Ford-Chef Mark Fields: "Russland ist immer noch ein großer Markt"

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InterviewFord-Chef Mark Fields: "Russland ist immer noch ein großer Markt"

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Mark Fields will die „graue Maus“ Ford wieder attraktiver machen

von Rebecca Eisert

Seit Juli führt Mark Fields den US-Autokonzern Ford. Im Interview erklärt er, warum er höherwertige Autos bauen und trotz der Krise in Russland investieren will.

WirtschaftsWoche: Herr Fields, Ford hat im vergangenen Jahr rund 2,3 Milliarden US Dollar weniger verdient als 2013. Der Absatz stagnierte bei 6,3 Millionen Fahrzeugen. Bereuen Sie Ihre Entscheidungen im zurückliegenden Jahr?
Mark Fields: Nein, ich bereue überhaupt nichts. Wir haben immer gesagt, dass 2014 ein Übergangsjahr werden würde. Aber eben auch ein wichtiges Jahr, um die Weichen für mehr Wachstum zu stellen – sowohl beim Umsatz als auch beim Absatz. Wir hatten 24 Modelleinführungen, viele davon im dritten und vierten Quartal. Trotzdem haben wir das fünfte Jahr in Folge profitabel gewirtschaftet. 2015 wird für uns ein Jahr des Durchbruchs – auf Finanzseite und beim Wachstum. Und dazu gehören auch 15 weitere neue Modelle.

Zur Person

  • Mark Fields

    Mark Fields, 54, steht seit 1. Juli an der Spitze des US-Autokonzerns Ford. Er beerbte Chef und Mentor Alan Mulally. Gemeinsam führten sie Ford ohne staatliche Beihilfen aus der Krise zurück in die Profitabilität. Fields leitete seit 2005 das Nord- und Südamerika-Geschäft. Davor stand er der Ford-Premium-Division mit damals Volvo, Jaguar, Land Rover und Aston Martin vor.

Wie viele davon bringen Sie in Europa auf den Markt?
Zehn, und zwar nicht nur Modellerneuerungen. Wir gehen mit einigen Fahrzeugen auch in ganz neue Segmente. Damit setzen wir Stück für Stück unsere Transformationsstrategie in Europa um. Wir machen gute Fortschritte bei den Produkten. Das zeigt sich auch am Marktanteil im Pkw-Markt, den wir zum ersten Mal seit 2009 auf 8,0 Prozent ausbauen konnten. Und im Markt für leichte Nutzfahrzeuge sind wir von der Nummer sieben zur Nummer drei aufgestiegen. Gleichzeitig machen wir Fortschritte bei den Kosten und der Marke.

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Dennoch schreibt Ford in Europa immer noch rote Zahlen. Wann kommt der Turnaround?
Wir haben uns kein fixes Zeitziel gesetzt. Wir werden den Verlust in diesem Jahr weiter verringern und wollen, so schnell es geht, wieder profitabel sein. Russland macht uns dabei natürlich große Probleme.

Mit welcher Entwicklung rechnen Sie in den kommenden Monaten?
Das wird eine lange Trockenzeit. Wir erwarten ein weiter schrumpfendes Bruttoinlandsprodukt. Der Industriesektor wird sich im Vergleich zum Vorjahr nochmals deutlich verschlechtern. Aber Russland ist immer noch ein großer Markt.

Die stärksten Marken auf Russlands Automarkt

  • Lada

    Mit 456.309 verkauften Fahrzeugen ist Lada die stärkste Marke auf dem russischen Markt mit einem Anteil von über 20 Prozent. Die Marke des Herstellers AvtoVaz verliert allerdings seit Jahren an Bedeutung. Im Vergleich zu 2012 wurden 2013 gut 15 Prozent weniger Ladas verkauft.

  • Renault

    Renault-Nissan hält über direkte und indirekte Beteiligungen fast 50 Prozent an Russlands größtem Autobauer AvtoVaz (Lada). Renault verkaufte im vergangenen Jahr 210.099 Modelle in Russland (+11%) und ist damit mit einem Marktanteil von gut 8 Prozent die zweitstärkste Marke. Durch seine enge Verflechtung mit dem Lada-Hersteller hat Renault einen sehr hohen Anteil von lokalen Zulieferern. Die so genannte Sourcing-Quote liegt bei 80 Prozent.

  • Kia

    Die Koreaner haben derzeit rund 7 Prozent Marktanteil mit 198.018 verkauften Modellen. Sechs Prozent mehr als im Vorjahr.

  • Hyundai

    Die Schwester-Marke von Kia kann sich ebenfalls gut behaupten. Sie verkaufte 1881.153 Autos in Russland – vier Prozent mehr als 2012.

  • Chevrolet

    Auch die Amerikaner machen in Russland gute Geschäfte - noch. Die Schwester-Marke von Opel verkaufte 2013 genau 174.649 Autos. 15 Prozent weniger als 2012. Mutterkonzern General-Motors hat entschieden, dass Chevrolet in Europa nur noch bis 2016 verkauft wird, dann soll Opel die Märkte übernehmen.

Welche Konsequenzen ziehen Sie daraus?
Wir investieren weiter und werden zwischen Ende 2014 und Ende 2015 sechs neue Modelle auf den Markt bringen.

Trotz der gewaltigen Krise im Land?
Es gibt für mich keinen schlechten Zeitpunkt, um ein tolles, neues Modell einzuführen, auch wenn die wirtschaftlichen Umstände schwierig sind. Aber natürlich müssen wir gegensteuern. Wir haben die Produktion heruntergefahren, die Belegschaft reduziert. Wir versuchen gemeinsam mit unseren Partnern vor Ort, die Situation zu verbessern.

In China hat Ford gerade die Marke eine Million verkaufte Fahrzeuge geknackt. Wo wollen Sie noch hin?
Wir investieren kräftig. 2013 konnten wir 740.000 Pkws produzieren und etwa 200.000 Nutzfahrzeuge. Zum Ende dieses Jahres werden wir 1,4 Millionen Pkws und 500.000 Nutzfahrzeuge fertigen können. Wir erhöhen dafür die Kapazitäten in unseren bestehenden Werken und bauen zwei neue Fabriken in diesem Jahr. Gleichzeitig bringen wir 18 neue Modelle auf den Markt. Wir sehen noch sehr viel Wachstumspotenzial.

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