlichen Betrug vor. Der Manager wurde am Wochenende festgenommen und sollte noch am Montag vor Gericht in Miami erscheinen.

US-Gericht VW muss sich Anlegerklagen in Kalifornien stellen

Volkswagen wollte eine Verlegung von US-Klagen bewirken, doch der Versuch scheitert am US-Bezirksrichter. Die Vorwürfe müssen in Kalifornien verteidigt werden.

Volkswagen muss sich den US-Anlegerklagen in Kalifornien stellen. Quelle: REUTERS

Unterdessen rückt im Verfahren des US-Justizministeriums gegen VW wegen Verstoßes gegen das Luftreinhaltegesetz eine Einigung näher. Wie mehrere mit den Gesprächen vertraute Personen Reuters am Freitag sagten, könnte das Verfahren in dieser Woche zum Abschluss kommen. Womöglich müsse der Konzern mehr als drei Milliarden Dollar Bußgeld zahlen. Allerdings seien die Verhandlungen noch nicht zum Abschluss gebracht worden und könnten noch scheitern.

Am Aktienmarkt setzten Anleger dennoch auf einen Befreiungsschlag. Die Titel von Volkswagen stiegen am Montag um mehr als vier Prozent und setzten sich damit an die Spitze im Dax. Ein Händler erklärte, es komme nicht auf die Höhe des Bußgeldes an. Das wichtigste sei, dass der Fall abgeschlossen werde. VW hat sich mit Privatklägern und den US-Behörden bereits auf eine zivilrechtliche Wiedergutmachung geeinigt, die mit mehr als 16 Milliarden Dollar zu Buche schlägt. Hinzu kommt noch ein Vergleich der VW-Tochter Audi, der Insidern zufolge mehr als eine Milliarde Dollar kosten dürfte. In Europa steht der Wolfsburger Autobauer unterdessen vor einer Welle von Schadensersatzklage von Autokäufern und Anlegern. In Großbritannien reichte die Kanzlei Harcus Sinclair am Montag eine Sammelklage von Autobesitzern ein. Die erste Anhörung dafür sei für den 30. Januar anberaumt.

Abgasskandal Weitere Klage gegen VW setzt auf neue Masche

Bislang haben sich Kläger in Deutschland im VW-Abgasskandal vor allem auf Sachmängel oder arglistige Täuschung berufen. Eine neue Klage setzt bei der erforderlichen Typgenehmigung an – mit offenem Ausgang.

VW Abgasskandal Quelle: dpa

In den USA wendeten sich die Verbraucher wegen des Dieselskandals von Volkswagen ab. Der Absatz der Hauptmarke VW brach im vergangenen Jahr um 7,6 Prozent auf 323.000 Fahrzeuge ein. Damit verkaufte VW nur noch gut fünf Prozent seiner Pkw in den Vereinigten Staaten. Der weltweite Absatz stieg unterdessen, vor allem dank hoher Nachfrage in China, um 2,8 Prozent auf knapp sechs Millionen Stück. Die ebenfalls von manipulierten Dieselautos betroffene Premiumtochter Audi legte am US-Markt hingegen um vier Prozent zu.

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