Tesla-Vize Jerome Guillen: "Wir machen unser eigenes Ding"

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InterviewTesla-Vize Jerome Guillen: "Wir machen unser eigenes Ding"

von Rebecca Eisert und Sebastian Schaal

Tesla gilt als einer der großen Herausforderer der etablierten Autokonzerne. Im Interview spricht Vize-Chef Jerome Guillen über das Apple Car, die Wachstumspläne und Tesla-Gründer Elon Musk.

Der Autosalon in Genf war schon immer anders. Auf anderen Branchentreffs wie der IAA protzen Hersteller mit mehrstöckigen Aufbauten, Teststrecken quer über den Messestand oder eigens für die Messe errichteten Hallen.

Nicht so in Genf. Die Fläche, die jeder Aussteller bekommt, ist klein. Hohe Aufbauten sind nur an den Rändern der Palexpo-Hallen erlaubt. Stände in der Mitte der Halle dürfen maximal 1,20 Meter hoch sein. Das gibt der Automesse trotz einer vergleichsweise geringen Größe von 100.000 Quadratmetern einen angenehmen, offenen Charakter – obwohl die Aussteller dicht an dicht gedrängt sind.

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Tesla enttäuscht Anleger Verlust steigt, Umsatz unter Erwartungen

Weniger Umsatz als erwartet und rote Zahlen: Tesla macht seinen Aktionären keine Freude. Der Elektroautobauer steckt Millionen in Forschung, Entwicklung und Expansion - ob die Rechnung aufgeht?

Die Motorleistung der Grundversion steht noch nicht fest, dafür stellt Tesla derzeit seine Spitzenversion ganz in den Vordergrund. Die kostet 97.000 Dollar (rund 75.000 Euro) und wartet mit einem 85 Kilowattstunden-Akku auf. Der bringt 310 kW bzw. 421 PS Power und 600 Newtonmeter Drehmoment an die Hinterachse. Quelle: PR

In Halle vier hat Tesla, der viel gefeierte und hoch gelobte Elektroauto-Pionier, seinen Auftritt: zwischen Honda, Renault und Isuzu. Drei Exemplare des Model S sind ausgestellt, dazu ein Schnittmodell, das den Allradantrieb der jüngst vorgestellten Dual-Drive-Variante zeigt. In einem kleinen Separée nimmt sich Jerome Guillen, Vize-Chef von Tesla, eine halbe Stunde Zeit, um mit der WirtschaftsWoche über die aktuellen Herausforderungen zu sprechen.

Aus einer anderen Halle dringt laute Musik herüber. Wieder eine Pressekonferenz, wieder buhlt ein Hersteller um die Aufmerksamkeit der versammelten Journalisten. Guillen lässt sich von der Lärmstörung nicht beirren. Er nippt nochmals an seinem Espresso aus einem roten Pappbecher und legt sein Smartphone zur Seite.

Herr Guillen, Tesla hat es immer wieder geschafft, mit seinen Entwicklungen die etablierten Autobauer unter Druck zu setzen. Ist es für Sie ein Vorteil, ein kleiner unabhängiger Hersteller zu sein, statt Teil eines großen Konzerns?
Ja, definitiv. Wir spüren nicht den Druck eines großen Erbes. Das macht uns frei.

Wie gut Autokonzerne auf Angriffe von Apple & Co. vorbereitet sind

  • BMW

    Vernetzung

    Gutes Angebot mit Connected Drive, DriveNow-Carsharing, Kooperation mit chinesischer Suchmaschine Baidu

    Elektromobilität

    Innovatives Angebot mit eigener Elektro-Modelllinie i3, i8

    Autonomes Fahren

    Testmodelle für autonomes Fahren, erste Features ab 2016 in der nächsten 7er-Reihe

    Fazit

    Viel Erfahrung mit E-Mobilen, Kooperation mit Toyota, wenig Chancen für Apple und Google

