Folgen des VW-Abgas-Skandals: Laufen Volkswagen jetzt die Kunden weg?

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Folgen des VW-Abgas-Skandals: Laufen Volkswagen jetzt die Kunden weg?

Die nächsten Monate nach dem Abgasskandal bei Volkswagen werden zeigen, ob VW nun die Kunden weglaufen. Erste Neuzulassungszahlen sind nicht gerade optimistisch und VW-Manager haben ein wichtiges Treffen.

Volkswagen muss mitten in der Aufarbeitung des Abgasskandals Absatzrückgänge hinnehmen. Im Oktober sanken die Auslieferungen des Marktführers in der Europäischen Union gegen den Trend. In den USA wollen VW-Konzernmanager Ende dieser Woche mit Vertretern der US-Umweltbehörden zusammenkommen. Bei dem Treffen sollen Vorschläge vorgestellt werden, wie die Abgasmanipulationen behoben werden können.

Bisher gibt es zwar noch keine massiven Auswirkungen des Skandals auf den Absatz. Im Oktober aber ging die Zahl der Neuzulassungen in der EU beim VW-Konzern um 0,5 Prozent auf knapp 277.000 Fahrzeuge zurück. Der Marktanteil des europäischen Branchenprimus sank im Vorjahresvergleich von 25,9 auf 25,1 Prozent, wie der Branchenverband Acea am Dienstag mitteilte. Insgesamt stieg die Zahl der neu zugelassenen Pkw in der EU im Oktober um 2,9 Prozent auf rund 1,1 Millionen Autos.

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Der VW-Abgas-Skandal im Überblick

  • 18. September

    Die US-Umweltbehörde EPA teilt in Washington mit, Volkswagen habe eine spezielle Software eingesetzt, um die Messung des Schadstoffausstoßes bei Abgastests zu manipulieren. In den Tagen darauf wird klar, dass weltweit Fahrzeuge von VW und der Töchter betroffen sind – darunter auch Audi und Porsche. Die VW-Aktie bricht ein.  

  • 23. September

    VW-Chef Martin Winterkorn tritt nach einer Krisensitzung der obersten Aufseher zurück. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig prüft die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen VW. Anlass dafür seien auch eingegangene Strafanzeigen von Bürgern, heißt es.

  • 24. September

    Der VW-Aufsichtsrat tagt. Nach langer Sitzung beruft das Gremium Porsche-Chef Matthias Müller zum neuen Konzernchef und trifft einige weitere Personal- und Strukturentscheidungen. Verantwortliche Motorenentwickler werden beurlaubt.

  • 28. September

    Nach mehreren Strafanzeigen startet die Braunschweiger Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen Betrugsvorwürfen. Entgegen einer ersten Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Braunschweig gibt es keine Ermittlungen gegen Ex-Chef Martin Winterkorn persönlich.

  • 1. Oktober

    Das Aufsichtsrats-Präsidium beschließt, Hans Dieter Pötsch per registergerichtlichen Anordnung in den Aufsichtsrat zu berufen. Das ist möglich, weil mehr als 25 Prozent der Aktionäre Pötsch favorisiert haben. Die Familien Porsche und Piëch, die Pötsch gegen die Bedenken des Landes Niedersachsens und der Arbeitnehmer durchgesetzt haben, halten über die Porsche SE rund 52 Prozent der VW-Anteile. Julia Kuhn-Piëch, die erst dieses Jahr nach dem Rücktritt von Ferdinand und Ursula Piëch in das Kontrollgremium aufgerückt war, verlässt den Aufsichtsrat wieder.

  • 6. Oktober

    Es ist klar, dass die betroffenen VW-Fahrzeuge in die Werkstatt müssen, damit die Schummel-Software verschwindet. Bei einigen Motorenwerden die Techniker selbst Hand anlegen müssen. Eine Rückruf-Aktion, so wird es am nächsten Tag bekannt werden, soll 2016 starten. Die geschäftlichen und finanziellen Folgender Krise sind nicht absehbar. Die Kosten der Abgas-Affäre werden jedoch enorm sein. Der neue Chef muss sparen: "Deshalbstellen wir jetzt alle geplantenInvestitionen nochmal auf denPrüfstand", kündigt Müller an.

  • 15. Oktober

    Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) ordnet einen verpflichtenden Rückruf aller VW-Dieselautos mit der Betrugssoftware an. In ganz Europa müssen 8,5 Millionen, in Deutschland 2,4 Millionen Wagen in die Werkstatt. VW hatte eine freiwillige Lösung angestrebt.

  • 28. Oktober

    Der Skandal beschert dem Konzern im dritten Quartal einen Milliardenverlust. Vor Zinsen und Steuern beläuft sich das Minus auf rund 3,5 Milliarden Euro.

