Förderung von Elektroautos: Deutschlands "Energiewende auf Rädern" stockt

ThemaElektroautos

Förderung von Elektroautos: Deutschlands "Energiewende auf Rädern" stockt

Bild vergrößern

Ein E-Golf in Berlin. Kanzlerin Angela Merkel hat der Branche der Elektromobilität unterstützende Maßnahmen zugesichert.

von Sebastian Schaal

In Berlin diskutieren Politik und Wirtschaft über die Zukunft des Elektroautos. Beispiele aus dem Ausland zeigen, welche Erfolge mit einer Förderung möglich sind. Doch Merkels Zurückhaltung bringt ihre Ziele ins Wanken.

Eine Millionen Elektroautos. Diese Zahl schwebt über allem. Vor fünf Jahren hat Kanzlerin Angela Merkel dieses Ziel gesteckt, das 2020 erreicht werden soll. Mit der „Energiewende auf der Straße“ solle Deutschland bei der Elektromobilität vorne weg fahren.

Rund 22.000 Elektroautos sind Stand Ende Mai auf deutschen Straßen unterwegs, dazu kommen gut 120.000 sogenannte-Plug-In Hybride, die neben einem Elektro- auch einen Verbrennungsmotor haben. Kurze Strecken können diese Autos elektrisch fahren, auf längeren Etappen übernimmt der Benziner oder Diesel.

Anzeige

Umstrittene Förderung für Elektroautos

  • Der Hintergrund

    Beim Kampf gegen die Erderwärmung geraten immer wieder die Autofahrer in den Blick. Der Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) geht in Deutschland nämlich zu einem Sechstel auf das Konto des Straßenverkehrs. Als klimaschonende Variante gelten Elektroautos, die nicht mit Benzin, sondern mit Strom angetrieben werden. Deshalb will der Bundestag am Donnerstagnachmittag ein Gesetz verabschieden, das einige Privilegien für die Besitzer von E-Autos vorsieht.

  • Wie viele Elektroautos gibt es in Deutschland?

    Wenn es nach der Bundesregierung geht: viel zu wenige. Bis zum Jahr 2020 wird nämlich die Zielmarke von einer Million E-Autos angepeilt. Zu Jahresbeginn waren es aber nur 18.948 Fahrzeuge mit reinem Elektromotor sowie 107.754 Hybrid-Autos, die sowohl mit einem Elektro- als auch mit einem herkömmlichem Verbrennungsmotor fahren können. Im Vergleich zu den bundesweit 44,4 Millionen zugelassenen Pkw ist der Anteil der Elektroautos aber verschwindend gering.

  • Warum ist die Zahl der Elektroautos so niedrig?

    Zum einen ist der Anschaffungspreis relativ hoch: So kostet der VW-Kleinwagen Up! in der Elektroversion mit fast 27.000 Euro etwa dreimal so viel wie das Basismodell. Ein weiteres Problem ist die Reichweite: Derzeit muss ein reines E-Auto im Schnitt nach 150 Kilometern neu geladen werden, doch dafür fehlt vor allem auf dem Land die notwendige Infrastruktur. Und die niedrigen Spritpreise motivieren derzeit auch nicht gerade zum Abschied vom Benziner.

  • Wie will die Koalition mehr Autos auf die Straße bringen?

    Eine staatliche Kaufprämie, die immer wieder gefordert wird, ist derzeit nicht vorgesehen. Stattdessen sollen E-Autos die innerstädtischen Busspuren nutzen können und spezielle, kostenfreie Parkplätze erhalten. Allerdings schafft der Bundestag mit seinem Gesetz lediglich die rechtliche Grundlage dafür. Ob den Elektroautos tatsächlich solche Privilegien eingeräumt werden, muss jede Kommune für sich selbst entscheiden.

  • Stoßen die Gesetzespläne auf Zustimmung?

    Eher nicht. Kaum eine deutsche Großstadt will ihre Busspuren für Elektroautos öffnen. So haben Berlin, Hamburg und München bereits deutliche Ablehnung signalisiert: Mit Bussen, Taxis und Krankenwagen sei bereits die Grenze der Belastbarkeit erreicht. Auch der Deutsche Städtetag warnt, die Zulassung weiterer Fahrzeuge auf der Busspur würde den öffentlichen Nahverkehr verlangsamen. Die Forderungen nach staatlichen Kaufanreizen reißen ebenfalls nicht ab. So wünscht sich die Autoindustrie großzügige Steuererleichterungen für elektronische Firmenwagen. Für Privatleute brachte der niedersächsische Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) eine Kaufprämie von 5000 Euro ins Gespräch. Ähnliche Regelungen gibt es bereits in Frankreich und China. Doch davon will die Bundesregierung nichts wissen.

So droht Deutschland zu einem Leitanbieter ohne Leitmarkt zu verkommen. 19 Elektro-Modelle haben deutsche Autobauer im Angebot, zehn weitere sollen bis Ende des Jahres dazukommen. Der oberste Auto-Lobbyist Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) jubelt: „Eine solche Vielfalt hat keine andere Automobilnation.“ Einzig: Das Angebot ist inzwischen groß, die Nachfrage aber gering.

Fast alle fordern eine Förderung

Zwischenstände wie diese lassen die Skepsis an dem von Merkel ausgerufenen Ziel wachsen. Das Fraunhofer-Institut geht wegen der zahlreichen Unsicherheiten eher von 150.000 E-Autos im Jahr 2020 aus. Nur im bestmöglichen Szenario sei die Millionen-Marke zu erreichen.

