ElringKlinger: "Das ist für uns Gegenwartsmusik"

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InterviewElringKlinger: "Das ist für uns Gegenwartsmusik"

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Stefan Wolf

von Hans-Jürgen Klesse

Der Chef des weltgrößten Herstellers von Zylinderkopfdichtungen, ElringKlinger, hat keine Angst vor Elektroautos, sondern will den Wandel mit Innovationen schaffen.

WirtschaftsWoche: Herr Wolf, ElringKlinger steht vor allem für Zylinderkopfdichtungen, ein Bauteil, das es schon 1908 im Model T von Ford und später im legendären Käfer gab. Fürchten Sie nicht, mit einem so uralten Produkt irgendwann von einem Billiganbieter abgehängt zu werden?

Wolf: Überhaupt nicht. Dichtungen im allgemeinen und Zylinderkopfdichtungen im besonderen sind Hightech-Produkte, die aus sehr dünnem, speziell beschichteten Stahl mit bestimmten Metalllegierungen bestehen. Solche Teile müssen heute ganz andere Anforderungen aushalten als früher, weil sparsame Motoren mit viel höheren Temperaturen arbeiten als früher ein Käfer oder das Model T.

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Trotzdem sind das Teile, die jeder Wettbewerber nach einiger Zeit nachbauen kann. Wie wollen Sie das verhindern?

Erstens durch unsere eigene Werkzeugtechnologie und ständige Innovationen. Und zweitens setzen unsere Ingenieure alles daran, unser Know how für neue Anwendungen weiter zu entwickeln. Wir investieren zwischen fünf und sieben Prozent vom Umsatz für Forschung und Entwicklung. Allein 2012 haben wir mehr als 70 neue Produkte auf den Markt gebracht. Innovationen sichern unser Wachstum. Selbst wenn die Rahmenbedingungen schwierig sind, wie etwa im vergangenen Jahr, können wir auf diese Weise zwischen fünf und sieben Prozent mehr Umsatz erzielen.

Was sind das für Innovationen?

Wir produzieren neben Zylinderkopfdichtungen auch Dichtungen für Turbolader oder für den Abgasstrang, Präzisionsbauteile zur Steuerung von Automatikgetrieben und Filter für Dieselmotoren, die den Ruß in den Abgasen restlos verbrennen. Hinzu kommen Leichtbauteile aus Kunststoff wie Ölwannen für Motoren oder Getriebe sowie thermische Abschirmteile. Die schützen zum Beispiel die Elektronik im Auto vor den hohen Temperaturen des Motors oder verhindern, dass die Auspuffanlage den Teppichboden im Fahrzeuginneren in Brand setzt. Wir sind heute im Schnitt mit 40 bis 60 Euro an der Wertschöpfung jedes Autos beteiligt.

Umsatz und Gewinn des Autozulieferers Elring Klinger

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Wenn irgendwann überwiegend Elektroautos auf den Straßen rollen, sehen Sie damit aber ziemlich alt aus.

Im Gegenteil, unser Wertschöpfungsanteil wird eher steigen, nach unseren Schätzungen auf etwa 200 Euro bei Hybridfahrzeugen, die neben einem Elektromotor auch noch ein konventionelles Verbrennungsaggregat an Bord haben. Ich halte das regierungsamtliche Ziel von einer Million Elektroautos in Deutschland bis 2020 für illusorisch, wir gehen eher davon aus, dass reine Elektroautos in den kommenden 20 Jahren ein Nischenprodukt bleiben. Trotzdem haben wir 25 bis 30 Millionen Euro in die Elektromobilität investiert und sind darum gut auf den Systemwechsel vorbereitet. Wir produzieren zum Beispiel die Kontaktbleche, mit denen die Zellen für den Lithium-Ionen-Akku im neuen Elektroauto eines süddeutschen Fahrzeugherstellers miteinander verbunden sind.

Was soll an Blechen Besonderes sein?

Diese Zellkontaktiersysteme müssen wegen der hohen elektrische Ströme und Temperaturschwankungen innerhalb des Akkus extrem belastbar und elastisch sein. Wenn nur einer der Verbinder bricht, gibt es einen Kurzschluss mit erheblichen Folgen. Da heute noch nicht absehbar ist, ob Akkus tatsächlich die Lösung sind, haben wir parallel in die Brennstoffzellentechnik investiert. Wir produzieren sogenannte Bipolarplatten, um Zellen elektrisch zu verbinden und dafür zu sorgen , dass Wasserstoff sowie Sauerstoff zugeleitet und Wasser, Strom und Wärme abgeführt werden. Hinzu kommen komplette Brennstoffzellen-Stacks, also ganze Stapel verbundener Brennstoffzellen, die beispielsweise als Energiequelle zur Bordstromversorgung in Nutzfahrzeugen eingesetzt werden können.

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