Fiat-Tochter: Volkswagen soll Interesse an Chrysler haben

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Fiat-Tochter: Volkswagen soll Interesse an Chrysler haben

Dass VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch gerne Alfa Romeo in seinem Konzern sehen würde, ist ein offenes Geheimnis. Jetzt soll Volkswagen an der Fiat-Tochter Chrysler interessiert sein.

Volkswagen lotet einem Magazinbericht zufolge eine Übernahme des italienisch-amerikanischen Autobauers Fiat aus. Durch die Integration von dessen US-Tochter Chrysler sehe die VW-Führung einen möglichen Ansatz, um ihre eigenen Probleme auf dem US-Markt zu lösen, berichtete des „Manager Magazin“ am Donnerstag ohne Quellenangabe. Europas größter Autobauer sucht seit längerem nach Wegen, um in den USA aus der Rolle eines Nischenanbieters herauszukommen. Ein Volkswagen-Sprecher betonte, bei den Wolfsburgern stünden derzeit keine Projekte im Bereich Fusionen oder Übernahmen auf der Agenda.

Am Mittag meldete sich der größte Fiat-Aktionär zu Wort: Die Agnelli-Familie widerspricht dem Bericht über eine mögliche Übernahme. Es hätten keine Gespräche über eine Fusion stattgefunden, sagte am Donnerstag ein Sprecher der Exor-Holding, in der die Familie ihre gut 30 Prozent Anteile an Fiat gebündelt hat.

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Die VW-Aktie verlor nach dem Bericht 1,64 Prozent und lag damit am Dax-Ende. Börsianer reagierten skeptisch. „Da kann man sich ruck-zuck verzetteln“, sagte ein Händler. Auch ein weiterer Marktteilnehmer fürchtete, dass noch ein Großprojekt neben den bereits bestehenden Baustellen VW überfordern könnte. Den Fiat-Aktien verliehen die Gerüchte an der Mailänder Börse allerdings kräftigen Auftrieb: Die Kurse kletterten um 5,1 Prozent auf 7,91 Euro, dem stärksten Tagesgewinn seit Januar.

Wie die VW-Sparten 2013 abgeschnitten haben

  • Volkswagen Pkw

    Die Kernmarke des Volkswagen-Konzerns litt im Jahr 2013 unter der Absatzschwäche. Mit 4,7 Millionen verkauften Fahrzeugen schrumpfte der Absatz um 2,2 Prozent. Der Umsatz ging sogar um 4,4 Prozent zurück. Immerhin erwirtschaftet die Kernmarke noch ein operatives Ergebnis von 2,9 Milliarden Euro.

  • Audi

    Die Premiumtochter aus Ingolstadt konnte die Verkäufe steigern. Mit 1,35 Millionen verkauften Fahrzeugen steht unterm Strich ein Plus von 3,85 Prozent. Auch der Umsatz legte leicht auf 49,88 Milliarden Euro zu. Unterm Strich steht trotzdem ein deutlicher Rückgang beim Profit um rund 6,3 Prozent auf 5,03 Milliarden Euro.

  • Seat

    Das spanische Sorgenkind kommt bei den Verkaufszahlen wieder auf die Beine. 459.000 Fahrzeuge verkauften die Spanier im Jahr 2013 - ein Plus von rund sieben Prozent. Auch der Umsatz legt um rund sechs Prozent auf 6,87 Milliarden Euro zu. Unterm Strich steht aber immer noch ein Verlust von 152 Millionen Euro, der immerhin um vier Millionen Euro reduziert wurde.

  • Skoda

    Mit günstiger VW-Technik konnte die tschechische Tochter in den vergangenen Jahren die Kunden locken. Im Jahr 2013 lief es schlechter. Mit 719.000 verkauften Fahrzeugen ging der Absatz um 1,2 Prozent zurück. Der Umsatz fiel ebenfalls leicht schlechter aus und beträgt nun 10,32 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis hat das deutliche Spuren hinterlassen. Der Gewinn beträgt 522 Millionen Euro und damit satte 26,7 Prozent weniger.

  • Porsche

    Die Profitmaschine aus Zuffenhausen treibt erstmals das operative Ergebnis des VW-Konzerns an. Seit der Integration im August 2012 hat der Sportwagenbauer einen Profit von 1,46 Milliarden Euro erwirtschaftet. Der Umsatz beträgt nun 7,03 Milliarden Euro. Der Absatz von Porsche wurde auf 78.000 Fahrzeuge taxiert.

