Fördermittel laufen aus: Norwegens Elektroauto-Traum vor dem Aus?

Fördermittel laufen aus: Norwegens Elektroauto-Traum vor dem Aus?

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Der Nissan Leaf ist in Norwegen eines der meistverkauften Autos.

Norwegen gilt als Vorzeige-Land für die Elektromobilität. Dank einer umfangreichen Förderung zählen Elektroautos zu den meistverkauften Modellen. Doch genau wegen dieses Erfolgs könnte jetzt bald Schluss sein.

Der norwegische Automarkt ist einzigartig in der Welt – noch. In dem skandinavischen Land machen Elektroautos 23 Prozent aller Neuzulassungen aus. Zum Vergleich: In Deutschland sind es 0,7 Prozent. Da der Staat die E-Mobile mit Sonderrechten und Steuervorteilen fördert, wird Elektromobilität in Norwegen bezahlbar.

Das schlägt sich auch in der Statistik nieder. Die drei meistverkauften Automodelle in Norwegen sind Elektroautos. Im März belegten das Tesla Model S vor dem e-Golf und Nissan Leaf die Spitzenplätze. Doch der Elektro-Boom könnte bald vorüber sein: Die Regierung hat von Anfang an in dem Förderprogramm festgehalten, ab 50.000 Elektroautos das Programm zu überdenken – oder gar komplett einzustellen. Und genau diese Marke wurde laut dem Wirtschaftsportal E24 in diesen Tagen erreicht.

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Mit welchen Hindernissen Elektroautos kämpfen

  • Preis

    Noch sind die reinen E-Autos deutlich teurer als ihre Benzin-Pendants. Ein Beispiel: Der E-Golf von Volkswagen ist ab 35 000 Euro zu haben. Ein Golf mit vergleichbarer Ausstattung kostet nur 24 150 Euro. Doch das könnte sich ändern. Laut Berechnungen des Ingenieurbüros P3 sind Elektrofahrzeuge ab dem Jahr 2018 beim Preis wettbewerbsfähig, wenn nicht sogar im Vorteil. Dabei werden neue Batterien zu Grunde gelegt, die einen höheren Nickelanteil vorweisen.

  • Die Reichweite

    Die Batterietechnologie, die für den Preis verantwortlich ist, ist auch der Grund für einen weiteren Knackpunkt: Für den E-Golf gibt Volkswagen eine Reichweite zwischen 130 und 190 Kilometern an. Für eine Fahrt in den Urlaub dürfte das kaum reichen, zumal die Zahl der Ladepunkte in Deutschland im Vergleich zu den herkömmlichen Tankstellen noch klein ist. Auch das dürfte sich aber mit der Weiterentwicklung der Batterietechnologie ändern.

  • Infrastruktur

    Vor allem auf dem Land kann die geringe Reichweite zum Problem werden. Deutschland liegt laut der Nationalen Plattform Elektromobilität mit 4800 Ladepunkten an 2400 Standorten im internationalen Mittelfeld. Nach dem Willen der EU Kommission sollen bis 2020 in Deutschland 150 000 öffentlich zugängliche Ladestationen entstehen. Zum Vergleich: Laut ADAC lag die Zahl der herkömmlichen Tankstellen 2013 bei 14 328.

  • Förderung

    Smart-Chefin Annette Winkler spricht sich schon lange offen für eine Förderung von E-Autos aus. Das müssen nicht unbedingt finanzielle Anreize sein: Der Bundestag erlaubte jüngst Städten und Gemeinden, kostenlose Parkplätze für E-Autos zu reservieren und ihnen die Nutzung von Busspuren zu erlauben. Ob das ausreicht, zweifelt unter anderem VDA-Präsident Matthias Wissmann an. Er fordert finanzielle Impulse - wie zum Beispiel Sonderabschreibungsregeln für Firmenwagen. In anderen Ländern wie den USA, China oder Frankreich bekommen Käufer Cash vom Staat beim Kauf eines E-Autos.

  • Angebot

    Nach Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) rollten Ende 2014 knapp 19 000 reine E-Autos auf deutschen Straßen. Die Zahl der sogenannten Plug-In-Hybride, die die Bundesregierung zu den E-Autos zählt und die sowohl an der klassischen Tankstelle als auch an der Steckdose betankt werden, lag bei 108 000. Insgesamt waren 44,4 Millionen Pkw in Deutschland unterwegs. Das Ziel der Bundesregierung von einer Million elektrisch betriebenen E-Autos bis 2020 liegt damit noch in weiter Ferne. An der Auswahl kann es nicht liegen: Im vergangenen Jahr kamen laut Verband der Automobilindustrie (VDA) 17 neue Serienmodelle mit Elektroantrieb auf den Markt. 2015 sollen noch einmal zwölf weitere hinzukommen. Selbst der elektroskeptische Porsche-Chef plant offenbar mit einem E-Auto: Zuletzt schloss Müller nicht mehr aus, dass das bis Ende des Jahrzehnts geplante nächste Porsche-Modell rein elektrisch betrieben wird.

Für die Autobauer hat sich Norwegen längst zu einem der wichtigsten Absatzmärkte für Elektroautos entwickelt. Obwohl in Deutschland 16-mal so viele Menschen leben, konnte BMW in beiden Ländern im Jahr 2014 nahezu gleich viele i3 verkaufen (Deutschland: 2.231 Exemplare, Norwegen: 2.040 Exemplare). Bei Volkswagen liegt Norwegen mit 2.018 e-Golfs weit vor Deutschland (601 Exemplare).

Dank der Steuerrabatte kostet der gut ausgestattete e-Golf nahezu gleich viel wie das Einstiegsmodell mit Verbrennungsmotor. Dazu kommen weitere Vorteile für Elektroautos: Sie dürfen die Busspuren benutzen, vielerorts gratis parken und zum Teil auch kostenlos laden.

Fragwürdige Förderung In Norwegen wird das Elektroauto zum Problem

In Norwegen boomen Elektroautos dank staatlicher Förderung wie in kaum einem anderen Land. Doch die Probleme wachsen. Deutschland sollte genau hinschauen, wie man es nicht macht.

Das Tesla Model S war wegen der Steuererleichterungen zeitweise das meistzugelassene Auto in Norwegen. Ohne die staatliche Förderung wäre die Elekto-Limousine fast doppelt so teuer. Quelle: REUTERS

Wie es jetzt mit der womöglich auslaufenden Förderung weitergeht, ist unklar. Die konservative Abgeordnete Linda Hofstad Helleland forderte im staatlichen Rundfunk, die Befreiung von der Mehrwertsteuer (25 Prozent) zu überdenken. Ohne diese Befreiung würde ein großer Kaufanreiz für Elektroautos wegfallen, auch andere Vorteile wie die Nutzung der Busspur sind zumindest in Oslo umstritten. Die Hersteller fürchten um ihren Absatz. BMW-Vertreter Kjetil Myhre sagte, die Hersteller könnten abrupte Änderungen des Fördersystems nicht ertragen.

Ob mit oder ohne Förderung ist Norwegen für Elektroautos gut aufgestellt: Der Boom der Batteriefahrzeuge hat dem Land ein äußerst dichtes Netz an Ladesäulen beschert. Reichweitenangst ist dort kein Thema mehr.

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