E-Autos rollen nur langsam an : Stromversorger setzen aufs Ladenetz

E-Autos rollen nur langsam an : Stromversorger setzen aufs Ladenetz

Seit Jahren dümpeln Elektroautos in der Exotenecke. Jetzt gibt es attraktive neue E-Fahrzeuge am Markt. Stadtwerke und Stromkonzerne schöpfen wieder Hoffnung, mit dem Aufbau eines Stromtankstellennetzes Geld zu verdienen.

Deutschland ist bei der Elektromobilität noch weit von einst gesetzten Zielen entfernt. Ein Problem ist dabei die Infrastruktur. Weniger als 3000 Stromtankstellen gab es zu Jahresbeginn in Deutschland, das ist aus Sicht von Kritikern viel zu wenig, um angesichts der noch geringen Reichweiten der Elektro-Autos ohne Angst vor einem Liegenbleiben längere Strecken zu fahren.

Eigentlich sollten Anfang 2015 schon 100.000 E-Autos auf deutschen Straßen rollen. Zu Jahresbeginn waren allerdings nur knapp 19.000 reine Elektroautos zugelassen. Im Vergleich zum Vorjahr war das immerhin ein Plus von 56 Prozent. Und 2014 und 2015 kamen und kommen viele renommierte Hersteller mit neuen Modellen auf den Markt: Vom vielzitierten Luxus-Tesla, Porsche, BMW und Mercedes bis zu Fahrzeugen, die eher auf Normalverdiener zielen etwa von VW, Ford oder Kia.

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Das macht den Stromversorgern neue Hoffnung, die - bisher meist mit wenig Ertrag - schon viele Millionen Euro in die Technik für ein Ladenetz gesteckt haben. Vor allem größere Anlagen für Dienstwagenflotten, Parkhäuser oder große Parkplätze etwa von Supermärkten bieten Chancen - wenn die Versorger nicht nur die Stromtankstellen bauen und warten, sondern als Dienstleister auch die Abrechnung mit ihren rechtlichen und steuerlichen Klippen übernehmen, sagt der Energierechtsspezialist Christian de Wyl, der bundesweit Stadtwerke berät.

Batterien in Elektroautos Wie miese Akkus Elektroautos ausbremsen

Über den Erfolg von Elektroautos entscheidet vor allem die Reichweite der Akkus. Doch der große Durchbruch ist nicht in Sicht – denn die Autobauer haben die Macht über die Entwicklung verloren.

Ein Tesla an der Ladestation Quelle: REUTERS

„Die Zulassungszahlen werden schon 2015 deutlich steigen und disruptiv hochspringen, sobald die Batterien preiswerter werden“, sagt der Chef von RWE Effizienz, Norbert Verweyen. Derzeit verbilligten sich moderne Lithium-Ionen-Batterien für Elektroautos im globalen Einkauf jeden Monat um ein Prozent.

RWE ist mit gut 2500 Elektro-Ladepunkten in Deutschland Marktführer im Ausbau des Netzes. Verweyen nimmt auch an der nationalen Konferenz zur Elektromobilität mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am 15./16. Juni in Berlin teil.

Der Essener Stromkonzern hat vom Discounter Aldi Süd den Zuschlag bekommen, knapp 50 Filialen von Düsseldorf bis München mit Stromtankstellen auszurüsten - Schnellladestationen, die Buchsen für alle derzeit gängigen Steckertypen bieten und in den 30 Minuten für einen üblichen Discounterbesuch immerhin eine Stromzuladung für 80 Kilometer Reichweite erlauben. Die Kunden zahlen dabei keinen Cent und der Strom kommt ohne Zusatzlast für das Netz von der eigenen Solaranlage der Filiale.

Die größten Hersteller von Elektroautos in Deutschland

  • Platz 10

    Ford: 59 zugelassene Elektroautos

    Seit 2013 hat Ford den Focus Electric im Angebot. Doch der große Erfolg blieb dem E-Focus bislang verwehrt: In Deutschland wurden bis zum ersten Halbjahr 2014 gerade einmal 59 Fahrzeuge zugelassen.

