Elektroauto-Hersteller: Tesla will bis 2020 keinen Gewinn machen

Elektroauto-Hersteller: Tesla will bis 2020 keinen Gewinn machen

, aktualisiert 14. Januar 2015, 04:03 Uhr
Quelle:Handelsblatt Online

Tesla-Chef Elon Musk fühlt sich durch Billig-Benzin nicht unter Druck gesetzt. Auch die Offensive von GM lässt den Elektropionier scheinbar kalt.

"Wir könnten jetzt Geld verdienen, wenn wir nicht investieren würden", sagte Tesla-Chef Elon Musk bei einer Branchenkonferenz. Das kam bei Anlegern nicht gut an - die Tesla-Aktie fiel nachbörslich um etwa sieben Prozent.

Das Unternehmen baut derzeit seine Modellpalette und sein Händlernetz aus. So soll der Geländewagen Model X nach vielen Verzögerungen diesen Sommer auf den Markt kommen.

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"Die Notwendigkeit für Elektroautos ist dringend", so Musk. Die Hersteller müssten ihr Engagement trotz des Falls des Ölpreises ausbauen, forderte er beim „Automotive News World Congress“.

Dabei zeigten sich viele Experten in Detroit skeptisch, was die mittelfristigen Erfolgschancen von E-Autos angeht. „Angesichts des billigen Sprits wird es sehr schwer werden, Stromer zu verkaufen“, sagte beispielsweise die US-Analystin Michelle Krebs von der Handelsplattform AutoTrader.

Freunde und Feinde von Elon Musk

  • Familie

    Kimbal Musk Bruder, ebenfalls Unternehmer, Aufsichtsrat bei SpaceX und Tesla

    Tosca Musk Schwester und erfolgreiche Filmemacherin

    Maye Musk Mutter, Ernährungsberaterin,

    Errol Musk Vater, Ingenieur

    Lyndon und Peter Rive Cousins, Musk war und ist an ihren verschiedenen Unternehmen beteiligt

  • Feinde

    Martin Eberhard Mitgründer und ursprünglicher Ideengeber von Tesla, wurde von Musk gefeuert

    Henrik Fisker Ex-BMWDesigner; Musk verklagte ihn erfolglos wegen Ideenklau

    James McNerney Der CEO von Boeing rangelt mit Musk um Nasa-Aufträge

    Jeff Bezos Der Amazon-Gründer will mit dem Start-up Blue Origin ebenfalls ins All

  • Freunde

    Larry Page Der Google-Gründer würde sein Milliardenvermögen eher Musk vermachen, als es wohltätigen Organisationen zu spenden

    Jeffrey Brian Straubel Technikvorstand von Tesla, Antriebsexperte

    Franz von Holzhausen Tesla-Chefdesigner

    Tom Mueller renommierter Raketenkonstrukteur, Mitgründer von SpaceX

Weil sich der Ölpreis seit dem Sommer mehr als halbiert hat, sind auch die Benzinpreise im Keller. Für Tesla kein Problem: „Nur weil Sprit etwas günstiger ist, wird er nicht nachhaltiger - wir blicken nur auf die langfristigen Perspektiven“, sagte Vertriebschef Jerome Guillen der Deutschen Presse-Agentur.

Auch die großen Hersteller zeigen sich unbeeindruckt. Laut Nissan-Chef Carlos Ghosn ist der Trend zum Stromer ohnehin nicht mehr aufzuhalten: „Die Elektroauto-Industrie ist mit der Entwicklung zum Smartphone zu vergleichen.“ General Motors stellte auf der Messe mit dem Chevrolet Bolt ein E-Auto für den Massenmarkt mit einer Reichweite von mehr als 300 Kilometern vor.

Die größten Hersteller von Elektroautos in Deutschland

  • Platz 10

    Ford: 59 zugelassene Elektroautos

    Seit 2013 hat Ford den Focus Electric im Angebot. Doch der große Erfolg blieb dem E-Focus bislang verwehrt: In Deutschland wurden bis zum ersten Halbjahr 2014 gerade einmal 59 Fahrzeuge zugelassen.

  • Platz 9

    Tesla: 638 zugelassene Elektroautos

    Mit dem Roadster wurde Tesla einst als Elektropionier gefeiert, auch das aktuelle Model S sorgt für Furore. Doch der Aufschwung scheint gerade erst zu kommen: Bereits im ersten Halbjahr 2014 wurden mehr als doppelt so viele Elektroautos von Tesla verkauft als im ganzen Jahr 2013.

  • Platz 8

    Mitsubishi: 926 zugelassene Elektroautos

    Mitsubishi zehrt bei den Elektroautos noch von den Erfolgen des iMiev aus dem Jahr 2011. Damals konnten die Japaner mangels Konkurrenz fast 700 Elektroautos verkaufen. Doch seitdem hat das Interesse am iMiev in Deutschland stark abgenommen, weshalb bis heute nur noch knapp 200 weitere Fahrzeuge dazugekommen sind.

  • Platz 7

    Citroën: 948 zugelassene Elektroautos

    Wie bei Mitsubishi ist die erste Welle des Elektro-Erfolgs bei Citroën wieder abgeklungen. Kein Wunder, schließlich ist der C-Zero der Franzosen mit dem Mitsubishi iMiev baugleich. Er hatte 2012 sein bestes Jahr, danach retteten noch einige Zulassungen für das Citroën-eigene Carsharing die Statistik.

