Einsatz von KZ-Häftlingen: Volkswagen-Chefhistoriker kritisiert fehlerhafte NS-Aufarbeitung durch Audi

exklusivEinsatz von KZ-Häftlingen: Volkswagen-Chefhistoriker kritisiert fehlerhafte NS-Aufarbeitung durch Audi

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Der Chefhistoriker der Volkswagen AG wirft Audi grobe Fehler bei der Aufarbeitung der eigenen NS-Vergangenheit vor

von Harald Schumacher und Martin Seiwert

Der Chefhistoriker der Volkswagen AG, Manfred Grieger, wirft der Konzerntochter Audi grobe Fehler bei der Aufarbeitung ihrer NS-Vergangenheit vor.

Der Chefhistoriker der Volkswagen AG, Manfred Grieger, wirft der Konzerntochter Audi grobe Fehler bei der Aufarbeitung ihrer NS-Vergangenheit vor.  Das berichtete die WirtschaftsWoche. So würden in einer vom Audi-Vorstand in Auftrag gegebenen Studie über den Audi-Vorgänger Auto Union die „engen Beziehungen“ des Auto-Union-Managements zu den „NS-Eliten heruntergespielt“, kritisiert Grieger. Es würden weniger die Opfer des NS-Terrors bedauert als vielmehr die „Auslöschung“ der Auto Union am Ende des Zweiten Weltkriegs. Der Forschungsansatz der Studienautoren sei teilweise „konzeptionell überaltert“, ihre Sicht „verengt“. Zudem bezeichne die Studie die Auto Union der ersten Kriegsmonate als „unbescholtenen Zivilfahrzeugbauer“, faktisch jedoch seien „die Beziehungen zu den NS-Eliten durch die drei Vorstände Richard Bruhn, William Werner und Carl Hahn eng“ gewesen. Grieger, der an der Universität Göttingen lehrt, konstatiert eine „abwehrende Haltung“ der Autoren: So anerkennten sie zwar die Verantwortung der Auto Union für die Menschenrechtsverletzungen im böhmischen KZ-Außenlager Leitmeritz, wo für 4500 für Auto-Union-Vorhaben eingesetzte KZ-Häftlinge starben, bestritten aber eine „direkte, justiziable Personalverantwortung“, weil der Einsatz der KZ-Häftling formal von der SS organisiert wurde.

Verfasst hatten die Studie „Kriegswirtschaft und Arbeitseinsatz bei der Auto Union AG Chemnitz im Zweiten Weltkrieg“ 2014 der Audi-eigene Historiker Martin Kukowski und der Chemnitzer Historiker Rudolf Boch. Audi geht auf die in der Zeitschrift für Unternehmensgeschichte veröffentlichte Kritik Griegers nicht im Detail ein: „Wir haben die Rezension zur Kenntnis genommen.“ Nach Einschätzung des Unternehmens wurde die 500 Seiten starke Studie „weltweit sehr positiv aufgenommen und beurteilt“.

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