  • Platz 9

    Tesla: 638 zugelassene Elektroautos

    Mit dem Roadster wurde Tesla einst als Elektropionier gefeiert, auch das aktuelle Model S sorgt für Furore. Doch der Aufschwung scheint gerade erst zu kommen: Bereits im ersten Halbjahr 2014 wurden mehr als doppelt so viele Elektroautos von Tesla verkauft als im ganzen Jahr 2013.

  • Platz 8

    Mitsubishi: 926 zugelassene Elektroautos

    Mitsubishi zehrt bei den Elektroautos noch von den Erfolgen des iMiev aus dem Jahr 2011. Damals konnten die Japaner mangels Konkurrenz fast 700 Elektroautos verkaufen. Doch seitdem hat das Interesse am iMiev in Deutschland stark abgenommen, weshalb bis heute nur noch knapp 200 weitere Fahrzeuge dazugekommen sind.

  • Platz 7

    Citroën: 948 zugelassene Elektroautos

    Wie bei Mitsubishi ist die erste Welle des Elektro-Erfolgs bei Citroën wieder abgeklungen. Kein Wunder, schließlich ist der C-Zero der Franzosen mit dem Mitsubishi iMiev baugleich. Er hatte 2012 sein bestes Jahr, danach retteten noch einige Zulassungen für das Citroën-eigene Carsharing die Statistik.

  • Platz 6

    Opel: 1450 zugelassene Elektroautos

    Kein Elektroauto verkaufte sich so gut wie der Opel Ampera. Leider gilt das nur für das Jahr 2012. Seitdem ging es mit den Ampera-Zulassungen bergab, von 828 im Jahr 2012 auf 335 im Jahr 2013. Seit Jahresbeginn 2014 fanden nur noch 46 Amperas einen Käufer.

  • Platz 5

    Nissan: 1712 zugelassene Elektroautos

    Bei Nissan sind die Zulassungszahlen für den Leaf konstanter. Nach dem Anlauf-Jahr 2012 fanden im vergangenen Jahr 855 Leafs einen Abnehmer. Im ersten Halbjahr 2014 waren es wieder knapp 400, womit das Gesamtjahr auf dem Vorjahresniveau liegen könnte.

  • Platz 4

    Renault: 1801 zugelassene Elektroautos

    Mit ihrer Submarke Renault Z.E. gelten die Franzosen als Vorreiter im Elektromarkt. Neben den 1532 Zoe haben seit der Erfassung 2011 auch 269 Fluence Z.E. einen Käufer gefunden. Doch der Erfolg könnte noch größer sein: Der ausgefallene Twizy taucht in der Statistik nicht auf – er zählt offiziell als Quad.

  • Platz 3

    BMW: 1935 zugelassene Elektroautos

    Quasi aus dem Stand schafft es BMW auf das Treppchen. Obwohl der i3 erst im November 2013 auf den Markt gekommen ist, brachte er es bis Jahrsende auf 559 Zulassungen. Bis Ende Juni 2014 kamen 1376 weitere dazu.

  • Platz 2

    Volkswagen: 2050 zugelassene Elektroautos

    Beim größten deutschen Autohersteller wurde die Elektromobilität lange stiefmütterlich behandelt. Doch mit dem Start des E-Up und des E-Golfs stiegen die Zulassungen rapide an. Im ersten Halbjahr 2014 lagen beide Modelle mit knapp über 500 Zulassungen fast gleichauf. Der E-Up konnte aber 2013 schon 785 Zulassungen absahnen, als der Elektro-Golf noch gar nicht auf dem Markt war.

  • Platz 1

    Daimler: 3612 zugelassene Elektroautos

    Die Kleinwagenmarke Smart führt Daimler an die Spitze. Die drei Zulassungen des sündhaft teuren Elektro-SLS sind vernachlässigbar, ebenso die Elektro-B-Klasse. Den Großteil holt Daimler mit dem Smart electric drive, von dem alleine 2013 fast 1900 Exemplare zugelassen wurden. Daran ist das hauseigene Carsharing Car2go nicht unschuldig.

