KommentarEx-Porsche-Manager: Wann eine Lüge wirklich beginnt

22. Dezember 2012
Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat die Ex-Porsche-Manager Wendelin Wiedeking (li.) und Holger Härter angeklagt. Mehr als drei Jahre haben sie gebraucht, um die Anklageschrift fertig zu stellen. Quelle: dpaBild vergrößern
Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat die Ex-Porsche-Manager Wendelin Wiedeking (li.) und Holger Härter angeklagt. Mehr als drei Jahre haben sie gebraucht, um die Anklageschrift fertig zu stellen. Quelle: dpa
von Martin Seiwert

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat die Ex-Porsche-Manager Wendelin Wiedeking und Holger Härter angeklagt. Haben sie den Aktienmarkt durch falsche Aussagen manipuliert? Ein Prozess gegen die beiden einstigen Porsche-Größen soll klären, wann die Lüge endet und die Straftat beginnt.

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Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft hatte ihre Pressemitteilung zur Anklage von Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und seinem damaligen Finanzvorstand Holger Härter noch nicht verschickt, da lag in den E-Mail-Postfächern von 33 Journalisten und Redaktionen bereits eine empörte Kampfschrift der Verteidiger. Sie werfen den Stuttgarter Fahndern eine ganze Reihe von Fehlern vor.

Abzüglich des in solchen Fällen üblichen Getöses bleibt ein interessanter Vorwurf: Die Angaben von Porsche im Jahr 2008, von denen die Staatsanwaltschaft behauptet, sie seien falsch gewesen und hätten den Aktienmarkt manipuliert, hätten den Börsenkurs der VW-Aktie nicht beeinflusst. Ein Gutachten der Handelsüberwachungsstelle der Frankfurter Börse sei zu diesem Ergebnis gekommen. Dies „verschweigt die Staatsanwaltschaft wohlweislich“, gifteten die Verteidiger.

Die Staatsanwaltschaft klagt Wiedeking und Härter wegen Manipulation des Aktienmarktes im Zuge der versuchten VW-Übernahme im Jahr 2008 an. Mit falschen Informationen hätten die Manager   den Kurs der VW-Aktie beeinflusst. Wiedeking und Härter streiten das ab. Die Fahnder können aber offenbar belegen, dass die Porsche-Manager während der Übernahmeschlacht mehrmals falsche Angaben machten.

Allerdings: Für eine Anklage reicht das nicht. Denn Lügen wird hier, wie so oft in der Rechtsprechung, nicht als Verbrechen gewertet. Strafbar wird eine Falschinformation laut Wertpapierhandelsgesetz erst, wenn sie „geeignet ist, auf den Börsenpreis einzuwirken“  und wenn sie nachweislich Auswirkungen auf andere Marktteilnehmer hatte.

Hatten die möglichen Lügen der Porsche-Manager womöglich gar keinen Einfluss auf den Aktienmarkt? Dann wären Wiedeking & Co. tatsächlich fein raus.  Das weiß auch die Staatsanwaltschaft. Deshalb hat sie vorgesorgt: Aus 14 Fällen, in denen sie eine bewusste Falschinformation feststellte, siebte sie fünf Fälle heraus, in denen Marktteilnehmer den Fahndern schwarz auf weiß bescheinigten, dass sie von den womöglich falschen Porsche-Informationen in ihrem Handeln beeinflusst wurden.

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Kommentar | 1Alle Kommentare
  • 22.12.2012, 17:34 Uhrmathias

    Die Absicht von Porsche - VW zu übernehmen = Geldfrage

    §1 Woher nehmen, wenn nicht stehlen !

    Porsche besaß eine Menge VW-Aktien gekauft für ca.50,-€
    Wie man Nachrichten sendet/ nimmt man Einfluss auf die Kurse

    Die Kunden gingen von steigenden Kursen aus = Name "Porsche"

    Die Rechnung ging auf = die VW-Aktie stieg auf ca. 1.000,-€

    Porsche verkaufte seine VW-Aktien um einen anderen Straftatbestand
    "Leerverkauf" zu vermeiden.

    Blöd war letztlich, das Land Niedersachsen hatte mit VW noch mehr
    Aktien, die Sie verkauft haben bei € 900,-
    So ist der "Schuss" nach hinten losgegangen.Porsche ist jetztVW

    Die andere Variante der Aktienschieberei dürfte noch krimineller
    sein.

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