Auch die Nationale Plattform Elektromobilität (NPE), ein 2010 ins Leben gerufenes Bündnis von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, sieht die Merkel’sche Million in Gefahr. In einem Zwischenbericht, den NPE-Sprecher Henning Kagermann im Dezember 2014 der Kanzlerin überreichte, gehen die Experten „nach heutigem Erkenntnisstand und Prognosen“ etwa von einer halben Millionen Elektrofahrzeugen aus. Die Million bleibe aber erreichbar, dafür müssen „die Rahmenbedingungen angepasst“ werden. Soll heißen: Es muss eine staatliche Förderung für die Ladenhüter her.

Aufgeben will die Politik das Ziel allem Gegenwind zum Trotz aber nicht. In Berlin wird jetzt auf der Nationalen Konferenz Elektromobilität, so der sperrige Titel, zwei Tage lang diskutiert, wie der vielmals herbeigeredete Durchbruch wirklich geschafft werden soll. Mit dabei ist alles, was Rang und Namen hat: Bundeskanzlerin Merkel, Verkehrsminister Dobrindt, Wirtschaftsminister Gabriel und Daimler-Chef Dieter Zetsche, um einige zu nennen.

Von dem „Elektro-Gipfel“ wurden entscheidende Impulse erwartet. Wer dachte, dass Merkel mit einem milliardenschweren Förderpaket in der Tasche anreist, der wurde enttäuscht. Dass es doch nicht ganz ohne staatliche Anreize geht, hat man inzwischen auch im Kanzleramt erkannt. In ihrer Rede stellte die Merkel neue Förderungen noch in diesem Jahr in Aussicht. Deutschland werde „um eine weitergehende Förderung nicht herumkommen, obwohl wir schon Einiges gemacht haben“, sagte Merkel.

Elektroauto-Absatz 2014 in Deutschland

  • Platz 10

    Modell: Audi A3 e-tron

    Verkaufte Autos: 460 Fahrzeuge

    Quelle: Kraftfahrt-Bundesamt KBA

  • Platz 9

    Modell: Renault Twizy

    Verkaufte Autos: 573 Fahrzeuge

  • Platz 8

    Modell: VW E-Golf

    Verkaufte Autos: 601 Fahrzeuge

  • Platz 7

    Modell: Nissan Leaf

    Verkaufte Autos: 812 Fahrzeuge

  • Platz 6

    Modell: Tesla Model S

    Verkaufte Autos: 814 Fahrzeuge

  • Platz 5

    Modell: Mitsubishi Outlander PHEV

    Verkaufte Autos: 1.068 Fahrzeuge

  • Platz 4

    Modell: VW E-Up

    Verkaufte Autos: 1.354 Fahrzeuge

  • Platz 3

    Modell: Renault Zoë

    Verkaufte Autos: 1.498 Fahrzeuge

  • Platz 2

    Modell: Smart Fortwo ED

    Verkaufte Autos: 1.589 Fahrzeuge

  • Platz 1

    Modell: BMW i3*

    Verkaufte Autos: 2.231 Fahrzeuge

    *inklusive Modelle mit Range Extender

Die Industrie fordert, dass gewerbliche Halter im ersten Jahr die Hälfte des Kaufpreises abschreiben können sollen. Diese Sonder-Abschreibung, die die NPE in ihrem Zwischenbericht an erster Stelle gefordert hatte, wird derzeit vom Finanzministerium geprüft. Laut der Kanzlerin werde die Regierung werde nochmals alle Instrumente studieren. Entschieden sei noch nichts, doch solle noch in diesem Jahr eine Antwort gefunden werden. „Ich habe einigermaßen klare Vorstellungen, was die Bundesregierung noch zu leisten hat“, so Merkel. Festlegen auf die Abschreibung will sich die Kanzlerin aber nicht: „Steuerliche Maßnahmen erfordern immer das Einverständnis von Bund und Ländern.“

Skeptischer äußerte sich Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel. Man müsse aufpassen, dass man nicht durch das beständige Wiederholen „von nicht erreichbaren Zielen am Ende sich und das Projekt lächerlich macht“, sagte der Vizekanzler. Er sei dafür, die Ziele dennoch nicht zu reduzieren und sich lieber etwas einfallen zu lassen, um sie zumindest annähernd zu erreichen.

Digitaler Fortschritt Dann klappt es auch mit der Energiewende

Die Digitalisierung revolutioniert Branchen wie den Handel und die Medien. Jetzt ermöglicht sie den Umbau der deutschen Energieversorgung.

Digitaler Fortschritt: Dann klappt es auch mit der Energiewende

Bislang wird hierzulande vor allem die Forschung gefördert, in den vergangenen vier Jahren hat die Regierung hierfür rund 1,5 Milliarden Euro bewilligt. In Frankreich, Schweden, den Niederlanden und Norwegen sorgt der Staat mit steuerlichen Anreizen für die Anschubfinanzierung – entsprechend mehr Elektroautos sind dort unterwegs. In den Niederlanden zum Beispiel sind Käufer von E-Autos von Umsatz- und Kfz-Steuer befreit. Bei Mittelklassewagen macht das bis zu 8.000 Euro aus.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%