Elektroautos: Kaufprämien sind rausgeworfenes Geld

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KommentarElektroautos: Kaufprämien sind rausgeworfenes Geld

von Christian Schlesiger

Die Kanzlerin und die Autobosse diskutieren heute über eine Kaufprämie für Elektroautos. Doch Geldgeschenke für E-Auto-Fahrer sind der falsche Weg. Der Staat muss Ladesäulen schaffen. Ein Kommentar.

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Kaufprämien für Elektroautos sind wenig sinnvoll

Das Ziel der Bundesregierung ist längst definiert: Eine Million Elektroautos will die große Koalition bis 2020 auf Deutschlands Straßen bringen. Um das zu erreichen, fordern SPD und CSU nun Kaufprämien für batteriebetriebene Fahrzeuge. Reine Elektroautos und Mischformen mit großer Batterie an Bord (Plug-in-Hybride) soll der Staat mit bis zu 5000 Euro fördern. Anfang Februar soll darüber entschieden werden. Die Bundeskanzlerin und ihr Finanzminister zieren sich noch.

Elektromobilität ist wichtig für eine ökologische Verkehrswende. Doch Kaufprämien wären der falsche Anreiz:

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1. Sie kosten viel Geld. Der jüngste Vorschlag von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) schlägt mit 2,5 Milliarden Euro zu Buche. Dies könnte über einen Aufschlag von einem Cent pro Liter Kraftstoff gegenfinanziert werden. Klingt läppisch, doch mit dem gleichen Argument könnte man Spritpreise für andere Subventionen oder Fördermaßnahmen erhöhen. Etwa für eine flächendeckende Ladeinfrastruktur.

Elektroauto-Kaufprämien Die schwierige Suche nach dem Kompromiss

Nur ein Bruchteil der neu zugelassenen Autos in Deutschland fährt mit Elektroantrieb. Die Kanzlerin und die Autobosse sprechen am Dienstag über eine Kaufprämie. Eine klare Position gibt es selbst in der Industrie nicht.

Merkel neben einem BMW i3: Beim Elektroauto ist die Auto-Kanzlerin noch zurückhaltend. Quelle: REUTERS

2. Sie machen gierig. Was macht wohl ein Autohersteller, der weiß, dass sein Käufer vom Staat 5000 Euro pro Fahrzeug geschenkt bekommt? Er erhöht unauffällig die Preise. Die Kaufprämien werden niemals zu 100 Prozent beim Verbraucher ankommen. Konzerne verdienen also kräftig mit. Mitnahmeeffekt nennt man so was.

3. Sie treffen daneben. Die Regierung will einen „Leitmarkt“ für Elektromobilität aufbauen, doch davon hängt die Zukunft der heimischen Autoindustrie nicht ab. Heimische Hersteller sind nämlich beim Absatz von Elektroautos schon längst weltweit führend. Ihr Marktanteil in Westeuropa etwa liegt bei 43 Prozent, in den USA bei 20 Prozent. Die Regierung sollte stattdessen einen Leitmarkt für autonomes Fahren aufbauen. Das verändert die Autoindustrie viel dramatischer.

PremiumElektromobilität Warum das Elektroauto-Gesetz ein Flop ist

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Wo Bus steht, soll nur Bus fahren: Straße in Frankfurt Quelle: Getty Images

4. Sie sind überflüssig. Batterietechnik ist teuer. Doch nicht mehr lange. Experten gehen von einem dramatischen Preisrutsch aus. Noch vor 2020 könnten E-Autos so viel kosten wie vergleichbare Verbrenner – ganz ohne Subvention. Kaufprämien ziehen also einen Markt künstlich ein paar Jahre vor, der sich schon bald von alleine entwickelt.

5. Sie sind auch dreckig. Elektroautos sind nur dann sauber, wenn sie Ökostrom tanken. Auch PS-starke Hybride, die nur auf den ersten Kilometern grün und danach mit Kraftstoff fahren, stoßen mitunter mehr Kohlendioxid aus als kleine Verbrenner. Kaufprämien fördern also nicht nur saubere Autos.

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Kurzum: Elektromobilität braucht keine Milliardenspritze vom Staat. Kluge Konzepte sind gefragt. Vor allem eine flächendeckende Ladeinfrastruktur, die jeder E-Auto-Fahrer nutzen kann. Aufladen an Straßenlaternen, beim Supermarkt, beim Arbeitgeber – all das sollte möglich sein. Wenn ein Arbeitnehmer heute Strom vom Arbeitgeber lädt, muss er dies als geldwerten Vorteil versteuern.

Hier muss der Staat mit Anreizen gegensteuern. Das ist billiger und effektiver als Prämien. Der Markt kommt auch so in Schwung. Wer einmal mit einem Elektroauto beschleunigt hat, möchte ohnehin keinen Benziner oder Diesel mehr fahren.

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