Elektroautos: Warum der Tesla-Verlust egal sein wird

Elektroautos: Warum der Tesla-Verlust egal sein wird

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Tesla-Chef Elon Musk: Von seinen Aussagen hängt viel ab.

von Sebastian Schaal

Für Tesla war das vergangene Quartal kein leichtes. Bei der Vorstellung der Zahlen wird Elon Musk einen Verlust rechtfertigen müssen. Entscheidender für den Kurs der Aktie sind allerdings seine Aussagen zur Zukunft.

Regelmäßig die Öffentlichkeit über das laufende Geschäft zu informieren, ist nicht die Lieblingsbeschäftigung von Elon Musk. Der Tesla-Gründer inszeniert sich und sein Produkt lieber PR-wirksam, wenn er ein neues Elektroauto oder einen neuen Antrieb vorstellen will. Alles andere ist ihm ein Graus.

So gibt Tesla zum Beispiel keine monatlichen Absatzzahlen mehr heraus, weil die Zahlen laut Musk bei einem so kleinen Hersteller stark schwanken können. Von Medien und Analysten würde dann in jede kleine Schwankung zu viel hinein interpretiert wird, glaubt er. Um die Quartalszahlen kommt Musk allerdings nicht herum – und da stehen jetzt neue an.

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Die größten Hersteller von Elektroautos in Deutschland

  • Platz 10

    Ford: 59 zugelassene Elektroautos

    Seit 2013 hat Ford den Focus Electric im Angebot. Doch der große Erfolg blieb dem E-Focus bislang verwehrt: In Deutschland wurden bis zum ersten Halbjahr 2014 gerade einmal 59 Fahrzeuge zugelassen.

  • Platz 9

    Tesla: 638 zugelassene Elektroautos

    Mit dem Roadster wurde Tesla einst als Elektropionier gefeiert, auch das aktuelle Model S sorgt für Furore. Doch der Aufschwung scheint gerade erst zu kommen: Bereits im ersten Halbjahr 2014 wurden mehr als doppelt so viele Elektroautos von Tesla verkauft als im ganzen Jahr 2013.

  • Platz 8

    Mitsubishi: 926 zugelassene Elektroautos

    Mitsubishi zehrt bei den Elektroautos noch von den Erfolgen des iMiev aus dem Jahr 2011. Damals konnten die Japaner mangels Konkurrenz fast 700 Elektroautos verkaufen. Doch seitdem hat das Interesse am iMiev in Deutschland stark abgenommen, weshalb bis heute nur noch knapp 200 weitere Fahrzeuge dazugekommen sind.

  • Platz 7

    Citroën: 948 zugelassene Elektroautos

    Wie bei Mitsubishi ist die erste Welle des Elektro-Erfolgs bei Citroën wieder abgeklungen. Kein Wunder, schließlich ist der C-Zero der Franzosen mit dem Mitsubishi iMiev baugleich. Er hatte 2012 sein bestes Jahr, danach retteten noch einige Zulassungen für das Citroën-eigene Carsharing die Statistik.

  • Platz 6

    Opel: 1450 zugelassene Elektroautos

    Kein Elektroauto verkaufte sich so gut wie der Opel Ampera. Leider gilt das nur für das Jahr 2012. Seitdem ging es mit den Ampera-Zulassungen bergab, von 828 im Jahr 2012 auf 335 im Jahr 2013. Seit Jahresbeginn 2014 fanden nur noch 46 Amperas einen Käufer.

  • Platz 5

    Nissan: 1712 zugelassene Elektroautos

    Bei Nissan sind die Zulassungszahlen für den Leaf konstanter. Nach dem Anlauf-Jahr 2012 fanden im vergangenen Jahr 855 Leafs einen Abnehmer. Im ersten Halbjahr 2014 waren es wieder knapp 400, womit das Gesamtjahr auf dem Vorjahresniveau liegen könnte.

  • Platz 4

    Renault: 1801 zugelassene Elektroautos

    Mit ihrer Submarke Renault Z.E. gelten die Franzosen als Vorreiter im Elektromarkt. Neben den 1532 Zoe haben seit der Erfassung 2011 auch 269 Fluence Z.E. einen Käufer gefunden. Doch der Erfolg könnte noch größer sein: Der ausgefallene Twizy taucht in der Statistik nicht auf – er zählt offiziell als Quad.

  • Platz 3

    BMW: 1935 zugelassene Elektroautos

    Quasi aus dem Stand schafft es BMW auf das Treppchen. Obwohl der i3 erst im November 2013 auf den Markt gekommen ist, brachte er es bis Jahrsende auf 559 Zulassungen. Bis Ende Juni 2014 kamen 1376 weitere dazu.

