Elektromobilität: Energiewirtschaft hadert mit Umstellung auf Elektroautos

Elektromobilität: Energiewirtschaft hadert mit Umstellung auf Elektroautos

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ARCHIV - Eine Stromtankstelle des Energielieferanten RWE

von Franz W. Rother, Martin Seiwert und Jürgen Rees

Was nötig ist, damit Elektroautos nie der Saft ausgeht: Fünf Megatrends zeigen, wie die E-Mobilität das Tanken, die Stromversorgung und die simple Fahrt in die Stadt revolutionieren.

Die Nachrichten, die am vergangenen Mittwoch zum Thema Elektroauto verbreitet wurde, hätten früher für drei Automobilausstellungen gereicht: Das Elektro-Taxi Milano von VW kommt im Jahr 2013, der elektrische Golf wahrscheinlich auch; das Elektroauto Ampera von Opel wird planmäßig Ende 2011 vom Band rollen; der Nissan-Kleinwagen Leaf zum Preis von 30 000 Euro ist das erste erschwingliche Elektroauto – und schon gegen Ende dieses Jahres in Europa zu haben; in Bochum gibt es einen Bausatz, mit dem ein Autobastler den Kleinstwagen Smart von Benzin auf Strom umstellen kann.

Kein Zweifel, das E-Auto bricht sich Bahn. Doch die Modellflut allein reicht nicht für den Durchbruch der Elektromobilität auf breiter Front. Elektrische Vehikel haben keine Chance ohne passende Infrastruktur. Wenn Ballungsräume die E-Autos nicht mit kostenlosen Parkplätzen oder Mautbefreiung anlocken, werden sich die sauberen Stadtautos womöglich nicht durchsetzen. Wenn Mitarbeiter in ihren Unternehmen keinen passenden Anschluss für ihr Auto finden, werden sie wohl kaum mit dem E-Mobil zur Arbeit kommen.

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Autobauer und Politik haben das erkannt. Beim Elektroauto-Gipfel am 3. Mai, zu dem Bundeskanzlerin Angela Merkel geladen hat, versuchen sie einen beispiellosen Schulterschluss. Konkurrierende Hersteller und Energieversorger sowie Politiker verschiedener Couleur wollen ihre Egoismen überwinden und den Aufbau der E-Auto-Infrastruktur vereinbaren.

Es war bei der Internationalen Automobilausstellung IAA 2007 in Frankfurt, als den Automanagern erstmals dämmerte, dass angesichts von Klimawandel und hohen Erdölpreisen das Elektroauto das Zeug zum Massenverkehrsmittel haben könnte. Doch wie das neue Mobil betanken, welchen Strom dafür nehmen, wie die regenerativen Quellen anzapfen, wie die sauberen Fahrzeug bevorzugt in die Stadtzentren lenken und dort für das Aufladen der Batterien sorgen?

Nun, zweieinhalb Jahre später, gibt es die Antworten auf diese Fragen. Was lange Zeit wie Science-Fiction aussah, scheint, je näher die E-Poche rückt, einfacher und preisgünstiger als gedacht. Die folgenden fünf Megatrends zeigen: Elektromobilität ist machbar, Herr Nachbar.

Die 220-Volt-Steckdose genügt

Für die ersten Generationen von Elektroautos bedarf es keiner neuen und teuren Infrastruktur. Die Unternehmensberatung Bain & Company fand in einer Untersuchung im Auftrag eines deutschen Autobauers heraus, dass auch auf längere Sicht die normale Steckdose ausreicht, um Elektroautos zu laden. Die E-Auto-Besitzer werden den Stecker ihres Autos einfach in der eigenen Garage oder am Arbeitsplatz in die Dose stecken. Nur 10 bis 15 Prozent der Kunden, so die Bain-Studie, brauchen unbedingt bisher nicht vorhandene öffentliche Ladestationen, weil sie meistens auf der Straße parken.

Eine große Gruppe der E-Auto-Fahrer der kommenden Jahre muss sich ohnehin keine Gedanken über das Stromtanken machen. Es sind dies die Eigentümer von Hybridautos, die über eine aufladbare Batterie und einen Verbrennungsmotor verfügen. Ein Großteil der in den kommenden Jahren verkauften Elektroautos werden solche Hybridgefährte sein.

Diese Fahrzeuge ermöglichen den rein elektrischen Betrieb in der Stadt für Strecken von 20 bis 60 Kilometer. Damit decken sie einen wesentlichen Teil des Autoverkehrs ab. Denn 70 Prozent der Europäer fahren weniger als 40 Kilometer am Tag. Dafür reichen der Elektroantrieb und das Laden in der eigenen Garage in der Regel aus. Geht doch mal der Strom während der Fahrt zur Neige, oder fährt das Auto über Land, springt der Benzin- oder Dieselmotor ein, der Reichweiten von über 600 Kilometern ermöglicht.

Energieversorger gehen in Vorleistung

Das Tanken in der eigenen Garage wird umso populärer, je häufiger Hausbesitzer ihren eigenen Strom herstellen, etwa mit einer Solaranlage. Beim Essener Energiekonzern RWE gehen immer mehr Anfragen von Häuslebauern ein, die sich in die Garage vorsorglich eine private Ladestation einbauen lassen möchten – oder sogar eine private Zapfsäule vor dem Haus montieren lassen wollen, um dort später einmal vorbeikommenden E-Mobilen Strom verkaufen zu können.

Für die Autofahrer, die auf öffentliche Stromtankstellen angewiesen sind, entstehen derzeit erste Netze von Ladestationen. Meist sind es Energieversorger, die beim Aufbau in Vorleistung gehen – für den Staat oder die Autobauer fallen keine Kosten an. Egal, obErn in Berlin, Hamburg, Frankfurt, München oder im Ruhrgebiet: Überall schießen die Ladesäulen wie Pilze aus dem Boden (Übersicht: www.lemnet.org). Allein in Nordrhein-Westfalen baut RWE bis Ende kommenden Jahres ein Netz von 400 Stromtankstellen auf.

Um Elektroautos zu betreiben, brauche es langfristig neue, teure Kraftwerke, behaupten die einen. Elektroautos reduzierten unterm Strich den Kohlendioxidausstoß nicht, weil sie Strom aus Kohle verbrauchten, kritisieren die anderen.

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