Fed und US-Arbeitsmarktdaten: Das lange Hoffen und Warten auf die Zinswende

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Fed und US-Arbeitsmarktdaten: Das lange Hoffen und Warten auf die Zinswende

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Wenn die US-Notenbank die Leitzinsen erhöht, sind Länder auf der ganzen Welt betroffen.

Quelle:dpa

Die aktuellen Arbeitsmarktdaten aus den USA könnten einen weiteren Hinweis darauf liefern, ob die Fed Mitte September erstmals nach neun Jahren den Zins erhöht. Aber die US-Notenbank hält sich bedeckt.

Die Finanzszene schaut mit Argusaugen auf die Arbeitsmarktdaten, die am Freitag in den USA veröffentlicht werden. Bekannt gegeben werden die Stundenlöhne der US-Arbeitnehmer. Fallen sie ausgesprochen gut aus, könnte dies ein Indiz mehr sein, dass die Fed das tut, was viele Fachleute vor der China-Krise erwartet haben - und die Zinsen erstmals seit neun Jahren leicht erhöht.
Der Grund ist naheliegend: Die Fed geht davon aus, dass steigende Löhne bald auch die Inflation treiben könnten. Der Arbeitsmarkt hatte sich zuletzt stark erholt, bei einer Quote von 5,3 Prozent wurden in den vergangenen zwölf Monaten fast drei Millionen Jobs geschaffen. Allerdings sind die August-Zahlen interpretationsfähig, enthalten sie doch viele Wiederaufnahmen von vorübergehend niedergelegten Arbeitsverhältnissen, etwa bei Lehrern.

US-Notenbank Die Fed muss endlich den Zins erhöhen!

Nach den jüngsten Börsenturbulenzen könnte die US-Notenbank Fed ihre Zinswende weiter in die Zukunft verlegen. Doch das wäre ein Fehler.

Fed-Chefin Janet Yellen im Juli 2015. Quelle: AP

Dabei wäre ein klares Signal so wichtig für die Finanzmärkte, die weiterhin über den Zeitpunkt der Zinswende rätseln. Auch auf dem traditionellen Notenbankertreffen in Jackson Hole hielten sich die Fed-Kollegen bedeckt. Zu ungewiss sind die Zeiten, zu turbulent geht es an den Märkten zu, zu wichtig ist die Entscheidung für Banken, Unternehmen, Staatshaushalte in aller Welt.

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"Zu früh"

Mit der Chefin der Federal Reserve, Janet Yellen, und dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, waren die beiden wichtigsten Zentralbanker vorsichtshalber gar nicht erst angereist. Yellens Stellvertreter Stanley Fisher winkte ab: „Zu früh für Entscheidungen.“ Die Nervosität steigt an den Märkten, wo manche Führungskraft noch nie eine US-Zinserhöhung aktiv miterlebt hat.
Am 16. oder 17. September könnte es soweit sein. Erstmals seit Juni 2006, erstmals seit dem Einbruch der US-Märkte nach einer schweren Immobilienkrise 2008, könnte die Fed bei der Sitzung ihres Offenmarktausschusses ihre Politik der Niedrigstzinsen auf quasi Nullniveau aufgeben und einen moderaten Schritt nach oben machen. Als Signal an die Märkte wäre das eine Zeitenwende, sagt Andreas Hoefert, Chefökonom der Schweizer Großbank UBS, der Nachrichtenagentur dpa. „Das wäre das Zeichen, dass die Krise vorbei ist.“

Notenbanken rund um den Globus lockern ihre Geldpolitik

  • Immer mehr Notenbanken senken weltweit die Zinsen

    Im Kampf gegen einen gefährlichen Abwärtssog aus fallenden Preisen und schrumpfenden Investitionen senken immer mehr Notenbanken weltweit die Zinsen. Ein Überblick über die einzelnen Schritte seit dem 1. Januar.
    Quelle: Reuters; Stand März 2015

  • 1. Januar - Usbekistan

    Die Zentralbank von Usbekistan setzt ihren Refinanzierungssatz auf neun Prozent von bislang zehn Prozent nach unten.

