BMW i3, Nissan Leaf und Co: Was dem Elektroauto zum Durchbruch fehlt

ThemaElektroautos

BMW i3, Nissan Leaf und Co: Was dem Elektroauto zum Durchbruch fehlt

von Sebastian Schaal

Elektroautos sind seit Jahren auf dem Markt, auf der Straße aber fast so selten wie ein Ferrari. Woran es hakt und warum bald alles besser werden soll.

Bild vergrößern

Der Nissan Leaf ist mit rund 150.000 Exemplaren das meistverkaufte Elektroauto

Ein Stammtisch irgendwo in Deutschland: Beim Bier erzählt jemand von einem Bekannten, der sich ein Elektroauto zugelegt hat. Kaum ist die Erzählung von der beeindruckenden Beschleunigung und dem lautlosen Dahinrollen beendet, kommt aus der geselligen Runde das Totschlag-Argument: „Kann dein Bekannter damit auch von Flensburg nach Garmisch fahren, ohne zwischendrin stundenlang laden zu müssen? Mein Diesel ist in drei Minuten vollgetankt.“

Keine Abgase, lautloses Fahren auf der einen, geringe Reichweite und ein lückenhaftes Ladesäulennetz auf der anderen Seite: Die Argumente für und gegen Elektroautos sind seit Jahren dieselben.

Anzeige

Um die Kontra-Argumente zu widerlegen, hat Nissan jetzt einige Nutzerdaten seiner Elektroautos veröffentlicht. Seit 2010 haben die Japaner rund 150.000 Exemplare ihres Elektroautos Leaf verkauft, ungefähr 31.000 davon in Europa. Bis Anfang Dezember 2014 sind so insgesamt eine Milliarde elektrisch gefahrene Kilometer zusammengekommen.

Der Zweitwagen wird wie das Erstauto genutzt

Erstaunlicher als die Zahl von einer Milliarde Kilometern ist die wöchentliche Laufleistung der erfassten Leafs: Im Schnitt wurden die E-Autos in sieben Tagen 361 Kilometer weit bewegt – also weit entfernt vom Klischee des kaum praxistauglichen Elektromobils. So kommen beim Durchschnitts-Leaf immerhin mehr als 16.000 Kilometer pro Jahr zusammen.

„Drei Viertel unserer Kunden haben den Leaf als Zweitwagen für ihren Haushalt gekauft. Genutzt wird der Wagen allerdings meist wie das erste Auto“, sagt Jean-Pierre Diernaz, Direktor Elektromobilität bei Nissan Europe. „Die Praxiserfahrungen der Kunden lassen die Hemmnisse schwinden.“ Nach kurzer Eingewöhnung sei auch die Lade-Organisation kein großes Problem mehr.

Die größten Hersteller von Elektroautos in Deutschland

  • Platz 10

    Ford: 59 zugelassene Elektroautos

    Seit 2013 hat Ford den Focus Electric im Angebot. Doch der große Erfolg blieb dem E-Focus bislang verwehrt: In Deutschland wurden bis zum ersten Halbjahr 2014 gerade einmal 59 Fahrzeuge zugelassen.

  • Platz 9

    Tesla: 638 zugelassene Elektroautos

    Mit dem Roadster wurde Tesla einst als Elektropionier gefeiert, auch das aktuelle Model S sorgt für Furore. Doch der Aufschwung scheint gerade erst zu kommen: Bereits im ersten Halbjahr 2014 wurden mehr als doppelt so viele Elektroautos von Tesla verkauft als im ganzen Jahr 2013.

  • Platz 8

    Mitsubishi: 926 zugelassene Elektroautos

    Mitsubishi zehrt bei den Elektroautos noch von den Erfolgen des iMiev aus dem Jahr 2011. Damals konnten die Japaner mangels Konkurrenz fast 700 Elektroautos verkaufen. Doch seitdem hat das Interesse am iMiev in Deutschland stark abgenommen, weshalb bis heute nur noch knapp 200 weitere Fahrzeuge dazugekommen sind.

  • Platz 7

    Citroën: 948 zugelassene Elektroautos

    Wie bei Mitsubishi ist die erste Welle des Elektro-Erfolgs bei Citroën wieder abgeklungen. Kein Wunder, schließlich ist der C-Zero der Franzosen mit dem Mitsubishi iMiev baugleich. Er hatte 2012 sein bestes Jahr, danach retteten noch einige Zulassungen für das Citroën-eigene Carsharing die Statistik.

  • Platz 6

    Opel: 1450 zugelassene Elektroautos

    Kein Elektroauto verkaufte sich so gut wie der Opel Ampera. Leider gilt das nur für das Jahr 2012. Seitdem ging es mit den Ampera-Zulassungen bergab, von 828 im Jahr 2012 auf 335 im Jahr 2013. Seit Jahresbeginn 2014 fanden nur noch 46 Amperas einen Käufer.

  • Platz 5

    Nissan: 1712 zugelassene Elektroautos

    Bei Nissan sind die Zulassungszahlen für den Leaf konstanter. Nach dem Anlauf-Jahr 2012 fanden im vergangenen Jahr 855 Leafs einen Abnehmer. Im ersten Halbjahr 2014 waren es wieder knapp 400, womit das Gesamtjahr auf dem Vorjahresniveau liegen könnte.