  • Platz 6

    Opel: 1450 zugelassene Elektroautos

    Kein Elektroauto verkaufte sich so gut wie der Opel Ampera. Leider gilt das nur für das Jahr 2012. Seitdem ging es mit den Ampera-Zulassungen bergab, von 828 im Jahr 2012 auf 335 im Jahr 2013. Seit Jahresbeginn 2014 fanden nur noch 46 Amperas einen Käufer.

  • Platz 5

    Nissan: 1712 zugelassene Elektroautos

    Bei Nissan sind die Zulassungszahlen für den Leaf konstanter. Nach dem Anlauf-Jahr 2012 fanden im vergangenen Jahr 855 Leafs einen Abnehmer. Im ersten Halbjahr 2014 waren es wieder knapp 400, womit das Gesamtjahr auf dem Vorjahresniveau liegen könnte.

  • Platz 4

    Renault: 1801 zugelassene Elektroautos

    Mit ihrer Submarke Renault Z.E. gelten die Franzosen als Vorreiter im Elektromarkt. Neben den 1532 Zoe haben seit der Erfassung 2011 auch 269 Fluence Z.E. einen Käufer gefunden. Doch der Erfolg könnte noch größer sein: Der ausgefallene Twizy taucht in der Statistik nicht auf – er zählt offiziell als Quad.

  • Platz 3

    BMW: 1935 zugelassene Elektroautos

    Quasi aus dem Stand schafft es BMW auf das Treppchen. Obwohl der i3 erst im November 2013 auf den Markt gekommen ist, brachte er es bis Jahrsende auf 559 Zulassungen. Bis Ende Juni 2014 kamen 1376 weitere dazu.

  • Platz 2

    Volkswagen: 2050 zugelassene Elektroautos

    Beim größten deutschen Autohersteller wurde die Elektromobilität lange stiefmütterlich behandelt. Doch mit dem Start des E-Up und des E-Golfs stiegen die Zulassungen rapide an. Im ersten Halbjahr 2014 lagen beide Modelle mit knapp über 500 Zulassungen fast gleichauf. Der E-Up konnte aber 2013 schon 785 Zulassungen absahnen, als der Elektro-Golf noch gar nicht auf dem Markt war.

  • Platz 1

    Daimler: 3612 zugelassene Elektroautos

    Die Kleinwagenmarke Smart führt Daimler an die Spitze. Die drei Zulassungen des sündhaft teuren Elektro-SLS sind vernachlässigbar, ebenso die Elektro-B-Klasse. Den Großteil holt Daimler mit dem Smart electric drive, von dem alleine 2013 fast 1900 Exemplare zugelassen wurden. Daran ist das hauseigene Carsharing Car2go nicht unschuldig.

    Quelle: Statista.de, Stand 1. Halbjahr 2014

Das Modell könnte ab 2017 zum Preis von etwa 30 000 US-Dollar auf ähnliche Kunden zielen wie Tesla. GM-Chefin Mary Barra sprach von einem „Elektroauto für jedermann“. Tesla bedient bislang nur das Luxussegment, will aber etwa zum gleichen Zeitpunkt wie GM das Model 3, den ersten „erschwinglichen“ Stromer auf den Markt bringen. Der Preis dürfte allerdings noch etwas über dem des Chevy Bolt liegen.

Tesla-Manager Guillen wollte in der GM-Offensive dennoch „keine Bedrohung“ erkennen. Schließlich habe Tesla das Ziel, so viele E-Autos wie möglich auf die Straße zu bringen. Da helfe jedes Modell. Auch die etablierten Autobauer sprechen über den Elektropionier nicht als Konkurrenten. „Tesla ist kein Wettbewerber - sie helfen uns“, sagte Ghosn. Nissan hat weltweit den größten Marktanteil bei E-Autos.

Tesla-Chef Musk „Keine Partnerschaft mit BMW“

Gegenüber der WirtschaftsWoche erklärte Elon Musk, Gründer und Chef des kalifornischen Elektroautoherstellers Tesla, dass er zu keinem Zeitpunkt eine Zusammenarbeit mit BMW herbeigeredet habe.

Elon Musk Quelle: AP

Die Hersteller erhoffen sich von der Popularität des Newcomers einen Schub für das Image der E-Mobilität. Wann der Markt für die Stromer so weit ist, dass zwischen den alten Akteuren und Tesla echte Konkurrenz entsteht, wollte Guillen nicht vorhersagen.

„Alle Wege führen zur E-Mobilität“, sagte Marktexperte Dennis DesRosiers vom US-Analysehaus Desrosiers Automotive Consultants der dpa. „Ich glaube aber nicht, dass Tesla diese Führungsrolle in Zukunft übernehmen kann.“ Je weiter die großen Hersteller vordrängten, desto schwerer werde es, die Nische zu verteidigen.

Die Zukunft für Tesla sieht DesRosiers nicht in Nordamerika, sondern in China. Dort könne die Regierung die Menschen zu E-Autos zwingen, um das Problem der Luftverschmutzung in den Griff zu bekommen. Doch ausgerechnet in China gab es zuletzt Schwierigkeiten. Musk sprach von "unerwartet schwachen Verkaufszahlen".

Quelle:  Handelsblatt Online
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