Elektroauto-Index Evi: Frankreich auf dem Weg zur führenden Elektromobilitäts-Nation

Elektroauto-Index Evi: Frankreich auf dem Weg zur führenden Elektromobilitäts-Nation

von Martin Seiwert

Die aktuelle Erhebung des McKinsey EV-Index (Evi) verdeutlicht: Im Rennen um die beste Positionierung im Markt für Elektromobilität hat Frankreich einen deutlichen Sprung nach vorne gemacht und macht den USA ihre Spitzenposition streitig.

Frankreich auf dem Weg zur führenden Elektromobilitäts-Nation

Die Aufwertung Frankreichs ist das Ergebnis intensiver Anstrengungen der französischen Anbieterindustrie, die mit Hochdruck an der Entwicklung neuer Elektrofahrzeuge arbeitet – unterstützt durch ein 2,2 Milliarden Euro schweres Förderprogramm der französischen Regierung. Allein seit der letzten Erhebung des Evi-Index im Juli haben die französischen Hersteller drei neue Elektrofahrzeug-Modelle vorgestellt oder  angekündigt – zu sehen beispielsweise auf dem Pariser Autosalon (z.B. Peugeot EX-1 oder Renault DeZir). Damit ist in der Gesamtpalette der von französischen Herstellern vorgestellten oder angekündigten Automobile inzwischen jedes fünfte Fahrzeug – insgesamt 14 Modelle – ein Plug-In Hybrid oder ein rein batteriebetriebenes Elektrofahrzeug. Frankreich wird hierin nur noch von Deutschland – und dies mit einem Anteil von 4,7 nur knapp – übertroffen. Die Verschiebung der Modellpalette hin zu Elektrofahrzeugen spiegelt sich auch in der langfristigen Produktionsprognose wieder: Der Anteil von Elektrofahrzeugen an der Gesamtfahrzeugproduktion der französischen Autoindustrie in den nächsten fünf Jahren wird nun mit 3,4 Prozent veranschlagt – damit löst Frankreich Japan (derzeit 3,1 Prozent) als bisherigen Spitzenreiter in dieser Kategorie ab.

Auf der Nachfrageseite liegt Frankreich hinsichtlich des tatsächlich verfügbaren Angebots an Elektrofahrzeugen nach wie vor im Mittelfeld: Hier bietet sich dem Autokäufer mit derzeit drei Modellen eine deutlich eingeschränktere Auswahl als beispielsweise in Dänemark (neun Modelle), Spanien (sieben Modelle) oder Italien (fünf Modelle). Dieser Nachteil wird aber durch verschiedene Verbrauchervorteile wieder ausgeglichen: Die Fahrkostenersparnis ist mit 84 Prozent die dritthöchste weltweit, die anteilige staatliche Förderung ist mit drei Prozent durchaus befriedigend (noch vor den USA und Deutschland).

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Mit 2,2 Milliarden Euro staatlicher Förderung gehört Frankreich, zusammen den USA (22 Mrd. Euro) und China (3,3 Mrd. Euro), zu den drei stärksten Förderern der Elektromobilität. Die neue Positionierung Frankreichs als Spitzenanwärter im Rennen um den Elektromobilitätsmarkt zeigt, dass die Förderprogramme der französischen Regierung begonnen haben, ihre Wirkung zu entfalten. Damit bestätigt sich auch das Engagement der französischen Regierung, das Thema Elektromobilität mit aller Konsequenz voranzutreiben, um ihren offiziell formulierten Anspruch auf globale Führerschaft der französischen Energie- und Automobilindustrie zu realisieren. Kein Land hat sich dabei so ambitionierte Ziele gesetzt wie Frankreich: Bis 2020 hat sich Frankreich vorgenommen, den Anteil von Elektrofahrzeugen am Gesamtfahrzeugbestand auf 6,1 Prozent auszuweiten (entspricht einem Bestand von zwei Millionen Elektrofahrzeugen bis 2020). Zum Vergleich: China visiert einen Anteil von 5,5 Prozent (entspricht 12 Millionen Elektrofahrzeugen), die USA einen Anteil von 2,2 Prozent (drei Millionen)und Deutschland einen Anteil von 2,3 Prozent (eine Million) an.