  • Platz 2

    Volkswagen: 2050 zugelassene Elektroautos

    Beim größten deutschen Autohersteller wurde die Elektromobilität lange stiefmütterlich behandelt. Doch mit dem Start des E-Up und des E-Golfs stiegen die Zulassungen rapide an. Im ersten Halbjahr 2014 lagen beide Modelle mit knapp über 500 Zulassungen fast gleichauf. Der E-Up konnte aber 2013 schon 785 Zulassungen absahnen, als der Elektro-Golf noch gar nicht auf dem Markt war.

  • Platz 1

    Daimler: 3612 zugelassene Elektroautos

    Die Kleinwagenmarke Smart führt Daimler an die Spitze. Die drei Zulassungen des sündhaft teuren Elektro-SLS sind vernachlässigbar, ebenso die Elektro-B-Klasse. Den Großteil holt Daimler mit dem Smart electric drive, von dem alleine 2013 fast 1900 Exemplare zugelassen wurden. Daran ist das hauseigene Carsharing Car2go nicht unschuldig.

    Quelle: Statista.de, Stand 1. Halbjahr 2014

Wenn Musk am Mittwoch nach US-Börsenschluss den aktuellen Zwischenbericht präsentiert, wird er einen Verlust erklären müssen – da sind sich die Experten sicher. Sie rechnen bei dem jüngsten und kleinsten börsennotierten US-Autobauer mit einem Verlust von rund 60 Cent je Aktie vor Sondereffekten, auf Nettobasis soll der Verlust 1,11 Dollar betragen.

Die Zukunft interessiert die Investoren mehr

Trotz der prognostizierten Verluste legte die Aktie am Dienstag von 2,4 Prozent auf 266,28 Dollar. Ob die Tesla-Papiere nach der offiziellen Präsentation des Zahlenwerk zulegen oder nachgeben, wird aber nicht von der endgültigen Höhe des Verlusts abhängen – sondern von der anschließenden Telefonkonferenz.

Die Investoren wird mehr interessieren, was Musk zur Zukunft des Unternehmens zu sagen hat. Die aktuelle Lage ist klar: Um das diesjährige Absatzziel von 55.000 Autos zu erreichen, muss Tesla in der zweiten Jahreshälfte rund 50 Prozent mehr Autos verkaufen als in der ersten Hälfte. Teslas Dilemma ist, dass die Kalifornier derzeit nur ein einziges Auto im Angebot haben – und die Kunden im Moment lieber auf das neue Modell zu warten scheinen.

Tesla-Vize Jerome Guillen "Wir machen unser eigenes Ding"

Tesla gilt als einer der großen Herausforderer der etablierten Autokonzerne. Im Interview spricht Vize-Chef Jerome Guillen über das Apple Car, die Wachstumspläne und Tesla-Gründer Elon Musk.

Tesla-Vizepräsident und Leiter Verkauf Jerome Guillen Quelle: dpa Picture-Alliance

Vor wenigen Tagen gab Tesla bekannt, dass für das künftige Model X, ein SUV mit Elektroantrieb, bereits knapp 30.000 Bestellungen vorliegen. Zuletzt sollen sogar 40 Autos pro Tag geordert worden sein. Damit könnte – so zumindest die Vermutung vieler Experten – das lange erwartete Model X dem bestehenden Model S Kunden wegnehmen. Wie das Elektro-Portal "EV Inside" berichtet, sollen im Juli noch 1.600 Model S bestellt worden sein – im Vorjahresmonat waren es noch 2.800 Bestellungen. Offiziell sind diese Zahlen aber nicht. Ob Experten zu viel spekulieren oder Tesla wirklich ein Problem hat, kann wohl nur Musk bestätigen.

Ein Indiz wird die Prognose für das dritte Quartal sein. Im Moment liegt Tesla hinter den selbst gesteckten Plänen. Und sollte der Absatz des Model S wirklich so negativ sein, wird es umso schwerer für die Kalifornier. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg vorrechnet, könnte bereits eine Differenz von 1.000 Autos einen großen Unterschied machen: Sollte Tesla im dritten Quartal nur 13.000 statt 14.000 Elektroautos verkaufen, müssten sie den Absatz im Schlussquartal um ganze 70 Prozent steigern, um noch das Jahresziel zu erreichen. Ohne ein zweites Modell oder starke Preisnachlässe dürfte das kaum gehen.

