Uniti, Sono Motors, eGo: Diese Elektroauto-Start-ups wollen wie Tesla sein – nur anders

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Elektroauto-Start-ups: Alle wollen wie Tesla sein – nur anders

von Sebastian Schaal

Um ein Elektroauto zu bauen, muss man kein traditioneller Autobauer sein – das hat Tesla vorgemacht. Überall auf der Welt haben Tüftler und Studenten neue Ideen für moderne E-Autos. Heute wird ein Weiteres vorgestellt.

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Smarte Stromer-Start-Ups.

„Wir wollen eine Führungsrolle in einer neuen Ära der Mobilität einnehmen.“ Mit diesen markigen Worten hatte Chefentwickler Nick Sampson im Januar dieses Jahres den FF91 vorgestellt. Das erste Serienauto von Faraday Future, ein Elektro-SUV mit 600 Kilometern Reichweite, das dennoch schneller als ein Ferrari beschleunigen soll. Ein wahrer Tesla-Fighter.

Nur: Mit jedem Monat sinken die Chancen, dass der FF91 jemals in Serie gebaut wird. Die Pläne für eine eigene Fabrik in New Mexico wurden radikal zusammengestrichen, ein Spitzenmanager nach dem anderen kündigt oder wird gekündigt, das Geld wird knapp.

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Der Erfolg von Tesla hat nicht nur internationale Großkonzerne wie General Motors, Volkswagen, Daimler oder BMW aufgeschreckt, sondern auch viele Nachahmer angezogen. Klar ist: Elektroautos sind einfacher zu entwickeln als jene mit Verbrennungsmotor. Bei Benzin und Diesel wird es kaum ein Start-up schaffen, gegen das Knowhow der Ingenieure in Wolfsburg, Stuttgart oder Detroit anzukommen.

Elektromobilität Tüftler und Wissenschaftler führen die Autoindustrie vor

Weil die Autoindustrie zu wenig tut, nehmen Handwerker und Wissenschaftler wie Günther Schuh die Sache selbst in die Hand: Sie entwickeln Elektrolieferautos.

Elektroauto-Pioniere: Bäcker Roland Schüren und Wissenschaftler Günther Schuh Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche

Doch den Weg von Elon Musk zu wählen und leistungsstarke Premiumkarossen mit enormen Reichweiten zu bauen, ist vor allem eines: teuer. Tesla schreibt mit der Ausnahme eines einzigen Quartals durchgängig Verluste. Und um andere Herausforderer wie Thunderpower oder Nio ist es in den letzten Monaten sehr ruhig geworden.

eGo Mobile: Von der Uni auf die Straße

Stattdessen drängen andere Firmen ins Rampenlicht, die genau den entgegengesetzten Weg gehen: Anstatt große und schwere Autos mit aufwändigen und teuren Batterien zu bauen, machen sie aus der Not eine Tugend. Also kleine Stadtautos für zwei Personen, die ungefähr 150 Kilometer rein elektrisch fahren können. Und das zu einem unschlagbar günstigen Preis.

Das in Deutschland berühmteste Beispiel dafür ist der Streetscooter – jener Elektro-Lieferwagen, der als Studentenprojekt an der RWTH Aachen begann und inzwischen von der Deutschen Post aufgekauft wurde. Die Produktion läuft, die gelben Lieferkisten tauchen immer häufiger in den Innenstädten auf. Die Post will den Wagen auch an extern verkaufen. Das könnte vor allem für kleine Handwerksbetriebe interessant sein, deren Transporter von eventuellen Dieselverboten betroffen sind. Für alle anderen bietet sich der eGo Life an.

Wie auch die Streetscooter GmbH ist die Firma e.Go Mobile eine Ausgründung der Aachner Hochschule. Im Sommer 2018 sollen die ersten Fahrzeuge ausgeliefert werden. 1200 Exemplare sind schon bestellt, heißt es beim Unternehmen.

Damit der Life auch kommerziell erfolgreich ist, mussten die um Professor Günter Schuh das Konzept nochmal über den Haufen werfen. Ursprünglich sollte das Elektroauto kleines, leichtes Stadtauto mit einem 27 PS (20 kW) starken 48-Volt-Elektromotor werden. „Einige unserer Kunden wünschten sich aber mehr als 20 kW“, berichtet e.Go-Chef Schuh, der auch schon am Streetscooter mitentwickelt hat.

Partner Bosch hat das letztlich möglich gemacht und die Antriebskomponenten für den Life skaliert. Im Sommer 2018 kommt der Stromer deshalb in den Leistungstypen 20, 40 und 60 kW auf den Markt.