  • 15. Januar - Schweiz

    Die Schweizer Notenbank (SNB) vollzieht eine radikale Kehrtwende und schafft den Mindestkurs des Franken zum Euro ab. Die Währungshüter begründen ihre überraschende Entscheidung mit dem immer stärker werdenden Dollar und dem anhaltend fallenden Euro. Gleichzeitig wird der Strafzins auf Einlagen von Banken bei der Notenbank auf 0,75 Prozent von 0,25 Prozent angehoben.

  • 15. Januar - Ägypten

    Die Notenbank von Ägypten senkt überraschend die Leitzinsen um 0,5 Punkte. Die Sätze für Übernachteinlagen und Kredite werden auf 8,75 beziehungsweise 9,75 Prozent gekürzt.

  • 16. Januar - Peru

    Perus Zentralbank senkt überraschend den Leitzins auf 3,25 von bislang 3,5 Prozent. Konjunkturdaten für das Land, die kurz vorher veröffentlicht wurden, waren sehr schwach ausgefallen.

  • 21. Januar - Kanada

    Die Bank von Kanada senkt die Zinsen auf 0,75 Prozent. Damit beendete sie den längsten Zeitraum mit unveränderten Zinsen seit 1950 - seit September 2010 hatte der Schlüsselzins bei einem Prozent gelegen.

  • 22. Januar - EZB

    Die Europäische Zentralbank (EZB) kündigt eines der bislang größten Anleihe-Kaufprogramme aller Zeiten an. Insgesamt wollen die Währungshüter Staatsbonds sowie andere Wertpapiere im Volumen von 1,14 Billionen Euro erwerben. Mit den Käufen soll im März begonnen werden.

  • 24. Januar - Pakistan

    Pakistans Zentralbank senkt den Leitzins auf 8,5 von bislang 9,5 Prozent. Sie begründete dies mit einem schwächeren Inflationsdruck im Zuge der weltweit sinkenden Ölpreise.

  • 28. Januar - Singapur

    Die Zentralbank von Singapur (MAS) lockert ihre Geldpolitik, um die niedrige Inflation anzuheizen. Sie kündigt an, den Kursanstieg des Singapur-Dollar gegen einen Korb ausländischer Währungsmittel einzudämmen. Die Inflationserwartungen hätten sich seit Oktober 2014 erheblich verändert, begründeten die Notenbanker des Stadtstaats den Schritt.

  • 28. Januar - Albanien

    Die albanische Notenbank setzt den Schlüsselzins herab auf das Rekordtief von zwei Prozent. Im vergangenen Jahr hatte sie die Zinsen bereits drei Mal gesenkt, zuletzt im November.

  • 30. Januar - Russland

    Russlands Notenbank kappt den Schlüsselzins für die Versorgung der Banken mit Geld auf 15 von 17 Prozent. Das ist eine scharfe Kehrtwende, da die Notenbank 2014 die Zinszügel erst kräftig angezogen hatte. Die westlichen Sanktionen wegen des Ukraine-Konflikts und der Ölpreisverfall haben eine Kapitalflucht aus Russland ausgelöst und den Rubel auf Talfahrt geschickt.

  • 3. Februar - Australien

    Die australische Zentralbank RBA senkt den Leitzins auf ein Rekordtief. Der Schlüsselzins liegt damit nun bei 2,25 Prozent. Mit dem Schritt wollen die Währungshüter unter anderem die Konjunktur ankurbeln.

  • 4. Februar/ 7. Januar - Rumänien

    Rumäniens Zentralbank senkt in zwei Schritten den Leitzins um insgesamt 0,5 Punkte auf ein Rekordtief von 2,25 Prozent.

  • 5. Februar/ 29. Januar/ 22. Januar/ 19. Januar - Dänemark

    Die dänische Zentralbank setzt vier Mal innerhalb weniger als drei Wochen ihre Leitzinsen herab. Sie interveniert zudem regelmäßig am Devisenmarkt, um die Koppelung der Krone an den Euro zu verteidigen.