Neuzulassungen von Elektroautos in Deutschland 2009-2015

  • 2009

    Im Jahr 2009 wurden in Deutschland 162 Elektroautos zum ersten Mal zugelassen.

    Quelle: Kraftfahrt-Bundesamt

  • 2010

    Im Jahr 2010 wurden in Deutschland 541 Elektroautos zum ersten Mal zugelassen.

  • 2011

    Im Jahr 2011 wurden in Deutschland 2.154 Elektroautos zum ersten Mal zugelassen.

  • 2012

    Im Jahr 2012 wurden in Deutschland 2.956 Elektroautos zum ersten Mal zugelassen.

  • 2013

    Im Jahr 2013 wurden in Deutschland 6.051 Elektroautos zum ersten Mal zugelassen.

  • 2014

    Im Jahr 2014 wurden in Deutschland 8.522 Elektroautos zum ersten Mal zugelassen.

  • 2015

    2015 stieg der Elektroauto-Absatz auf 12.363 Exemplare. Für das Ziel von einer Million Elektroautos bis 2020 ist das weiter viel zu wenig. Der Bestand liegt derzeit bei rund 19.000 Elektroautos.

Deshalb dürften alle Nachrichten über einen Produktions- oder Verkaufsstart des Model X an den Märkten sehr positiv aufgenommen werden und der Aktie Rückenwind verschaffen. Mit einem Schlag hätte Tesla sein Modellangebot verdoppelt – und das mit einem trendigen SUV, das auch noch ein paar Tausend Dollar günstiger sein dürfte als die große Limousine Model S.

Die Gigafactory wird entscheidend

Das neue Modell würde Tesla gut tun, zumal das Umfeld für Autobauer allgemein wegen des abkühlenden Riesen-Markts China rauer geworden ist. Im ersten Quartal hatte Musk noch erklärt, dass der Tesla-Absatz in China angezogen habe. Sollte der Elektropionier aller Probleme zum Trotz gegen den Trend wachsen, dürfte die Aktie wiederum einen Kurssprung hinlegen. Auch hier kommt dem Model X wohl eine Schlüsselrolle zu – in China wird das Elektro-SUV dem Vernehmen nach aber nicht vor der ersten Jahreshälfte 2016 auf den Markt kommen.

Die Tesla-Chronik

  • 2003, der Beginn

    Zwei Teams um den US-Ingenieur Martin Eberhard und den Milliardär Elon Musk entwerfen die Vision eines Elektrofahrzeugs, das mit Akkus angetrieben wird. Auf der Basis des Prototyps T-Zero. Neben Musk stecken auch die Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page und der eBay-Gründer Jeff Skoll Geld in das Projekt.

  • 2006, Premiere des Roadster

    Drei Jahre arbeitet Tesla am ersten Modell, im Juli 2006 stellt das Unternehmen den Roadster vor. Der zweisitzige Sportwagen auf der Basis des britischen Leichtgewicht-Roadster Lotus Elise verfügt über einen 215 kW (292 PS) starken Elektromotor, der seine Energie aus 6.831 Lithium-Ionen-Notebook-Akkus bezieht.  

  • 2007, Eberhard geht

    Im August 2007 tritt der damalige CEO Martin Eberhard zurück, im Dezember 2007 verlässt er das Unternehmen komplett. Am Ende landet der Streit der Gründer fast vor Gericht – bis eine außergerichtliche Einigung erzielt werden kann.

  • Mai 2009, Einstieg der Konzerne

    Musks finanzielle Mittel alleine reichen zum Wachstum nicht mehr aus. Mit Daimler und Toyota steigen zwei große Autokonzerne bei Tesla ein. Trotzdem schreibt das Unternehmen weiterhin Millionenverluste.

  • September 2009, Premiere Model S

    Lange war der Bau einer eigenen Limousine unter dem Codenamen „WhiteStar“ geplant. Auf der IAA in Frankfurt feiert das Model S, eine 5-sitzige Limousine die Premiere. Anfangs übernimmt Lotus die Fertigung. Ab 2011 wird das Modell in einer ehemaligen Toyota-Fabrik in Freemont gebaut. Pro Jahr werden zunächst 10.000 Modelle gefertigt.

  • Januar 2010, Geldspritze vom Staat

    Tesla erhält vom US-Energieministerium einen Kredit über 450 Millionen Dollar. Das Geld investiert das Unternehmen in den Aufbau einer eigenen Fertigung.

