Durchsuchungen und Strafen: So werden Autobauer in China unter Druck gesetzt

AnalyseDurchsuchungen und Strafen: So werden Autobauer in China unter Druck gesetzt

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Ein Mercedes-Benz-Händler in Shanghai. Deutsche Autobauer sind schon mehrfach Opfer von Chinas Anti-Monopol-Gesetz geworden

von Philipp Mattheis

In China werden die Büroräume von Daimler durchsucht. Audi und Chrysler sollen Strafe zahlen. Was hinter dem drastischen Vorgehen chinesischer Behörden gegen deutsche Autobauer steckt.

Bei Daimler in Shanghai dürfte die Aufregung groß gewesen sein. Am Montagmorgen standen neun chinesische Beamte vor der Tür. Sie wollten die Büroräume durchsuchen und mit einigen Mitarbeitern Gespräche führen. Der Autobauer stehe im Verdacht, "monopolistisch gehandelt zu haben". Ein Kommentar dazu wollte Senol Bayrak, Pressesprecher für Daimler in China, erst einmal nicht abgeben.

Dafür sagte Li Pumin, Sprecher der National Development and Reform Commission (NDRC), auch Audi, Chrysler und zwölf japanische Hersteller von Autoteilen werden untersucht. Die beiden Premium-Autohersteller werden ebenfalls beschuldigt, ihre Produkte zu teuer an chinesische Konsumenten verkauft zu haben.

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Die deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen

  • Handelsvolumen

    China ist der nach Frankreich und den Niederlanden der größte Handelspartner Deutschlands. 2013 wurden Waren im Wert von mehr als 140 Milliarden Euro ausgetauscht. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) geht davon aus, dass China in etwa zehn Jahren zum Handelspartner Nummer eins aufsteigen wird.

  • Exporte

    Die Exporte nach China summierten sich 2013 auf rund 67 Milliarden Euro. Exportschlager sind Maschinen, Fahrzeuge und chemische Produkte. Für Unternehmen wie Audi ist China bereits der wichtigste Absatzmarkt.

  • Importe

    Die Chinesen schickten 2013 Waren im Wert von gut 73 Milliarden Euro hierher und damit etwa viermal so viel wie 2000. Vor allem Computer, Handys und Elektronik liefert der Exportweltmeister nach Deutschland. Weitere Verkaufsschlager sind Bekleidung und elektrische Ausrüstungen.

  • Investitionen

    Mehr als 26,5 Milliarden Euro haben deutsche Unternehmen bislang in China investiert. Etwa 4000 Firmen sind dort aktiv. Allein 2012 stiegen die deutschen Investitionen in der Volksrepublik um 28,5 Prozent auf 1,45 Milliarden Dollar. Umgekehrt zieht es immer mehr Chinesen nach Deutschland. 98 Unternehmen siedelten sich 2012 hierzulande neu an - China ist damit Auslandsinvestor Nummer drei, nach den USA und der Schweiz. 2000 Unternehmen sind inzwischen hier ansässig.

Die Vorwürfe beziehen sich vor allem auf den Ersatzteilmarkt. Hier würden von den Autoherstellern kontrollierte Händler Teile weit über dem Marktpreis an Kunden verkaufen.

Aus der Luft gegriffen sind die Vorwürfe nicht. "Tatsächlich sind die Preise monopolistisch erhöht", sagt Jochen Siebert von der Unternehmensberatung JSC in Shanghai. "Allerdings hat die Regierung diese Situation selbst herbeigeführt."

Hohe Importzölle und Steuern

2005 verpflichtete Peking die internationalen Autohersteller, Ersatzteile nur von vorher lizensierten Händlern verkaufen zu lassen. So wollte man Qualitätsstandards in diesem Markt sichern. Damals wurden aber noch rund 80 Prozent aller Fahrzeuge an Regierungsbehörden verkauft - ein professioneller Ersatzteilmarkt war nicht notwendig. Daraus ergab sich eine quasi-monopolistische Situation. "Bei Teilen, die auch in freien Werkstätten verkauft werden dürfen, ergab sich ein Preisunterschied von 100 Prozent", sagt Experte Siebert. "und das bei identischen Teilen." Gleichzeitig entwickelte sich ein Schwarzmarkt für gefälschte Ersatzteile.

Ähnlich ist die Situation auf dem Neuwagen-Markt für Importfahrzeuge. Die Autohersteller argumentieren zwar, hohe Importzölle und Steuern machten sich eben im Preis bemerkbar. "Doch während Händler in Europa und den USA eigenständig reagieren können und ihre Preise weitgehend selbst festlegen, setzen in China Autohersteller den Endverkaufspreis fest", sagt Christoph Angerbauer von der Handelskammer in Shanghai.

"Die goldenen Zeiten sind damit vorbei"

Wenn sich das ändert, dürften auch die Margen mancher Hersteller auf dem mittlerweile größten Automarkt der Welt sinken. Audi verkauft beispielsweise ein Drittel seiner Wagen mittlerweile in China. "Die ganz goldenen Zeiten sind damit vorbei", sagt Angerbauer.

Vergangene Woche nun hat die chinesische Regierung bekannt gegeben, dass ab dem 1. Oktober Händler nicht mehr von den OEMs autorisiert werden müssen. Zudem sind bestehende Händler nicht mehr an bestimmte Marken gebunden, was zu mehr Wettbewerb und damit auch zu einem Preisrückgang bei Neuwagen führen dürfte. Grundsätzlich sei die Gesetzesänderung sinnvoll. Eine Arbeitsgruppe der Europäischen Handelskammer bestehend aus Automobilzulieferern drängt seit langem auf eine Abschaffung des Gesetzes. So wird auch der Schwarzmarkt für gefälschte Autoteile ausgetrocknet. Problematisch ist eher die für China typische Hauruck-Einführung. "Die Regelung wird viel zu drastisch umgesetzt", sagt Siebert.

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