Elektroauto: BMW geht mit dem i3 volles Risiko ein

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Elektroauto: BMW geht mit dem i3 volles Risiko ein

von Jürgen Rees

BMW hat zeitgleich in London, New York und Beijing sein neues Elektroauto i3 mit Karbonkarosse vorgestellt. Doch wollen die Kunden den Wagen überhaupt?

Kaum ein Wort wird an diesem Tag in London, New York und dem chinesischen Bejiing öfter bemüht als das Wort Revolution. Der Weg zur Revolution, dem neuen BMW-Elektroauto i3, ist aber nicht mit rotem Teppich ausgelegt, sondern mit einem blauem Velours. Damit sich niemand in der Millionenstadt London verirrt, weisen sehr freundlich lächelnde Frauen in weißen Kleidern den Besuchern und Gästen den Weg. Nichts ist dem Zufall überlassen.

Auch der Veranstaltungsort in London war mit Bedacht ausgesucht: Old Billingsgate heißt das altehrwürdige Gebäude. Der Blick auf die Themse und London ist großartig und liefert einen ansprechenden Hintergrund für die vielen Fotos, die mit dem Elektroauto i3 im Vordergrund geschossen werden.

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Zweieinhalb Jahre hat BMW diesen Tag akribisch vorbereitet, seit zweieinhalb Jahren existiert die neue BMW-Marke "i", die für Nachhaltigkeit und eine sauberere Form der Mobilität stehen soll. Mit einem enormen Aufwand brachten die Marketingprofis die Fakten zum neuen Elektroauto seitdem in homöopathischen Dosen auf den Markt. Das war so erfolgreich, dass vor wenigen Tagen, als BMW den Preis für den i3 endlich verriet, plötzlich von Kampfpreisen die Rede war. Dabei sind 35.000 Euro für einen viersitzigen Kompaktwagen von der Größe eines Mini eine Menge Geld. Und wer sich den Reichweitenverlängerer noch gönnt, um nicht mit leerem Akku am Straßenrand liegen zu bleiben, kommt sogar auf 40.000 Euro.

Heute war es endlich so weit: Zeitgleich verschwand das blau glänzende Verhüllungstuch in New York, Beijing und London von dem Elektroauto i3. Ganz neu war der Anblick für einen Teil der vielen hundert Gäste nicht mehr, denn vor wenigen Tagen waren Bilder des i3 ohne hässliche Tarnkleidung im Internet aufgetaucht.

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Deutschland hinkt nach Erkenntnissen des Auto-Experten Ferdinand Dudenhöffer beim Verkauf von Elektroautos im internationalen Vergleich deutlich hinterher. In Deutschland fehle der politische Rahmen. Quelle: dpa

Noch einmal versuchten die BMW-Leute in London jedem, der es noch nicht wusste klar zu machen, dass Nachhaltigkeit das große Ziel der Entwicklung war. Im Vergleich zu einem BMW 118 Diesel setzt der i3 50 Prozent weniger klimaschädliches CO2 frei – vorausgesetzt sein Besitzer lädt die Akkus mit Strom, den Sonne, Wind oder Wasser erzeugt haben. Ist der i3 voll geladen hat er eine Reichweite von bis zu 160 Kilometer. Mit einem Reichweitenverlängerer, einem Zwei-Zylinder-Motor aus der Motorrad-Abteilung, sind es 300 Kilometer. Die 170 PS machen den Wagen zu einem flotten und wendigen Stadtgefährt. Ihn zu fahren macht richtig Spaß, weil das gesamte Drehmoment aus dem Stand verfügbar ist und die Beschleunigung so gut ist wie die eines Golf GTI. Dazu kommt das gute Gefühl nicht als Ökoschwein unterwegs zu sein. Der Wagen ist leise, kein lauter Motor trübt das Vergnügen. Und einen Auspuff der Abgase in die Luft bläst gibt es auch nicht.

Das Sahnestück des i3 ist aber seine Karosserie: Sie besteht aus kohlenfaserverstärktem Kunststoff, der bis zu 300 Kilogramm leichter ist als eine Stahlkarosse. Damit geht BMW auch das größte Wagnis ein. Denn dafür haben die Bayern eine komplett neue Fertigung unter anderem in Leipzig auf die Beine gestellt. Eine Karbonkarosse für Autos in Serie zu bauen – das hatte sich bisher noch niemand getraut. Karbon war bislang Flugzeugen vorbehalten.

Gelingt die Produktion zu akzeptablen Preisen, dürfte BMW einen jahrelangen Vorsprung vor der Konkurrenz haben. Denn Karbon kann auch Autos mit Verbrennungsmotoren leichter und damit verbrauchsärmer machen. Klappt es nicht ist BMW mit dem i3 ein womöglich milliardenteures Risiko eingegangen.

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Aber Marketingchef Ian Robertson ist in London gewohnt zuversichtlich: “Wir wollen in diesem Markt kein Nischenanbieter sein, sondern eine wichtige Rolle spielen.” Eine klare Kampfansage an die erfolgreiche amerikanische Konkurrenz Tesla und Co.

Außerdem widerspricht er der Vermutung, BMW würde bei der Produktion des i3 Geld draufzahlen. “Wir machen mit dem ersten verkauften i3 Gewinn.”

BMW-Entwicklungsvorstand Herbert Diess legt in London nach und verspricht, dass der i3 erst der Anfang der i-Offensive ist. Bereits nächstes Jahr folgt der Hybridsportwagen i8. Außerdem hat sich BMW alle Bezeichnungen von i1 bis i8 schützen lassen.

Die glanzvolle Präsentation kann natürlich die entscheidende Frage nicht beantworten: Wie viele Menschen gibt es, die ein zumindest lokal abgasfreies Elektroauto mit einer Reichweite von 160 Kilometer für 35.000 kaufen oder leasen wollen? Erste Indizien wird der Vorverkauf liefern, der jetzt beginnt. Im November sollen dann die ersten Fahrzeuge ausgeliefert werden.

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