  • Juni 2010, IPO

    Musk wagt den Börsengang. Mit einem Ausgabepreis von 17 Dollar geht der Elektrohersteller in den Handel – und macht den Gründer wieder reich. Über Nacht erreicht erreichen die Anteile von Musk einen Wert von 650 Millionen Dollar, obwohl das Unternehmen bis zu diesem Zeitpunkt noch nie Gewinne gemacht hat.

  • 2012, SUV-Pläne

    Tesla veröffentlicht Pläne einen eigenen SUV an den Start zu bringen. Das Model X soll im Sommer 2015 erstmals ausgeliefert werden und die Modellpalette von Tesla erweitern. Am Ende verzögern sich die Pläne, die Produktion des Model X läuft erst im Herbst an – und das nur schleppend.

  • 2013, erstmals profitabel

    Endlich schreibt Tesla schwarze Zahlen. Auch den Millionenkredit des Staats zahlt das Unternehmen neun Jahre früher als es nötig gewesen wäre. Mit der Ausgabe neuer Aktien und Anleihen nimmt das Unternehmen rund eine Milliarde Dollar ein. Der Aktienkurs des Unternehmens beläuft sich mittlerweile auf 147 Dollar. Damit ist das Unternehmen an der Börse mehr wert als Fiat.

  • 2014, die Gigafactory wird gebaut

    Im Mai haben die Bauarbeiten in Reno, Nevada, für die weltgrößte Batteriefabrik begonnen. Hier will Tesla nicht nur die Akkus für seine Elektroautos und auch sogenannte "Powerwalls" für den Hausgebrauch montieren, sondern auch die Batteriezellen selbst aus Rohstoffen herstellen. Das Investitionsvolumen beträgt fünf Milliarden Dollar, als Partner ist Panasonic mit im Boot.

  • 2015, der Massenmarkt soll kommen

    Tesla gibt Pläne bekannt, mit dem Model 3 ein kompaktes Auto für den Massenmarkt auf den Markt bringen zu wollen. Der Wagen, der rudimentär erstmals im März 2016 gezeigt wurde, soll rund 35.000 Dollar kosten und soll über eine Reichweite von 320 Kilometern (200 Meilen) verfügen.

  • 2016, die Gigafactory öffnet teilweise

    Nach der Vor-Premiere des Model 3 im März steht zur Jahresmitte ein weiterer Meilenstein an: In der Gigafactory werden die ersten Batteriezellen gefertigt. Diese sind zwar vorerst für die PowerWall-Heimakkus gedacht, bringen das Unternehmen aber einen Schritt näher an die Massenfertigung des Model 3.

  • 2017, das Model 3 rollt vom Band

    Ende Juni 2017 übergibt Tesla die ersten 30 Model 3 an ihre Besitzer übergeben - allesamt sind Tesla-Beschäftigte. Die ersten 30 von mehr als einer halben Million Vorbestellungen, die Tesla erst einmal lange abarbeiten muss.

Neue Informationen erwarten die Investoren auch zu einem weiteren Tesla-Produkt, das noch in diesem Sommer auf den Markt kommen soll: der Akku für Privathaushalte, Powerwall genannt. Bislang hatte Musk nur von einem "irren Interesse" für den Energiespeicher gesprochen. Konkrete Zahlen hat Tesla aber noch nicht genannt. Nur so viel: Das Geschäft mit den stationären Energiespeichern werde sehr viel schneller wachsen können als der Autobereich. Wenn Musk hier eine solide Prognose nennen kann, könnte das einen Schub geben, während eine Verschiebung in den Herbst hinein eine Enttäuschung sein dürfte.

Weitere Artikel

Der Erfolg von Teslas Autos und vor allem den Haus-Akkus steht und fällt mit dem Bau der Gigafactory, der weltgrößten Batteriefabrik im US-Bundesstaat Nevada. Hiervon hängt ab, ob die Batteriepreise wie erwartet sinken werden. Das Model 3, mit dem Tesla in einigen Jahren auch ein preiswertes Elektroauto für den Massenmarkt anbieten will, ist wohl nur mit der Gigafactory möglich. Auch bei den beiden anderen Modellen und der Powerwall dürfte die Gewinnmarge mit günstigen Akkus aus eigener Produktion entscheidend steigen.

Bei Tesla hängt vieles von Gründer und Chef Elon Musk und dessen nebulösen Ankündigungen ab. Bei dem Gigafactory-Projekt dürften die Investoren aber eine gewisse Sicherheit haben, dass der Bau nach Plan läuft: Gemeinsam mit dem Partner Panasonic hat Musk in der vergangenen Woche zur Eröffnungsparty geladen – im April 2016.

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