  • 3. November

    Der Skandal erreicht eine neue Dimension. VW muss - nach weiteren Ermittlungen der US-Behörden - einräumen, dass es auch Unregelmäßigkeiten beim Kohlendioxid-Ausstoß (CO2) gibt. Rund 800.000 Fahrzeuge könnten betroffen sein. Die VW-Aktie geht erneut auf Talfahrt.

  • 20. November

    Der Diesel-Skandal in den USA weitet sich aus. Erneut. Es seien mehr Drei-Liter-Diesel der Marken Volkswagen und Audi betroffen, als bislang angenommen, erklärt die US-Umweltbehörde EPA. Die Autobauer bestreiten dies zunächst. Wenige Tage später, am 24. November, müssen sie allerdings  einräumen, ein sogenanntes „Defeat Device“ nicht offengelegt zu haben. Die Software gilt in den USA als illegal.

    Die Auswirkungen des Skandal zwingen VW zudem zum Sparen: VW fährt die Investitionen für das kommende Jahr runter. 2016 sollen die Sachinvestitionen um eine Milliarde Euro verringert werden. „Wir fahren in den kommenden Monaten auf Sicht“, sagt VW-Chef Müller. Weitere Ausgaben bleiben auf dem Prüfstand.

  • 24. November

    Neuer Ärger für Volkswagen: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt nun auch wegen mögliche Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit falschen CO2-Angaben. Die könnten dazu geführt haben, dass zu wenig Kfz-Steuer gezahlt wurde.

  • 25. November

    Zumindest etwas Positives für die Wolfsburger: Zur Nachrüstung der millionenfach manipulierten Dieselmotoren mit 1,6 Litern Hubraum in Europa reicht nach Angaben von Volkswagen ein zusätzliches, wenige Euro teures Bauteil aus. Bei den 2,0-Liter-Motoren genügt ein Software-Update. Das Kraftfahrtbundesamt genehmigt die Maßnahmen. Auch wenn VW keine Angaben zu den Kosten macht – es hätte schlimmer kommen können.

Zwischen Bestellung und Auslieferung der Autos liegen allerdings meist mehrere Wochen oder sogar Monate. Deswegen könnte sich der Skandal um manipulierte Abgastests, der Mitte September bekannt wurde, in den kommenden Monaten stärker auf die VW-Auslieferungen niederschlagen.

Im Einzelnen ging der Absatz der Konzern-Kernmarke VW mit Modellen wie dem Golf und dem Passat im Oktober in der EU im Vergleich zum Vorjahresmonat um 0,2 Prozent zurück. Die spanische Tochter Seat verzeichnete ein Minus von 11,4 Prozent, Skoda lag bei minus 2,6 Prozent. Dagegen gab es für Audi einen Zuwachs von 4,1 Prozent, für Porsche ein Plus von 13,9 Prozent.

VW hatte mit Hilfe einer Software Abgastests bei Dieselfahrzeugen manipuliert. Dabei ging es Werte für das gesundheitsschädliche Stickoxid. Außerdem hatte VW bei 800.000 Autos falsche Angaben zum Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxid (CO2) gemacht.

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Die unheilvolle Allianz von VW und der Bundesregierung.

Die unheilvolle Allianz von VW und der Bundesregierung. Quelle: Getty Images

Negative Auswirkungen der Manipulationen auf die Gebrauchtfahrzeugpreise gibt es bislang nicht, wie das Forschungsinstitut Deutsche Automobil Treuhand unter Berufung auf Marktuntersuchungen mitteilte. Dies gelte sowohl für die betroffenen VW-Dieselfahrzeuge als auch für den Gesamtmarkt. Es würden aber frühestens in einigen Wochen belastbare Erkenntnisse vorliegen.

Zu Medienberichten, wonach sich der CO2-Skandal ausweite, sagte ein VW-Sprecher in Wolfsburg, davon könne keine Rede sein. „An der Gesamtzahl von 800.000 möglicherweise betroffenen Fahrzeugen hat sich nichts geändert.“ VW hatte bereits am Freitag mitgeteilt, gut die Hälfte der vom CO2-Skandal betroffenen Autos stamme aus dem Modelljahr 2016.

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An dem geplanten Treffen der VW-Manager mit den US-Umweltbehörden soll unter anderem der Chef der VW-Motorenentwicklung, Friedrich Eichler, teilnehmen. In Konzernkreisen wurden entsprechende Medienberichte bestätigt. Die kalifornische Umweltbehörde CARB hatte VW eine Frist bis Freitag gesetzt, um Pläne zu präsentieren, wie VW die Manipulationen beheben will. In den USA sind rund 500.000 Autos des VW-Konzerns betroffen. Die EPA hatte vor zwei Monaten über die Manipulationen berichtet und damit den Skandal ausgelöst.

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