    Quelle: eigene Recherche, Statista

  • Daimler

    Vernetzung

    Umfangreiches Angebot mit Comand-System, Car2Go -Carsharing per Smartphone

    Elektromobilität

    Lange Erfahrung mit Elektromobilität (vollelektrisch, Plug-in-Hybride, Brennstoffzelle); Kooperation mit Tesla

    Autonomes Fahren

    S-Klasse und C-Klasse bereits in Serie teilautonom unterwegs; autonome Trucks

    Fazit

    In allen Bereichen sehr gut aufgestellt; Kooperation mit Apple oder Google allenfalls punktuell

    Quelle: eigene Recherche, Statista

  • Fiat- Chrysler

    Vernetzung

    Blue&Me-Entertainment (mit Microsoft entwickelt), Carsharing-Dienst Enjoy in Mailand und Rom

    Elektromobilität

    Sehr überschaubares Angebot: ein E-Modell (Fiat 500e); Jeep stellt Hybridmodelle in Aussicht

    Autonomes Fahren

    Keine konkrete Ankündigung

    Fazit

    Finanziell angespannte Lage, könnte bei E-Mobilität, Vernetzung und autonomem Fahren starke Partner brauchen

    Quelle: eigene Recherche, Statista

  • Ford

    Vernetzung

    Befriedigendes Angebot mit Ford Sync-System (mit Microsoft entwickelt); stark in den USA, in Europa im Aufbau

    Elektromobilität

    Überschaubares Angebot: Focus Electric Drive; C-Max Plug-in-Hybrid, Mondeo Hybrid

    Autonomes Fahren

    Bremsassistent im Test, Parkassistent im Focus; neues Forschungszentrum im Silicon Valley

    Fazit

    Aktuell noch Schwächen beim autonomen Fahren, aber starke Investitionen in das Thema, Partner sind denkbar

    Quelle: eigene Recherche, Statista

  • General Motors (Opel)

    Vernetzung

    Befriedigendes Angebot mit GM On Star Infotainment

    Elektromobilität

    Geringes Angebot: ein Hybrid (Chevrolet Volt), ein Elektro-Auto angekündigt (Bolt)

    Autonomes Fahren

    Pläne für teilautonome Fahrzeuge bis 2017

    Fazit

    Wenig eigene Lösungen; Google oder Apple könnten zum Mitmachen verführen

    Quelle: eigene Recherche, Statista

  • Hyundai/Kia

    Vernetzung

    Befriedigendes bis ausreichendes Angebot, Kooperation mit chinesischem Suchmaschinenanbieter Baidu

    Elektromobilität

    Ein Elektroauto (Kia Soul); Vorsprung bei Brennstoffzelle mit Hyundai iX 35

    Autonomes Fahren

    Arbeitet am teilautonomen Fahren für Autobahnen und Parkassistenz; keine Serienreife

    Fazit

    Stark bei neuen Antriebstechnologien, schwach bei autonomem Fahren, Aufholbedarf bei Vernetzung

    Quelle: eigene Recherche, Statista

  • PSA Peugeot Citroën

    Vernetzung

    Befriedigendes bis gutes Angebot mit Peugeot Connect, Carsharing Mu

    Elektromobilität

    Überschaubares Angebot: zwei Elektroautos Peugeot iOn, Citroën C-Zero, eine Plug-in-Studie Quartz

    Autonomes Fahren

    Noch im Forschungsstadium

    Fazit

    Finanziell angespannte Situation, wenig eigene Lösungen. PSA könnte starken Partner wie Google und Apple brauchen

    Quelle: eigene Recherche, Statista

  • Renault/Nissan

    Vernetzung

    Befriedigendes Angebot mit Nissan connect und Renault My Z.E. connect

    Elektromobilität

    Breites Angebot beider Marken an Elektroautos, Nissan Leaf ist meistverkauftes E-Auto weltweit

    Autonomes Fahren

    2020 will Nissan erschwingliche autonomfahrende Autos auf den Markt bringen

    Fazit

    Renault/Nissan sind bei der Elektromobilität mit vorne, Nissan setzt auf autonomes Fahren, Vernetzung ausbaufähig

