Ex-BMW-Entwicklungsvorstand: "Den Autobauern könnte die Freude bald vergehen"

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InterviewEx-BMW-Entwicklungsvorstand: "Den Autobauern könnte die Freude bald vergehen"

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Burkhard Göschel (rechts)

von Franz W. Rother

Daimler und Volvo preisen ihre Kooperationen mit IT-Konzernen wie Google und Apple. Burkhard Göschel warnt, sie seien mit Risiken behaftet, von denen sich einige Hersteller noch keine Vorstellung machten.

WirtschaftsWoche: Professor Göschel, die Autoindustrie steht vor gewaltigen Veränderungen – das Fahrzeug wird zu einem Teil eines Kommunikationsnetzwerks.

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Göschel: Genau so ist es. Die Hersteller stehen insgesamt vor drei großen Herausforderungen. Sie müssen extrem effiziente Motoren konventioneller Art bauen und gleichzeitig elektrische Antriebe entwickeln. Und obendrauf kommt die Vernetzung des Autos mit der Datenwelt, die Verknüpfung mit den Googles und Apples dieser Welt. 

Was ist die große Herausforderung beim Thema Connectivity?

Je mehr Daten fließen, umso stärker stellt sich beispielsweise die Frage, wem all diese Daten gehören?

Ich würde sagen: Dem Besitzer des Autos.

Vielleicht. Vielleicht aber auch dem Hersteller des Autos oder der Telefongesellschaft, die den Datenverkehr organisiert. Auf jeden Fall gibt es eine Menge Interessenten für die Daten aus dem Fahrzeug. Wie schnell ich gefahren bin, wohin ich gefahren bin, mit wem ich telefoniert habe, wie oft ich am Wochenende unterwegs bin und viele andere Aspekte mehr. Das ist der Grund, warum sich Google und Apple neuerdings so brennend für Autos interessieren: Nicht, weil sie Autos bauen wollen. Sondern weil sie ganz andere Geschäfte wittern.

Connected Cars Wenn das Auto selbst Hilfe holt

Vernetzte Autos bieten ungeahnte Möglichkeiten für Hersteller, Zulieferer und Diensteanbieter. Der eCall - Notrufgeräte, die Rettungsdienste bei Autounfällen automatisch benachrichtigen - soll schon 2015 Vorschrift sein.

Elektrisch, automatisiert, vernetzt - in einem modernen Neuwagen sind heute bereits über 50 Computer eingebaut. Sie sorgen unter anderem für die Kommunikation mit dem Fahrer, mit anderen Fahrzeugen oder einer Verkehrsleitstelle und Notrufzentralen. Quelle: dpa

Woran denken Sie?

Mit den Daten, die das Auto liefert, lässt sich jede Menge Geld machen. Die Autoversicherung könnte das Fahrzeugrisiko anders bewerten, weil Sie extrem wenig, nur langsam oder oft zu schnell fahren. Der Autohersteller oder sein Finanzierer erkennt am Kilometer-Stand, wann Sie sich wahrscheinlich ein neues Fahrzeug kaufen. Ein Reiseveranstalter erfährt, dass Sie Weihnachten immer in einen bestimmten Wintersportort fahren – und kann Ihnen dann frühzeitig Angebote machen. Die Vernetzung des Autos mit der Datenwelt öffnet das Tor zu einer neuen riesigen Goldgrube für Anbieter aller möglichen Geschäftsmodelle. Der Autohersteller hat von all diesen Daten meist nichts. Es profitiert vor allem der Telekommunikationsdienstleister.

Dennoch sind Daimler, Volvo und andere Autohersteller ungeheuer stolz, wenn sie Google oder Apple an Bord holen können.

Die Freude könnte ihnen bald vergehen. Denn diese Kooperationen sind mit Risiken behaftet, von denen sich einige Autohersteller vermutlich noch keine Vorstellung machen. Gegen die Entwicklungsgeschwindigkeit dieser Internetfirmen und deren Power ist schwer anzukommen. Diese werden ihre Datenmacht nutzen und darauf viele neue Geschäftsmodelle aufbauen.

Und die Autohersteller?

Tun gut daran, ihr Markenmanagement zu optimieren, damit der Käufer auch in Zukunft weiß, warum er Fahrzeuge einer bestimmten Marke bevorzugt – weil das Auto so gut fährt oder weil Google oder Apple dafür so viele tolle Dienste anbieten.

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