Elektroautos im Kostenvergleich

  • BMW

    ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
    BMW i3Strom36.150 Euro598 Euro47,8 Cent
    Mini Cooper SSuper Plus26.600 Euro542 Euro43,4 Cent
    Mini Cooper SDDiesel28.300 Euro519 Euro41,5 Cent

    Quelle: ADAC

  • Citroën

    ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
    Citroën C-ZeroStrom19.800 Euro433 Euro34,6 Cent
    Citroën C1 Vti 68Super13.900 Euro388 Euro31,0 Cent

  • Ford

    ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
    Ford Focus ElectricStrom34.900 Euro665 Euro53,2 Cent
    Ford Focus 1.5 EcoBoostSuper25.500 Euro618 Euro49,4 Cent
    Ford Focus 2.0 TDCiDiesel28.100 Euro623 Euro49,8 Cent

  • Hyundai

    ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
    Hyundai IONIQ ElektroStrom33.300 Euro587 Euro47,0 Cent
    Hyundai i30 1.6 GDISuper22.630 Euro562 Euro45,0 Cent
    Hyundai i30 1.6 CRDi blueDiesel24.030 Euro548 Euro43,8 Cent

  • Kia

    ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
    Kia Soul EVStrom28.890 Euro526 Euro42,1 Cent
    Kia Soul 1.6 GDISuper19.990 Euro529 Euro42,3 Cent
    Kia Soul 1.6 CRDiDiesel23.490 Euro539 Euro43,1 Cent

  • Mercedes-Benz

    ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
    Mercedes-Benz B250eStrom39.151 Euro713 Euro57,0 Cent
    Mercedes-Benz B220 4MaticSuper34.076 Euro773 Euro61,8 Cent
    Mercedes-Benz B220dDiesel36.521 Euro728 Euro58,2 Cent

  • Nissan

    ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
    Nissan LeafStrom34.385 Euro632 Euro50,6 Cent
    Nissan Pulsar 1.2 DIG-TSuper22.290 Euro574 Euro45,9 Cent
    Nissan Pulsar 1.5 dCiDiesel22.690 Euro535 Euro42,8 Cent

  • Renault

    ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
    Renault ZoëStrom34.700 Euro580 Euro46,4 Cent
    Renault Clio TCe 90Super16.790 Euro433 Euro34,6 Cent
    Renault Clio dCi 90Diesel20.290 Euro454 Euro36,3 Cent

  • Tesla

    ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
    Tesla Model S 60 Strom71.020 Euro1206 Euro96,5 Cent
    Mercedes-Benz CLS 400Super63.427 Euro1198 Euro95,8 Cent
    Mercedes-Benz CLS 350dDiesel62.178 Euro1156 Euro92,5 Cent

    Hinweis: Da Tesla selbst keine Autos mit Diesel- oder Benzinmotor verkauft, hat der ADAC zum Vergleich den Mercedes-Benz CLS herangezogen.

  • VW

    ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
    VW e-up!Strom26.900 Euro472 Euro37,8 Cent
    VW up! 1.0Super14.255 Euro375 Euro30,0 Cent

Zu jeder Leistungsvariante gibt es dann auch eine entsprechend größere Batterie – mehr als 154 Kilometer sind aber selbst mit dem größten Akku nicht drin. Dafür überzeugt der Preis: Das kleinste Modell steht mit 15.900 Euro in der Liste, Preise für die 40er- und 60er-Versionen sind noch nicht bekannt.

Die Kunst des Weglassens macht den Preis möglich. „In brutaler Konsequenz“ habe e.Go den Life so entwickelt, dass er günstig, aber dennoch hochwertig gebaut werden kann. Die Antriebskomponenten kommen von Bosch, die eigene Karosserie ist so simpel wie möglich. Statt auf Blech oder gar Kohlefasern setzt Schuh auf einfachen Kunststoff. Dazu braucht er kein großes Presswerk für die Metallverarbeitung. Und da der Kunststoff direkt in den unterschiedlichen Farben gemischt werden kann, entfällt auch die Lackiererei. Schon ab 7000 verkauften Fahrzeugen pro Jahr soll das Unternehmen mit dem Life Geld verdienen.

Technische Hintergründe zu Akkus

  • Die Batterie

    Eine Batterie hat die Aufgabe, beim Aufladen möglichst viele Elektronen aufzunehmen und diese mit möglichst wenigen Verlusten zu speichern. Beim Entladen gibt sie die Elektronen dann wieder ab, um mit diesem Strom zum Beispiel einen Elektromotor oder ein Handy zu betreiben.

  • Der Akku

    Im Akku übernehmen die sogenannten Lithium-Ionen diese Speicheraufgabe: Diesen Atomen fehlt ein Elektron. Daher sind sie elektrisch positiv geladen. Beim Aufladen strömen negativ geladene Elektronen in den Akku und sammeln sich in einem dichten Geflecht aus dem leitfähigen Kohlenstoff Graphit. Dorthin wandern dann auch die positiv geladenen Lithium-Ionen. Jedes von ihnen bindet ein Elektron – man könnte auch sagen, dass jedes Ion ein Elektron festhält, um die Ladungsneutralität zu gewährleisten. Beim Entladen des Akkus verlassen die Elektronen das Graphit nach und nach wieder. Damit wandern auch die positiv geladenen Lithium-Ionen aus dem Graphit-Netzwerk heraus. Später kann der Ladezyklus dann von neuem beginnen.

  • Neue Akkus

    Je mehr Lithium-Ionen in einen Akku hineinpassen, umso mehr Elektronen und damit Energie können auf gleichem Raum gespeichert werden. Daher arbeitet Bosch schon länger unter anderem daran, den Graphit-Anteil zu reduzieren oder ganz auf das Graphit zu verzichten. Dies würde die Energiedichte des Akkus deutlich steigern. Das scheint jetzt dem Start-up Seeo, das Bosch gekauft hat, gelungen zu sein.

Wenn die Produktion in Aachen anläuft, kann Schuh sein Fachgebiet in die Praxis umsetzen – eigentlich forscht er an der RWTH an der Optimierung industrieller Prozesse.

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