
Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft hatte ihre Pressemitteilung zur Anklage von Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und seinem damaligen Finanzvorstand Holger Härter noch nicht verschickt, da lag in den E-Mail-Postfächern von 33 Journalisten und Redaktionen bereits eine empörte Kampfschrift der Verteidiger. Sie werfen den Stuttgarter Fahndern eine ganze Reihe von Fehlern vor.
Abzüglich des in solchen Fällen üblichen Getöses bleibt ein interessanter Vorwurf: Die Angaben von Porsche im Jahr 2008, von denen die Staatsanwaltschaft behauptet, sie seien falsch gewesen und hätten den Aktienmarkt manipuliert, hätten den Börsenkurs der VW-Aktie nicht beeinflusst. Ein Gutachten der Handelsüberwachungsstelle der Frankfurter Börse sei zu diesem Ergebnis gekommen. Dies „verschweigt die Staatsanwaltschaft wohlweislich“, gifteten die Verteidiger.
Die Staatsanwaltschaft klagt Wiedeking und Härter wegen Manipulation des Aktienmarktes im Zuge der versuchten VW-Übernahme im Jahr 2008 an. Mit falschen Informationen hätten die Manager den Kurs der VW-Aktie beeinflusst. Wiedeking und Härter streiten das ab. Die Fahnder können aber offenbar belegen, dass die Porsche-Manager während der Übernahmeschlacht mehrmals falsche Angaben machten.
Bild: dpaDer ehemalige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking galt als erfolgreichster Autoboss der Republik. Nun will Wiedeking eine Restaurantkette ins Leben rufen: Unter dem Namen Vialino will er italienische Gerichte anbieten. Das erste Restaurant soll noch in diesem Jahr in Ludwigshafen eröffnen.

Stefan Roggenkamp war früher Managing Director der japanischen Investmentbank Mizuho - heute ist er Hersteller von Biolebensmitteln.
Bild: Christian Schnur für WirtschaftsWocheAlexander Hartmann war früher Abteilungsleiter einer Schweizer Privatbank, heute ist er Sozialpädagogen-Azubi in einem Schweizer Waisenhaus.
Bild: LAIF/Julia BaierFrüher war Susan Dreyer Fondsmanagerin bei DWS, heute ist sie Managerin bei der Non-Profit-Organisation Carbon Disclosure Project.
Bild: dpaThomas Brauße war früher Abteilungsleiter bei einem Frankfurter Wertpapierbroker. Heute ist Brauße der Betreiber einer Currywurst-Bude. Räumlich ist er dem Bankenviertel treu geblieben - zurück zu einem flackernden Computermonitor will der ehemalige Banker aber nicht.
Der ehemalige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking galt als erfolgreichster Autoboss der Republik. Nun will Wiedeking eine Restaurantkette ins Leben rufen: Unter dem Namen Vialino will er italienische Gerichte anbieten. Das erste Restaurant soll noch in diesem Jahr in Ludwigshafen eröffnen.
Allerdings: Für eine Anklage reicht das nicht. Denn Lügen wird hier, wie so oft in der Rechtsprechung, nicht als Verbrechen gewertet. Strafbar wird eine Falschinformation laut Wertpapierhandelsgesetz erst, wenn sie „geeignet ist, auf den Börsenpreis einzuwirken“ und wenn sie nachweislich Auswirkungen auf andere Marktteilnehmer hatte.
Hatten die möglichen Lügen der Porsche-Manager womöglich gar keinen Einfluss auf den Aktienmarkt? Dann wären Wiedeking & Co. tatsächlich fein raus. Das weiß auch die Staatsanwaltschaft. Deshalb hat sie vorgesorgt: Aus 14 Fällen, in denen sie eine bewusste Falschinformation feststellte, siebte sie fünf Fälle heraus, in denen Marktteilnehmer den Fahndern schwarz auf weiß bescheinigten, dass sie von den womöglich falschen Porsche-Informationen in ihrem Handeln beeinflusst wurden.
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