Wie groß ist Nissans Vorsprung beim E-Auto?

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Elektroauto Leaf: Wie groß ist Nissans Vorsprung beim E-Auto?

von Sebastian Schaal

Während VW und Co. immer noch an ihren Elektro-Offensiven basteln, stellt Nissan bereits die zweite Generation des Leaf und damit des meistverkauften Elektroautos der Welt vor. Ist der Vorsprung der Japaner noch aufzuholen?

Elektroauto – für viele Menschen ist dieser Begriff synonym zu Tesla. Das kalifornische Unternehmen rund um Elon Musk prägt die Schlagzeilen und das öffentliche Bild der Elektromobilität wie kein anderes. Neben Tesla sind die fehlenden E-Modelle deutscher Hersteller zwar am häufigsten in der Debatte. Den Markt prägt aber ein anderes Unternehmen: Nissan.

Elektroautos deutscher Hersteller Eine Geschichte der verpassten Chancen

Bis 2020 wollen Daimler, VW und Co den Durchbruch bei Elektroautos schaffen. Die Historie des Elektroautos aus deutschen Autounternehmen ist geprägt von Fehlentscheidungen und irrigen Annahmen.

Elektroauto: Geschichte der verpassten Chancen. Quelle: Presse

Mehr als jedes vierte weltweit verkaufte Elektroauto kommt von den Japanern. Der Leaf, 2010 als erstes Großserien-Elektroauto auf den Markt gekommen, wurde bislang rund 300.000 Mal verkauft. Ein Erfolg, von dem viele nichts wissen – und den viele nicht kommen sahen.

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„Als wir vor acht Jahren über die ersten Elektro-Pläne gesprochen haben, wurden wir für verrückt erklärt“, sagt Paul Willcox, Europa-Chef von Nissan. „Die Kritik war hart: Die Kunden wollen das nicht, es sei unverantwortlich, so unausgereifte Technologie zu verkaufen, oder dass wir das Geld unserer Investoren verschwenden würden.“

Öko-Bilanz von E-Autos Umweltlüge Elektroauto? Von wegen!

Elektroautos sind teuer, haben zu wenig Reichweite und sind in Wahrheit nicht mal umweltfreundlicher als ein moderner Diesel oder kleiner Benziner. Das liest und hört man derzeit immer wieder. Stimmt das?

Quelle: dpa

Heute kann Willcox über diese Zeit schmunzeln, schließlich haben ihm die Zahlen recht gegeben. Jetzt will der Brite aber mehr nach vorne als zurück schauen. Während Volkswagen, Daimler und Co vor wenigen Wochen auf der IAA noch über ihre elektrische Zukunft philosophierten und ihre ersten Elektroautos für den Massenmarkt ankündigten, hatte Nissan abseits der Messe in Japan die zweite Generation des Leaf vorgestellt.

Dass Willcox den Wagen nur in höchsten Tönen lobt („Das fortgeschrittenste Auto, dass wir je gebaut haben“) verwundert bei seinem Job kaum. Doch in einem Punkt kann man Willcox nicht widersprechen, wenn er den Leaf als „etwas Einzigartiges“ bezeichnet: Nicht nur Nissan hat beim Bau von 300.000 Elektroautos dazugelernt. In den neuen Wagen sind auch die Erfahrungen und Wünsche von 300.000 Kunden, die zusammen 85.000 Mal um den Erdball gefahren sind, mit eingeflossen. Ein Erfahrungsschatz, den kein anderes Unternehmen derzeit hat.