  • Bentley

    Bald soll die Luxus-Autoschmiede einen Nobel-SUV an den Start bringen. 2013 legt der Absatz um 21 Prozent auf 11.000 verkaufte Fahrzeuge zu. Auch beim Umsatz steht bei 1,68 Milliarden Euro ein Plus von 15,5 Prozent. Der Gewinn der britischen Nobeltochter legt um satte 68 Prozent auf 168 Millionen Euro zu.

  • Lamborghini und Bugatti

    Die Ergebnisse der beiden Ultraluxus-Sparten werden im Volkswagen-Halbjahresbericht nicht gesondert ausgewiesen. Der Absatz kann bei Lamborghini um 5,1 Prozent auf 1166 verkaufte Fahrzeuge zulegen. Die französischen Ultrasportwagen von Bugatti wurden im ersten Halbjahr ganze 16 Mal verkauft.

  • VW Nutzfahrzeuge

    Die Nutzfahrzeugsparte des Konzerns schwächelt weiter. Der Absatz stagniert bei 436.000 verkauften Fahrzeugen. Der Umsatz schrumpft ebenfalls leicht auf 9,37 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legt dagegen um 6,4 Prozent zu auf 448 Millionen Euro.

  • MAN

    Mit einem Beherrschungsvertrag sitzt VW längst auch bei den Münchnern am Steuer. Der Absatz des Lkw-Bauers legt im Gesamtjahr 2013 leicht auf 140.000 verkaufte Fahrzeuge zu. Der Umsatz sinkt dagegen leicht auf 15,86 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis steht unterm Strich ein Gewinn von 319 Millionen Euro - ein Rückgang um satte 61 Prozent.

  • Scania

    Die schweren Schweden verkaufen wieder mehr. Mit 80.000 verkauften Lkw steigt der Absatz um 19,4 Prozent, auch der Umsatz legt um 11,2 Prozent auf 10,36 Milliarden Euro zu. Mit 974 Millionen Euro ist das operative Ergebnis rund 4,7 Prozent besser als im Vorjahr.

  • VW Finanzdienstleistungen

    Mit einem Umsatzplus von 10,8 Prozent leistet die Finanztochter des VW-Konzerns mittlerweile einen ordentlichen Beitrag zum Konzernergebnis. Das operative Ergebnis legt im Jahr 2013 um 17,5 Prozent auf 1,86 Milliarden Euro zu.

Dem Magazinbericht zufolge haben Volkswagen-Großaktionär Ferdinand Piëch und die Familien Elkann und Agnelli als Fiat-Haupteigner sowie deren Unterhändler dazu bereits mehrere Gespräche geführt. Die Preisvorstellungen lägen aber noch deutlich auseinander. Fiat-Chef Sergio Marchionne verfolge parallel andere strategische Optionen. Bei Volkswagen komme hinzu, dass die Konzernspitze mittelfristig auch über den Zukauf eines weiteren Lkw-Herstellers nachdenke, um aus den Töchtern MAN und Scania eine weltweit führende Gruppe zu schmieden.

Mit einem Kauf oder Teilkauf könnte Volkswagen laut dem Magazin eine Lösung der Probleme in den USA forcieren. Das engmaschige Händlernetz von Chrysler und deren erfolgreiche Geländewagen und Pick-Ups würden die Aufstellung der Wolfsburger in den USA passgenau ergänzen. Die Niedersachsen verlieren mit ihrer Kernmarke VW-Pkw seit 15 Monaten in Folge an Boden in den USA, obwohl der Markt insgesamt wächst.

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Experten halten beide Vorhaben zusammen für ambitioniert. VW verfügte zuletzt zwar über liquide Mittel von knapp 18 Milliarden Euro. Konzernchef Martin Winterkorn hatte allerdings unlängst deutlich gemacht, dass er das Geld zusammenhalten will. „Wir haben genug damit zu tun, die Integration von Scania voranzubringen“, sagte er am Rande einer Veranstaltung zu Reuters. VW hatte den schwedischen Lkw-Hersteller Scania vor Kurzem ganz unter seine Kontrolle gebracht. Das übrige Geld benötigen die Wolfsburger vor allem für Investitionen in neue Modelle und die weitere Modernisierung der Produktion.

Dem Bericht zufolge wollen sich die italienischen Eigner weitgehend aus dem wenig profitablen Automobilgeschäft zurückziehen und sich auf die Sportwagenmarke Ferrari konzentrieren. VW-Aufsichtratschef Piëch hatte in der Vergangenheit mehrfach Interesse an der Fiat-Marke Alfa Romeo geäußert, erhielt von Marchionne jedoch regelmäßig eine Abfuhr. Inzwischen gehe es in den Gesprächen vor allem um Chrysler, berichtete das Magazin.

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