FiatChrysler Automobiles: Fiat-Konzern leidet unter reißendem SUV-Absatz

FiatChrysler Automobiles: Fiat-Konzern leidet unter reißendem SUV-Absatz

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Jeep hat einen großen Anteil am Absatz von FiatChrysler – einen zu großen?

von Rebecca Eisert

Die guten Absatzzahlen und der sich anbahnende Deal mit Samsung täuschen über das Grundproblem des Fiat-Chrysler-Konzerns hinweg. Chef Sergio Marchionne fehlt der Zugang zu innovativer Technologie und billigem Geld.

Es sind Zahlen, bei denen so mancher Autohersteller feuchte Augen bekommt: Ein Plus von über 100 Prozent. 2014 verkaufte die Geländewagen-Marke Jeep in Europa 42.000 Autos, Ende 2015 waren es sage und schreibe 89.000. Sergio Marchionne, Chef des Fiat-Chrysler-Konzerns, zu dem die Marke Jeep zählt, dürfte gestrahlt haben – und tut es wohl noch, denn die Erfolgsserie reißt nicht ab. Nach den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres hat Jeep nochmal gut 20 Prozent mehr verkauft als im Vorjahreszeitraum.

Und weitere frohe Kunde bahnt sich an: Der koreanische Elektronikkonzern Samsung interessiert sich offenbar für die Zulieferersparte des Fiat-Chrysler-Konzerns. Sie trägt den klangvollen Namen Magneti Marelli und ist auf Lichtsysteme, Telematik und Entertainmentmodule spezialisiert. Rund drei Milliarden Euro könnte der Deal Medienberichten zufolge dem italo-amerikanischen Konzern einbringen.

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Geld, dass Chef Marchionne für die Tilgung seiner Schulden (fünf Milliarden Dollar) und Expansionspläne gut gebrauchen kann. Denn der Manager hat sich in seinem Fünf-Jahres-Plan – die Umsetzung begann 2014 – viel vorgenommen. Bis 2019 sollte der Absatz des Volumenherstellers auf sieben Millionen Autos pro Jahr steigern – 59 Prozent mehr als 2014.

Wie Fiat-Chrysler in Deutschland aufgestellt ist

  • Fiat

    2010: 78.190 Neuzulassungen
    2011: 80.125 Neuzulassungen
    2012: 72.755 Neuzulassungen
    2013: 67.753 Neuzulassungen
    2014: 68.103 Neuzulassungen

    Quelle: Kraftfartbundesamt KBA

  • Jeep

    2010: 2.296 Neuzulassungen
    2011: 3.992 Neuzulassungen
    2012: 6.614 Neuzulassungen
    2013: 6.899 Neuzulassungen
    2014: 10.268 Neuzulassungen

  • Alfa Romeo

    2010: 8.621 Neuzulassungen
    2011: 10.480 Neuzulassungen
    2012: 7.502 Neuzulassungen
    2013: 3.625 Neuzulassungen
    2014: 3.391 Neuzulassungen

  • Lancia

    2010: 1.463 Neuzulassungen
    2011: 2.334 Neuzulassungen
    2012: 2.979 Neuzulassungen
    2013: 2.979 Neuzulassungen
    2014: 1.262 Neuzulassungen

Die Verkaufszahlen der Edelmarke Alfa Romeo sollten sich gar auf 400.000 Stück verfünffachen. Doch Marchionne würde seinem Ruf eines hervorragenden Kaufmanns nicht gerecht, wenn er nicht die eine oder andere Planänderungen – zugunsten besserer Ergebnisse versteht sich vornehmen würde. So sollte die Mittelklasse Limousine Giulia ursprünglich schon Ende 2015 den Auftakt zur großen Modeloffensive von Alfa Romeo geben. Sieben weitere Modelle sollten bis 2018 folgen.

Produziert wird, was Rendite bringt

Doch die Giulia rollte mit einem gutem halben Jahr Verspätung zu den Händlern und Marchionne streckt das Produktprogramm bis zum Jahr 2020. Die nachfrage- und gewinnstarken Gelände- und Pritschenwagen von Jeep und Ram haben Vorrang. Produziert wird, was Rendite bringt.

Ein schlüssiger und notwendiger Plan. Marchionne will seine Braut aufhübschen. Denn, dass der Chef einen gute Partie für den Konzern sucht, ist kein Geheimnis. Voriges Jahr diente er sich GM-Chefin Mary Barra unverhohlen an und kassierte eine Absage. Dem FCA-Chef bleiben wenige Optionen, denn so erfreulich die guten Absatzzahlen sind, sie können nicht über das Grundproblem des Konzerns hinwegtäuschen.



Dem Fiat-Chrysler-Konzern fehlt:

  1. innovative Technologie
  2. Geld für nötige Investitionen

Der SUV-Boom ist für die Italo-Amerikaner Segen und Fluch zugleich. "Fiat-Chrysler wurden vom dem sich radikal ändernden Käuferverhalten kalt erwischt. Plötzlich wollten alle große, höherwertige Geländewagen. Das ist gut fürs Geschäft, aber schlecht für die CO2-Bilanz", erklärt Thomas Göttle, Mitglied der Geschäftsleitung bei PA Consulting Group und globaler Chef der Automobilsparte. Bis 2014 entwickelte sich der CO2-Flottendurchschnitt von Fiat-Chrysler in Europa gut, die Werte sanken und der Konzern konnte damit rechnen, die Zielwerte der EU für 2021 zu erreichen. Das ist nun nicht mehr gewiss.



Göttle geht davon aus, dass die beliebten, aber schweren und technologisch-veralteten Jeep-Modelle den bisherigen Flottendurchschnitt um mehrere Gramm nach oben verschieben – deutlich über der bisherigen Prognose. "Der Konzern läuft Gefahr, seine CO2-Flottenziele in der EU 2021 nicht zu erreichen. Das könnte empfindlich hohe Strafzahlungen nach sich ziehen", so Göttle.

Ein Blick auf die vom Hersteller ausgewiesenen CO2-Werte zeigt, wo das Problem liegt. Die Modelle stoßen vergleichsweise viel Kohlenstoffdioxid aus. Je nach Modell und Motoren emittieren Jeep-Fahrzeuge zwischen 15 und 30 Prozent mehr CO2 aus als etwa vergleichbare BMW-Fahrzeuge aus der Geländewagen-Reihe. Das schlägt aufs Kontor. "Fiat-Chrysler ist vom Wettbewerb meilenweit entfernt. Die Motoren hängen der technologischen Entwicklung mindestens eine Dekade hinterher", so Göttle. Doch der Konzern hat kein Geld, um den Rückstand aufzuholen. Die Entwicklung eines neuen Motors verschlingt leicht ein bis zwei Milliarden Euro und fünf Jahre Entwicklungszeit. Marchionne hat weder das eine noch das andere.

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