USA noch Spitzenreiter

Angeführt wird das Spitzenfeld nach wie vor von den USA, die aber zunehmend von Frankreich eingeholt werden. Die USA sind führend, wenn es um die nicht-monetäre Förderung des elektrischen Fahrens (zum Beispiel Busspuren oder Parkzonen) geht, sowie bei der staatlichen Förderung für Forschung und Schaffung weiterer Grundlagen für Elektromobilität. Keine Nation investiert soviel in Förderungen, Kredite oder Bürgschaften für Forschung, Entwicklung und Produktion von Elektrofahrzeugen wie die USA. Knapp 22 Milliarden Euro an Förderprogrammen hat die US-Regierung über die nächsten fünf Jahre eingeplant – sechs Mal mehr als die chinesische Regierung eingeplant hat, und das 30-fache dessen, was die deutsche Regierung bereitstellen will.

Nach den zahlreichen Neuvorstellungen der ersten Jahreshälfte hielten sich die US-Hersteller im dritten Quartal zunächst zurück, so dass sich der Anteil der bereits vorgestellten oder angekündigten Elektrofahrzeug-Modelle an der Gesamtpalette wieder verschlechtert hat.

Deutschland auf dem dritten Platz

Deutschland hält seine gute Position im Spitzenfeld und positioniert sich gemeinsam mit China weiterhin auf dem dritten Platz hinter Frankreich und den USA. Durch die Vorstellung oder  Ankündigung weiterer Elektrofahrzeug-Modelle (derzeit 27) ist der deutschen Automobil-Industrie nach wie vor die weltweite Spitzenposition sicher, wenn es um den Anteil von Elektrofahrzeug-Modellen im Verhältnis zur Gesamtpalette geht.

Doch während Deutschland als Hersteller von Elektrofahrzeugen massiv in den Ausbau der Modellpalette investiert und sich als Technologieführer positioniert, konnte es sich mit Blick auf die Nachfragebedingungen nicht verbessern. So werden in Deutschland weiterhin erst vier Elektromodelle auch tatsächlich im Markt angeboten – gegenüber neun Modellen in Dänemark, sieben in Spanien und fünf in Italien. In punkto Fahrtkostenersparnis liegt Deutschland mit 68 Prozent auf dem drittletzten Platz – Grund sind die hohen Strompreise (mit 0,21 Euro/kWh nur noch von Dänemark übertroffen). Umweltzonen und „elektrofreundliche“ Versicherungsprämien sind hierzulande zwar vorhanden – doch steht dies in keinem Verhältnis zu den Bemühungen anderer Länder (Beispiel USA), die das elektrische Fahren beispielsweise durch Einrichtung spezieller Fahrspuren nur für Elektrofahrzeuge attraktiver machen. Auch in punkto Förderung besteht Verbesserungspotenzial: Anschaffungssubventionen wie in anderen Ländern (Spanien durchschnittlich: 7.614 Euro, Frankreich: 5.000 Euro, Dänemark: 17.210 Euro, Irland: 3.016 Euro, Portugal: 2.250 Euro, China: 4.150, USA: 840 Euro durch reduzierte Einkommensteuer) fehlen in Deutschland, es gibt lediglich eine KFZ-Steuerersparnis von 62 Euro pro Jahr über die Gesamtlaufzeit.

Das Mittelfeld verdichtet sich

Deutlich erkennbar ist die Konzentrierung des Mittelfeldes: Während die USA, Deutschland oder auch Japan und Korea ihre Position halten, rücken die kleineren Elektromobilitätsnationen langsam im Mittelfeld auf. Italien steigert seinen Elektrofahrzeug-Neuzulassungsanteil, hebt die langfristige Produktionsprognose für Elektrofahrzeuge an und rückt damit vom siebten auf den fünften Platz des weltweiten Indexes auf. Dänemark wiederum stockt das verfügbare Angebot an Elektrofahrzeugen auf insgesamt neun Modelle auf und hebt den prognostizierten Marktanteil ausgewählter elektrischer Pkw-Modelle in fünf Jahren weiter an – und rückt damit dicht an das siebtplatzierte Korea heran.

 

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