  • 12. Februar - Schweden

    Schwedens Zentralbank senkt ihren Leitzins für Wertpapier-Rückkaufgeschäfte mit den Geschäftsbanken - den sogenannten Repo-Satz - auf minus 0,1 Prozent von zuvor null Prozent. Zugleich kündigt sie an, für zehn Milliarden Kronen Staatsanleihen zu kaufen.

  • 17. Februar - Indonesien

    Die Zentralbank von Indonesien setzt überraschend die Zinsen um 0,25 Punkte auf 7,5 Prozent herab. Es ist die erste Senkung seit drei Jahren. Volkswirte hatten dies nicht erwartet.

  • 18. Februar - Botsuana

    Die Notenbank von Botsuana senkt ihren Leitzins um einen Punkt auf 6,5 Prozent. Die Konjunkturentwicklung und die Inflationsaussichten würden einen solchen Schritt ermöglichen, erklärten die Währungshüter des afrikanischen Landes.

  • 23. Februar - Israel

    Die Bank von Israel kappt ihren Leitzins auf 0,1 von bislang 0,25 Prozent. Es ist die erste Senkung seit sechs Monaten. Hintergrund ist unter anderem der Kampf gegen Deflationsgefahren und die Aufwertung der Landeswährung Schekel.

  • 24. Februar/ 20. Januar - Türkei

    Die Zentralbank der Türkei senkt ihren Schlüsselzins in zwei Schritten um insgesamt 0,75 Punkte auf 7,5 Prozent. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu forderte nach der zweiten Zinslockerung die Notenbank auf, noch größere Schritte einzuleiten, um die Wirtschaft anzukurbeln.

  • 28. Februar - 4. Februar - China

    Die chinesische Notenbank senkt ihren Schlüsselzinssatz auf 5,35 von zuvor 5,6 Prozent. Der neue Satz sei der Entwicklung des Wirtschaftswachstums, den Preisen und der Beschäftigungslage angemessen. Die Zentralbank hatte zuvor bereits Anfang Februar angekündigt, dass die Finanzinstitute künftig nicht mehr so viel Kapital als Mindestreserve bereithalten müssen. Damit soll für mehr Liquidität im Finanzkreislauf der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft gesorgt und die Kreditvergabe angeschoben werden.

  • 4. März/ 15. Januar - Indien

    Die indische Notenbank setzt den Leitzins in zwei Schritten um jeweils 0,25 Punkte auf 7,5 Prozent nach unten. Die Reserve Bank of India (RSB) reagiert mit der geldpolitischen Lockerung auf zuletzt magere Konjunkturdaten zur Produktion und Kreditvergabe. Indiens Wirtschaft durchläuft derzeit eine Phase vergleichweise schwachen Wachstums.


Von einer Anhebung um 0,25 Prozentpunkte ist die Rede. Ein erster kleiner Schritt in Richtung Normalität nach sieben wirtschaftlich mageren Jahren und ungebremster Geldschwemme von der Zentralbank. Die US-Wirtschaft wächst, laut Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF), um bis zu drei Prozent im nächsten Jahr, der Arbeitsmarkt sieht gut aus, viele Indikatoren stehen auf grün.

Angst vor Rezession

Doch trügt der Schein? Nicht alle Experten brechen mit Blick auf die größte Volkswirtschaft der Welt in lauten Jubel aus. Die Analysten der Investmentbank Morgan Stanley etwa haben ihre Wachstumsprognose für 2016 um 0,8 Punkte auf 1,8 Prozent zurückgenommen. In einem Worst-Case-Szenario sehen die Auguren um Chefökonomin Ellen Zentner sogar eine kleine Rezession für die USA aufziehen. Und auch Hoefert erkennt Unregelmäßigkeiten. So habe der US-Dollar zuletzt in der China-Krise nicht mehr von fallenden Aktienkursen profitiert.

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