    Quelle: eigene Recherche, Statista

  • Toyota

    Vernetzung

    Befriedigendes Angebot mit T-connect, Testlauf zu Vernetzung mit Elektrovehikeln in Grenoble

    Elektromobilität

    Hybridpionier; sehr viel Erfahrung mit Batterie-und Brennstoffzellenfahrzeugen (Mirai 2015 in Serie)

    Autonomes Fahren

    Testautos; bis 2017 bei Nobeltochter Lexus Autobahn- und Sicherheitsassistenten

    Fazit

    Stark bei Antrieben, schwach bei Konnektivität, Mittelmaß beim autonomen Fahren – Google könnte Druck machen

    Quelle: eigene Recherche, Statista

  • Volkswagen-Konzern

    Vernetzung

    Wachsendes Angebot etwa durch CarNet und Audiconnect; Übernahme der Blackberry-Forschung in Bochum

    Elektromobilität

    Wachsendes Angebot an Plug-in-Hybriden und E-Modellen bei VW, Audi, Porsche; keine Brennstoffzellen in Serie

    Autonomes Fahren

    900 km Testfahrt im selbstfahrenden Audi A7, 2016 sollen A7, Q7 teilautonom fahren können; autonomes Parken

    Fazit

    Volkswagen-Konzern beherrscht Elektromobilität und Connectivity, Umsetzung neuer Technologie in Serie dauert

    Quelle: eigene Recherche, Statista

Apple plant ganz offenbar auch ein eigenes Auto. Ist eine Kooperation mit Apple möglich?
Apple ist im Silicon Valley unser direkter Nachbar. Einige Apple-Angestellte fahren Tesla, daher kennen wir sie sehr gut. Was auch immer sie planen, wir haben keine Einsicht. Apple ist ein sehr verschlossenes Unternehmen. Ich weiß auch nur, was in der Zeitung steht.

Jerome Guillen leitet bei Tesla den globalen Verkauf und Service Quelle: dpa

Jerome Guillen leitet bei Tesla den globalen Verkauf und Service

Bild: dpa

Dann reden wir über Ihre eigenen Produkte. Auf Ihrem Messestand fehlt etwas Wichtiges: das lange angekündigte Elektro-SUV Model X. Wann werden wir es zum ersten Mal sehen?
Das Model X wird seit Jahren entwickelt. Es gibt bereits dutzende Testfahrzeuge und „Spy Shots“ im Internet. Wir werden die finale Version, die sich deutlich von dem bereits gezeigten Concept Car unterscheiden wird, im dritten Quartal zeigen, wenn wir auch die Auslieferungen starten.

Neben dem Model X haben Sie das kompakte Model 3 angekündigt. Gibt es Pläne darüber hinaus oder für Derivate von bestehenden Modellen?
Mit dem Model X im dritten Quartal und Model 3 in zwei bis drei Jahren haben wir erstmal gut zu tun. Alles darüber hinaus wäre heute reine Spekulation.

Apples und Googles Autopläne Albtraum deutscher Autohersteller

Apple und Google drängen in das Geschäft von Volkswagen, Daimler und BMW. Deren Wettbewerbsvorteile sind bedroht. Höchste Zeit für Deutschlands Vorzeigeindustrie, den Abwehrkampf aufzunehmen.

Apple drängt in die Autobranche Quelle: Marcel Stahn für WirtschaftsWoche

Wie viele Menschen arbeiten für Ihre Forschungs- und Entwicklungsabteilung?
Das sagen wir nicht, aber sie wächst.

Bringt sich Ihr Chef Elon Musk in die Projektarbeit ein?
Oh, ja (nimmt sein Smartphone). Sehen Sie, gestern Abend war er in Kalifornien, aber ich habe eine ganze Reihe von E-Mails von ihm. Er ist sehr engagiert, das können Sie mir glauben.

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