Elektroautos im Kostenvergleich

  • BMW

    ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
    BMW i3Strom36.150 Euro598 Euro47,8 Cent
    Mini Cooper SSuper Plus26.600 Euro542 Euro43,4 Cent
    Mini Cooper SDDiesel28.300 Euro519 Euro41,5 Cent

    Quelle: ADAC

  • Citroën

    ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
    Citroën C-ZeroStrom19.800 Euro433 Euro34,6 Cent
    Citroën C1 Vti 68Super13.900 Euro388 Euro31,0 Cent

  • Ford

    ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
    Ford Focus ElectricStrom34.900 Euro665 Euro53,2 Cent
    Ford Focus 1.5 EcoBoostSuper25.500 Euro618 Euro49,4 Cent
    Ford Focus 2.0 TDCiDiesel28.100 Euro623 Euro49,8 Cent

  • Hyundai

    ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
    Hyundai IONIQ ElektroStrom33.300 Euro587 Euro47,0 Cent
    Hyundai i30 1.6 GDISuper22.630 Euro562 Euro45,0 Cent
    Hyundai i30 1.6 CRDi blueDiesel24.030 Euro548 Euro43,8 Cent

  • Kia

    ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
    Kia Soul EVStrom28.890 Euro526 Euro42,1 Cent
    Kia Soul 1.6 GDISuper19.990 Euro529 Euro42,3 Cent
    Kia Soul 1.6 CRDiDiesel23.490 Euro539 Euro43,1 Cent

  • Mercedes-Benz

    ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
    Mercedes-Benz B250eStrom39.151 Euro713 Euro57,0 Cent
    Mercedes-Benz B220 4MaticSuper34.076 Euro773 Euro61,8 Cent
    Mercedes-Benz B220dDiesel36.521 Euro728 Euro58,2 Cent

  • Nissan

    ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
    Nissan LeafStrom34.385 Euro632 Euro50,6 Cent
    Nissan Pulsar 1.2 DIG-TSuper22.290 Euro574 Euro45,9 Cent
    Nissan Pulsar 1.5 dCiDiesel22.690 Euro535 Euro42,8 Cent

  • Renault

    ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
    Renault ZoëStrom34.700 Euro580 Euro46,4 Cent
    Renault Clio TCe 90Super16.790 Euro433 Euro34,6 Cent
    Renault Clio dCi 90Diesel20.290 Euro454 Euro36,3 Cent

  • Tesla

    ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
    Tesla Model S 60 Strom71.020 Euro1206 Euro96,5 Cent
    Mercedes-Benz CLS 400Super63.427 Euro1198 Euro95,8 Cent
    Mercedes-Benz CLS 350dDiesel62.178 Euro1156 Euro92,5 Cent

  • VW

    ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
    VW e-up!Strom26.900 Euro472 Euro37,8 Cent
    VW up! 1.0Super14.255 Euro375 Euro30,0 Cent

Doch wie viel ist dieses Kundenfeedback wert? Wie groß ist der Vorsprung von Nissan?

Geht es nach einigen Mitarbeitern, ist diese Frage erstaunlich trivial zu beantworten. Zehn Jahre sei man vor dem Wettbewerb, heißt es am Rande der Europa-Premiere in Oslo. Der Chef jedoch verbietet sich solche Vergleiche, ihm ist ein anderer Punkt wichtiger. Er will die früheren Kritiker widerlegen. „Unser Produkt hat inzwischen Glaubwürdigkeit“, sagt Willcox. „Wir haben aber inzwischen bewiesen, dass unsere Batterien lange halten und das Auto funktioniert. Das zeigt auch die extrem hohe Kundenzufriedenheit.“

Wie die Japaner mit dem Feedback der Kunden umgehen, zeigt sich etwa bei einem Blick ins Datenblatt: Für ein Elektroauto, das im Jahr 2017 neu vorgestellt wird, mutet eine Reichweite von 378 Kilometern im europäischen Normverbrauch eher mager an – die letzte Version des Vorgängers brachte es bereits auf 350 Kilometer, bei der Konkurrenz wird eher über 500 Kilometer diskutiert. Die maximale Reichweite sei nicht oberste Priorität der Kunden, so der Tenor, sondern ein niedriger Preis. Anstatt die Batterie unnötig groß und teuer zu machen, habe man sich für eine moderate Reichweite entschieden und den Preis auf dem Niveau des Vorgängers belassen (ab 23.365 Euro). Später aber soll ein stärkeres Modell (220 statt 150 PS) mit größerer Batterie und einer Reichweite von bis zu 500 Kilometern folgen – ähnlich dem Tesla-Konzept.

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