  • Platz 4

    Renault: 1801 zugelassene Elektroautos

    Mit ihrer Submarke Renault Z.E. gelten die Franzosen als Vorreiter im Elektromarkt. Neben den 1532 Zoe haben seit der Erfassung 2011 auch 269 Fluence Z.E. einen Käufer gefunden. Doch der Erfolg könnte noch größer sein: Der ausgefallene Twizy taucht in der Statistik nicht auf – er zählt offiziell als Quad.

  • Platz 3

    BMW: 1935 zugelassene Elektroautos

    Quasi aus dem Stand schafft es BMW auf das Treppchen. Obwohl der i3 erst im November 2013 auf den Markt gekommen ist, brachte er es bis Jahrsende auf 559 Zulassungen. Bis Ende Juni 2014 kamen 1376 weitere dazu.

  • Platz 2

    Volkswagen: 2050 zugelassene Elektroautos

    Beim größten deutschen Autohersteller wurde die Elektromobilität lange stiefmütterlich behandelt. Doch mit dem Start des E-Up und des E-Golfs stiegen die Zulassungen rapide an. Im ersten Halbjahr 2014 lagen beide Modelle mit knapp über 500 Zulassungen fast gleichauf. Der E-Up konnte aber 2013 schon 785 Zulassungen absahnen, als der Elektro-Golf noch gar nicht auf dem Markt war.

  • Platz 1

    Daimler: 3612 zugelassene Elektroautos

    Die Kleinwagenmarke Smart führt Daimler an die Spitze. Die drei Zulassungen des sündhaft teuren Elektro-SLS sind vernachlässigbar, ebenso die Elektro-B-Klasse. Den Großteil holt Daimler mit dem Smart electric drive, von dem alleine 2013 fast 1900 Exemplare zugelassen wurden. Daran ist das hauseigene Carsharing Car2go nicht unschuldig.

    Quelle: Statista.de, Stand 1. Halbjahr 2014

Für Diernaz steht die Elektromobilität kurz vor dem Wendepunkt. 2010 hätten nur überzeugte Umweltschützer ein Elektroauto gekauft. Heute würden sich auch viele Pragmatiker einen Leaf entscheiden – weil es in der Summe für sie günstiger sei. Mit dem Wandel von der Nische zu einem frühreifen Markt ist das Potenzial für Elektroautos ungleich gestiegen. „Wir fischen heute in einem viel größeren Pott als 2010“, sagt der Nissan-Manager.

Doch dieser Pott ist in jedem Land unterschiedlich groß. Während der Leaf in Norwegen – nicht zuletzt wegen einer staatlichen Förderung und einem dichten Netz an Schnellladesäulen – zwischenzeitlich das meistverkaufte Auto in dem skandinavischen Land war, gibt es in anderen Teilen Europas keine derartigen Anreize für den Kauf eines Elektroautos. Zum Beispiel in Deutschland.

Verband bettelt um Starthilfe

Dass diese fehlen, hat nun die 2010 ins Leben gerufene „Nationale Plattform Elektromobilität“ (NPE) erkannt und Kanzlerin Merkel Anfang Dezember in ihrem Zwischenbericht mitgeteilt. Nur 24.000 Elektrofahrzeuge sind auf deutschen Straßen unterwegs, die Planzahl für 2014 lag bei 100.000.

Dass aus dem großen Projekt von einer Millionen Elektroautos bis 2020 am Ende nichts werden und das Elektroauto in seiner Nische steckenbleiben könnte, davon will der NPE-Vorsitzende Henning Kagermann nichts wissen. „Die Grundlage für den Markthochlauf ist gelegt“, sagt er und meint damit sprunghaft wachsende Verkaufszahlen bei Elektromobilen.

Energiebelastung So viel Müll machen Elektroautos

Elektroautos sollen die emissionsfreie und umweltfreundliche Mobilität der Zukunft bieten. Doch es kommt darauf an, woraus sie gebaut sind – und womit sie angetrieben werden. Sonst werden sie zu Sondermüll-Schleudern.

Quelle: dpa/Montage

Ganz ohne staatliche Hilfe wird es aber auch nicht gehen. „Die Politik muss ihren Beitrag leisten“, sagt der ehemalige SAP-Chef. Schließlich sei sie ein Teil der Plattform, die vor vier Jahren als Beratungsgremium der Bundesregierung gegründet wurde.

Die NPE will vom Staat Geld für die E-Auto-Förderung sehen. Ihr Vorschlag: Gewerbetreibende sollen im ersten Jahr 50 Prozent des Kaufpreises ihres Elektroautos von der Steuer absetzen können. Dem Bund würden so laut der Plattform rund 200 Millionen Euro Steuereinnahmen fehlen.

Weil die Technik bei Elektroautos noch längst nicht ausgereift ist, muss auch weiter geforscht werden. In den nächsten Jahren seien 360 Millionen Euro jährlich an Fördergeld nötig – für Fahrzeuge, Batterien und die Infrastruktur.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%