Europas größter Autobauer: Volkswagen verdient nicht mehr

Europas größter Autobauer: Volkswagen verdient nicht mehr

, aktualisiert 29. Juli 2015, 09:16 Uhr
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Der VW-Gewinn stagniert.

Das Ende des Absatzwachstums schlägt bei Volkswagen auf die Bilanz durch: Zwar legte Europas größter Autobauer beim Umsatz kräftig zu, doch die Gewinne stagnieren. Zudem kassiert der Konzern seine Jahresprognose.

Volkswagen hat im ersten Halbjahr Umsatz und Ertrag deutlich gesteigert. Der Umsatz für den Zeitraum bis Ende Juni stieg um 10,1 Prozent auf 108,8 Milliarden Euro, wie der Konzern am Mittwoch in Wolfsburg mitteilte. VW führt das auf positive Wechselkurseffekte und einen besseren Produktmix zurück. Das operative Ergebnis vor Sondereinflüssen legte um 13 Prozent auf 7,0 Milliarden Euro zu. Die Abkühlung des Marktes in China, die VW bereits bei den Absatzzahlen zu spüren bekommen hatte, und die anhaltende Schwäche der Lkw-Tochter MAN schlugen sich aber auf den Gewinn nach Steuern nieder: Er sank um ein Prozent auf 5,66 Milliarden Euro.

Das China-Geschäft ist bei Volkswagen traditionell nicht in den Zahlen für Umsatz und operativem Ergebnis enthalten. Das anteilige operative Ergebnis der chinesischen Joint Ventures (wie im Vorjahr 2,7 Milliarden Euro) wird im Finanzergebnis bilanziert und damit erst beim Gewinn mit eingerechnet. Aus diesem Grund schlagen sich die starken Zuwächse bei Umsatz und dem operativen Ergebnis nicht im Überschuss nieder.

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China Was ein Börsencrash für die Autobauer bedeutet

China ist das Dorado der deutschen Autoindustrie. Die Turbulenzen an Chinas Börse zeigen, wie schnell das zu Ende sein kann. Wie das Platzen einer Blase VW, BMW und Daimler und deutsche Arbeiter treffen würde.

BMW X5 und Audi Q5 in China: Ein Börsencrash samt Absatzflaute würde in Deutschland Arbeitsplätze gefährden. Quelle: dpa

„Die Ergebnisse im ersten Halbjahr zeigen, dass Volkswagen auch in einem immer härteren Marktumfeld sehr gut aufgestellt ist“, sagte Volkswagen-Chef Martin Winterkorn. „Die weltweiten gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen beobachten wir aber sehr genau, vor allem angesichts der Unsicherheiten auf den Märkten in China, Brasilien und Russland.“

VW kappt seine Jahresprognose für die Auslieferungen

Dennoch musste Winterkorn seine Jahresprognose für die Fahrzeugauslieferungen kassiert. Nach einem leichten Rückgang von 0,5 Prozent in den ersten sechs Monaten traut sich Europas größter Autobauer bis zum Jahresende nur noch Auslieferungen auf dem Niveau von 2014 zu. Nach einem starken ersten Quartal mit 1,8 Prozent Verkaufsplus hatte der Ausblick Ende April noch zuversichtlicher ausgeschaut und Volkswagen bekräftigte das Ziel, die Auslieferungen im laufenden Jahr „moderat“ zu steigern. Dann aber zog vor allem der größte Markt China die Verkaufsbilanz ins Minus und beendete eine rund fünfeinhalb Jahre lange Wachstumsgeschichte.

Die Krisenszenarien der deutschen Autobauer

  • Szenario 1: Globale Finanzkrise

    Eine globale Finanzkrise vergleichbar mit der Krise von 2008/2009 trifft die globalen Automobilhersteller. Innerhalb weniger Wochen brechen die Autoverkäufe auf den wichtigsten Automobilmärkten USA, Europa und China um etwa 20 Prozent ein. Dadurch  verschärfen sich auch die Kreditbedingungen erheblich. Auch das folgende Jahr lässt zunächst keine Erholung erwarten.

  • Szenario 1: Volkswagen

    Szenario: Globaler Absatzrückgang um 20 Prozent

    • 2.000.000 verkaufte Fahrzeuge weniger weltweit
    • 750.000 davon in Deutschland
    • bis 50.000 betroffene Arbeitsplätze in Deutschland

    Fazit: Sehr verletzlich

    Quelle: Center of Automotive Management

  • Szenario 1: Daimler

    Szenario: Globaler Absatzrückgang um 20 Prozent

    • 400.000 verkaufte Fahrzeuge weniger weltweit
    • 200.000 davon in Deutschland
    • bis 15.000 betroffene Arbeitsplätze in Deutschland

    Fazit: Verletzlich

  • Szenario 1: BMW

    Szenario: Globaler Absatzrückgang um 20 Prozent

    • 430.000 verkaufte Fahrzeuge weniger weltweit
    • 200.000 davon in Deutschland
    • bis 12.000 betroffene Arbeitsplätze in Deutschland

    Fazit: Weniger verletzlich

  • Szenario 2: Krise in China

    Der chinesische Pkw-Markt bricht in Folge von wirtschaftlichen Problemen – denkbare wäre das Platzen einer Immobilienblase – innerhalb eines Jahres um drastische 20 Prozent ein und bleibt ein volles Jahr 20 Prozent niedriger als im Vorjahr. Die Aussichten für das nächste Jahr lassen ebenfalls keine Erholung erwarten.