    Quelle: Statista.de, Stand 1. Halbjahr 2014

Ob das Ziel der Bundesregierung von einer Million Elektro-Fahrzeugen bis 2020 erreichbar ist, wagt auch Optimist Verweyen nicht zu prognostizieren. Aber das Firmenkundengeschäft nimmt Fahrt auf: Rund 180 Stromladepunkte hat RWE schon für die Daimler-Standorte in Stuttgart errichtet, 160 Ladepunkte beim Chemiekonzern BASF und 130 für VW.

Beim Aufbau des öffentlichen E-Tankstellennetzes hakt es dagegen bisher noch an vielen Stellen, wie der Duisburger Autospezialist Prof. Ferdinand Dudenhöffer betont: Das Netz ist viel zu dünn und vor allem in den Wohngebieten fehlen Stromtankstellen. Benzintankstellen gibt es bundesweit mehr als 14.000.

Schnellladeanlagen für Durchreisende werden bisher kaum angeboten. Viele Stationen versorgen nicht alle drei Steckertypen der Industrie, „Typ 2“, „CCS“ und „Chademo“ aus Japan - wer die falsche Ladestation erwischt, bleibt liegen. Und die Abrechnung ist schwierig, weil Ladekarten oft von den regionalen Stromanbietern stammen und schon an der nächsten Säule nicht mehr akzeptiert werden. Dudenhöffer fordert - wie viele Kritiker - staatliche Programme, um den Ausbau des Netzes wesentlich zu beschleunigen.

Neuzulassungen von Elektroautos in Deutschland 2009-2015

  • 2009

    Im Jahr 2009 wurden in Deutschland 162 Elektroautos zum ersten Mal zugelassen.

    Quelle: Kraftfahrt-Bundesamt

  • 2010

    Im Jahr 2010 wurden in Deutschland 541 Elektroautos zum ersten Mal zugelassen.

  • 2011

    Im Jahr 2011 wurden in Deutschland 2.154 Elektroautos zum ersten Mal zugelassen.

  • 2012

    Im Jahr 2012 wurden in Deutschland 2.956 Elektroautos zum ersten Mal zugelassen.

  • 2013

    Im Jahr 2013 wurden in Deutschland 6.051 Elektroautos zum ersten Mal zugelassen.

  • 2014

    Im Jahr 2014 wurden in Deutschland 8.522 Elektroautos zum ersten Mal zugelassen.

  • 2015

    2015 stieg der Elektroauto-Absatz auf 12.363 Exemplare. Für das Ziel von einer Million Elektroautos bis 2020 ist das weiter viel zu wenig. Der Bestand liegt derzeit bei rund 19.000 Elektroautos.

Vom zusätzlichen Stromabsatz wird man beim Aufbau der Ladesysteme bisher nicht reich, sagt auch Verweyen. Aber die Stromkonzerne erhoffen sich eine engere Bindung zu Kommunen und Geschäftskunden, die Ladesäulen anbieten wollen, und zu privaten Endkunden. Wer privat ein Ladegerät für sein E-Auto in der Garage kauft, könnte sich auch eine Fotovoltaikanlage zur Stromerzeugung aufs Dach und eine Speicherbatterie in den Keller stellen und eine Regelungsanlage dazunehmen, die Strom im jeweils günstigsten Moment kauft, produziert und einspeist, hofft die Branche.

Der RWE-Konkurrent EnBW, der mit etwa 750 Ladepunkten vor allem in Baden-Württemberg im Geschäft ist, sieht die Technik deshalb als Investition in die Zukunft. „Im Moment verdienen Sie damit kein Geld“, sagt ein Sprecher. „Das ist alles noch in der Aufbauphase. Aber wer sich jetzt engagiert, kann später mitspielen.“

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