Edel-Motorradbauer: Daimler will offenbar bei MV Agusta einsteigen

Edel-Motorradbauer: Daimler will offenbar bei MV Agusta einsteigen

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Die F4 RR ist das Topmodell von MV Agusta.

BMW hat seine eigene Motorradsparte, Audi hat Ducati – und Daimler könnte bald Teile von MV Agusta haben. Das Geschäft soll angeblich kommende Woche bekannt gegeben werden.

"Als Pioniere des Automobilbaus betrachten wir es als Ansporn und Verpflichtung, unsere Tradition mit wegweisenden Technologien und hochwertigen Produkten fortzusetzen. Wir geben unser Bestes für Kunden, die das Beste erwarten, und wir leben eine Kultur der Spitzenleistung, die auf gemeinsamen Werten basiert."

Dieses Selbstverständnis haben die Mitglieder des Daimler-Vorstands im Vorwort zum Geschäftsbericht 2013 formuliert. Das Streben nach Wegweisendem und Höherwertigem scheint auf den ersten Blick das Einzige, was den Stuttgarter Premium-Autobauer mit der italienischen Edel-Motorradschmiede MV Agusta verbindet. Die technologisch beste und hochwertigste Lösung zu finden, hat auch über Jahre die Motorräder von MV ausgezeichnet.

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Während die großen Limousinen und SUVs mit dem Stern auf der Haube eher auf das gesetzte Publikum zielen, hat MV Agusta sportlich-aggressive Motorräder im Angebot, die auf Namen wie "Rivale" oder "Brutale" hören. Eigentlich nichts, was zum leicht konservativen Image von Daimler passt.

Daimler hatte bereits länger Interesse

Dennoch wurde den Stuttgartern bereits länger Interesse an der Motorradschmiede aus Varese nachgesagt. Jetzt stehen die Verhandlungen über einen Einstieg offenbar kurz vor dem Abschluss. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, wird die Daimler-Hochleistungstochter AMG 25 Prozent für rund 30 Millionen Euro übernehmen, der Rest bleibe in der Hand der Familie Castiglioni.

"Die Verhandlungspartner sind sich in den meisten Punkten einig, wir rechnen damit, dass der Deal in Kürze unter Dach und Fach ist", zitiert das Blatt aus Mailänder Finanzkreisen. Demnach sei eine der wenigen ungeklärten Fragen, ob die Pressekonferenz, auf der der Deal offiziell verkündet wird, in Italien oder Deutschland stattfinden soll.

Wie weit die Verhandlungen fortgeschritten sind, zeigen finanzielle Details. Laut dem Bericht soll nur ein Teil der Summe an die MV-Agusta-Eigentümerfamilie gehen, der Rest soll direkt im Unternehmen landen, um anstehende Investitionen in Marketung und Entwicklung zu decken.

Motorräder Ducati fährt auf Asien ab

Seit der Finanzkrise hat sich der europäische Motorrad-Markt nicht mehr erholt. Anders in Asien: Dort beschert der neue Wohlstand Herstellern wie Ducati zweistellige Zuwachsraten.

Ducati 1199 Pangiale  Quelle: dapd

Das Geld aus Deutschland kann MV Agusta gut brauchen, um den Expansionskurs der vergangenen Jahre zu finanzieren. Seit der erfolgreichen Zeit in den Sechziger- und Siebzigerjahren, in der die Motorradlegende Giacomo Agostini zahlreiche Titel auf seiner MV Agusta holte, ging es mit dem Unternehmen bergab.

1980 musste die Produktion eingestellt werden. Erst zwölf Jahre später brachte MV, inzwischen im Besitz der Castiglioni-Familie, wieder ein Serienmotorrad auf den Markt. In niedrigen Stückzahlen wurden hochwertige Sportmotorräder wie die F4 gefertigt. Die teuren und seltenen Maschinen waren unter Sammlern sehr begehrt – so sehr, dass es mit der Marke wieder bergauf ging.

Neue Eigenständigkeit brachte MV den Erfolg

Doch 2008 fällte Claudio Castiglioni eine folgenschwere Entscheidung: Er verkaufte das Unternehmen für 70 Millionen Euro an Harley-Davidson. Der amerikanische Hersteller geriet selbst in große wirtschaftliche Schwierigkeiten und gab nach nur zwei Jahren MV Agusta an die Castiglionis zurück – angeblich für drei Euro.

Seitdem hat Claudios Sohn Giovanni die Leitung von MV Agusta übernommen – und das Unternehmen neu ausgerichtet. Neben den hochpreisigen Vierzylinder-Modellen sollte eine ganze Produktfamilie auf Basis eines neu entwickelten Dreizylinders die Stückzahlen nach oben treiben. Von der volumenstarken Mittelklasse erwartete sich Castigilioni Junior mehr als von den sündhaft teuren Sammlerstücken.

Autozoom Mit Ducati zurück in die Zukunft

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Eine Ducati mit MotoGP-Fahrer Valentino Rossi Quelle: REUTERS

Bis jetzt scheint der Kurs aufzugehen: MV Agusta ist kein Sanierungsfall mehr, in diesem Jahr sollen an die 9.500 Edel-Motorräder verkauft werden. Einen großen Anteil daran haben die besagten Dreizylinder-Modelle, die die Marke mit Preisen ab etwa 10.000 Euro nach unten geöffnet haben. Das 200 PS starke Topmodell F4 RR kostet in der Basis-Version hingegen rund 25.000 Euro.

Für Daimler ist vor allem das Image der italienischen Edel-Marke interessant, der technologische Austausch dürfte sich auf einige Leichtbau-Lösungen beschränken – sonst sind die technischen Synergien zwischen Hochleistungs-Motorrädern und Dienstwagen-Kombis recht gering.

Dennoch kann es sicher nicht schaden, eine Motorradmarke im Portfolio zu haben – schließlich hat Audi inzwischen Ducati, BMW betreibt seit 90 Jahren sehr erfolgreich seine eigene Motorradsparte.

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BMW dürfte für Daimler aber weniger das Ziel sein, die Münchner verkaufen pro Jahr mehr als 100.000 Zweiräder. Ducati liegt mit rund 50.000 Maschinen genau dazwischen.

Pikantes Detail: Als Audi die Italiener 2012 übernahm, war Ducati kurz zuvor eine Partnerschaft mit AMG eingeganen. Gemeinsame Werbespots waren bereits gedreht, auf den MotoGP-Rennmaschinen fuhr Ducati AMG-Schriftzüge spazieren – obwohl kurz nach dem Saisonstart Audi das Ruder übernahm.

Neben dem Geld hätte die Partnerschaft auch für MV Agusta Vorteile. Das größte Problem für einen Hersteller mit diesen Stückzahlen ist ein ausreichend großes Händlernetz – für die angepeilte Expansion ist es mit einer Handvoll Importeuren nicht getan.

Der Plan in Varese: Könnte MV in wichtigen Märkten wie Deutschland, den USA oder Asien das Daimler-Vertriebsnetz nutzen, wird das der Marke einen Schub verleihen – und auf Augenhöhe mit der Konkurrenz bringen.

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