  • Szenario 2: Volkswagen

    Szenario: Absatzrückgang um 20 Prozent in China

    • 750.000 verkaufte Fahrzeuge weniger weltweit
    • 650.000 weniger produzierte Autos in China
    • bis 8.000 betroffene Arbeitsplätze in Deutschland

    Fazit: Sehr verletzlich

  • Szenario 2: Daimler

    Szenario: Absatzrückgang um 20 Prozent in China

    • 60.000 verkaufte Fahrzeuge weniger weltweit
    • 35.000 weniger produzierte Autos in China
    • bis 1.500 betroffene Arbeitsplätze in Deutschland

    Fazit: Weniger verletzlich

  • Szenario 2: BMW

    Szenario: Absatzrückgang um 20 Prozent in China

    • 100.000 verkaufte Fahrzeuge weniger weltweit
    • 60.000 weniger produzierte Autos in China
    • bis 1.700 betroffene Arbeitsplätze in Deutschland

    Fazit: Weinger verletzlich

  • Szenario 3: Neue Player

    Neue oder bisher branchefremde Unternehmen wie Tesla, Google oder Apple gewinnen im Zuge der schnellen Durchsetzung der Elektromobilität und des vernetzten sowie autonomen Fahrens an Bedeutung und bedrohen mit ihren Geschäftsmodellen die etablierten Hersteller.

  • Szenario 3: Volkswagen
    • Mittel bis wenig innovativ mit Blick auf radikale Veränderungen
    • Mittelgroße Kompetenz bei Elektro- und Hybridfahrzeugen
    • Sehr hohe Kompetenz bei vernetztem Fahren
    • Kaum Erfahrung mit Mobilitätskonzepten

    Fazit: verletzlich

  • Szenario 3: Daimler
    • Mittel innovativ mit Blick auf radikale Veränderungen
    • Mittelgroße Kompetenz bei Elektro- und Hybridfahrzeugen
    • Sehr hohe Kompetenz bei vernetztem Fahren
    • Erste Erfahrung mit Mobilitätskonzepten (Car2Go, Moovel)

    Fazit: Weniger verletzlich

  • Szenario 3: BMW
    • Mittel bis sehr innovativ mit Blick auf radikale Veränderungen
    • Mittlere bis sehr große Kompetenz bei Elektro- und Hybridfahrzeugen
    • Sehr hohe Kompetenz bei vernetztem Fahren
    • Erste Erfahrung mit Mobilitätskonzepten (DriveNow)

    Fazit: Kaum verletzlich

Die von Winterkorn angesprochenen Marktschwächen in Brasilien und Russland belasteten vor allem das Ergebnis der Kernmarke Volkswagen. Positive Wechselkurseffekte und „Umsatz- und Kostenoptimierungen“ konnten diese Belastung allerdings ausgleichen und trugen dazu bei, dass Volkswagen sein operatives Ergebnis um 400 Millionen auf 1,4 Milliarden Euro steigern konnte. Die operative Marge, lange Zeit das Sorgenkind der Wolfsburger, stieg von 2,1 auf 2,7 Prozent.

Etwas zurückgegangen ist die Marge hingegen bei der Premium-Tochter Audi. Die Ingolstädter konnten zwar das operative Ergebnis leicht auf 2,9 Milliarden Euro im Halbjahr steigern, die Marge sank aber von 10,0 auf 9,8 Prozent – und liegt damit unter den 10,5 Prozent des Premium-Konkurrenten Daimler. Volkswagen begründet den Rückgang der Rendite mit „hohen Vorleistungen für neue Produkte und Technologien sowie für den Ausbau des internationalen Produktionsnetzwerks“.

VW-Marken-Chef Diess Winterkorns Mann fürs Grobe

Der neue VW-Markenchef Herbert Diess tritt am Mittwoch seinen Job in Wolfsburg an. Er könnte es später sogar bis an die Konzernspitze schaffen, wenn er Kosten senkt und die Beschäftigten nicht verärgert.

VW-Markenchef Herbert Diess ist Winterkorns Mann fürs Grobe Quelle: dpa/Montage

Auch Skoda und Seat konnten zulegen. Die Spanier kehrten nach einem Verlust von 37 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum im ersten Halbjahr 2015 mit einem Plus von 52 Millionen Euro in die schwarzen Zahlen zurück. Die Tschechen konnten das operative Ergebnis auf 522 Millionen Euro steigern. Damit kommen sie auf eine operative Marge von 8,1 Prozent – exakt das Dreifache der Marke Volkswagen.

Sorge macht weiter das Nutzfahrzeug-Geschäft. Der Lkw-Hersteller MAN muss wegen der anhaltenden Probleme in Brasilien und dem Konzernumbau seine Jahresprognose senken. Beim Umsatz rechnet die VW-Tochter jetzt mit einem Wert leicht unter dem Vorjahresniveau. Der im Mai eingeleitete Sparkurs inklusive des Abbaus von 1800 Stellen werde das operative Ergebnis stark belasten, die operative Rendite dürfte sich mehr als halbieren.

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