Formel E in Berlin: Fährt hier der Motorsport der Zukunft?

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Formel E in Berlin: Fährt hier der Motorsport der Zukunft?

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Der Aufstieg der FIA-Formula E

von Sebastian Schaal

Motorsport ist laut, unvernünftig und richtig teuer. Das mag auf die Formel 1 zutreffen, nicht aber auf die Formel E. Die neue Elektro-Rennserie will am Wochenende in Berlin zeigen, wie es auch anders geht.

An diesem Wochenende wird es wieder laut in Monaco: Die Formel 1 ist zu Gast. Wenn am Sonntag Nico Rosberg, Lewis Hamilton, Sebastian Vettel und Co in ihren Rennwagen um den Sieg auf dem legendären Stadtkurs kämpfen, ist das für viele Motorsport-Fans nach wie vor eines der Highlights des Jahres.

Doch eines ist in diesem Jahr anders: Der Grand Prix von Monaco ist nicht mehr das erste und einzige Rennwochenende in den Straßen des kleines Fürstentums an der Cote d’Azur. Vor zwei Wochen fand bereits ein anderes Rennen in Monaco statt: der ePrix. So heißen die Veranstaltungen einer neuen Rennserie, der Formel E. Die Besonderheit: Wie das „E“ andeutet, brausen hier Elektroautos über die Piste.

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Die wichtigsten Fragen zur Formel E

  • Was ist die Formel E?

    Das ist eine neue Rennserie mit Formel-Rennwagen. Soll heißen: Die einsitzigen Boliden haben wie Formel-1-Renner freistehende Räder, Front- und Heckflügel sowie ein Cockpit in der Mitte. Nur wird der Wagen nicht von einem Benziner, sondern einem Elektromotor angetrieben.

  • Mit was für Autos wird gefahren?

    Im ersten Jahr kommt bei allen Teams der gleiche Wagen zum Einsatz, der sogenannte Spart SRT_01E. Das Chassis kommt von Dallara, den Elektroantrieb hat McLaren gebaut, die Batterie liefert Williams, und Renault hat die Technik zusammengefügt. Die Reifen sind von Michelin, auch dabei gilt das Einheitsprinzip: Es sind alles Allwetterreifen. Reine Trockenreifen, wie in der Formel 1, gibt es nicht.

  • Wie schnell sind die Autos?

    Der Motor leistet maximal 272 PS. Allerdings nur im Qualifying auf eine Runde, im Rennen wird die Leistung auf rund 200 PS reduziert. Damit sind die Wagen bis zu 225 km/h schnell.

  • Wie laut ist die Formel E?

    Viel leiser als Rennsport mit Benzinmotoren, aber nicht lautlos. Die Motoren erzeugen ein rund 80 Dezibel lautes Surren, also in etwa so laut wie ein Rasenmäher und nicht wie ein Formel-1-Auto, das mit 130 Dezibel eher einem Düsenjet gleicht. Stattdessen hört man in der Formel E in den Kurven die Reifen quietschen. Auf der Tribüne braucht man auch keine Ohrstöpsel. Für manche mag da der Motorenlärm fehlen, wie in der Formel 1 diskutiert wird. Für andere, vor allem Familien mit kleinen Kindern, ist es aber genau richtig.

  • Wie sieht ein Formel-E-Rennen aus?

    Ein Rennen dauert rund 45 Minuten. Die Batterien halten aber nicht das ganze Rennen durch, nach etwa der Hälfte kommen die Fahrer deshalb in die Boxengasse. Hier wird aber nicht aufgeladen, sondern gleich das ganze Auto gewechselt: Der Fahrer springt in einen identischen Zweitwagen, um das Rennen zu beenden. Künftig könnte der Autowechsel aber wegfallen, wenn bessere Akkus das ganze Rennen durchhalten.

  • Wie läuft ein Formel-E-Wochenende ab?

    Es ist gar kein ganzes Wochenende. Damit die Fans nicht drei Tage an der Strecke verbringen müssen, ist die Formel E ein Tages-Event. Morgens findet das Training statt, am Mittag die Qualifikation für die Startaufstellung, am Nachmittag wird dann das Rennen gefahren.

  • Wo wird gefahren?

    Ausschließlich auf Stadtkursen. Anders als die Formel 1, die nur in Monaco und Singapur auf echten Stadtkursen fährt, sucht die Formel E den Weg in die Metropolen. Statt in Silverstone, Spa oder Spielberg fahren die Elektrorenner durch Peking, Miami, Berlin oder London.

  • Wer fährt mit?

    Pro Rennen gehen 20 Fahrer an den Start. Darunter sind zahlreiche ehemalige Formel-1-Fahrer. Nick Heidfeld, Jarno Trulli, Lucas di Grassi, Sébastien Buemi, Jaime Algersuari, Bruno Senna, Jerome d'Ambrosio und Nelson Piquet können Erfahrung aus der Königsklasse vorweisen. Beim Saisonstart in Peking waren auch noch zwei Frauen, Katherine Legge und Michela Cerruti, am Start, wurden aber inzwischen durch andere Fahrer ersetzt. Zudem ist auch der Sohn der Formel-1-Legende Alain Prost, Nicolas, dabei. Und der 22-jährige Daniel Abt aus Deutschland, seines Zeichens ein ehemaliger GP2-Fahrer.

Das glamouröse Rennen rund um den Hafen von Monte Carlo, das Jahr für Jahr die Reichen und Schönen anzieht, ist nicht mehr einzigartig im Formel-1-Kalender. Die Königsklasse des Motorsports hat Konkurrenz bekommen. Ein bisschen zumindest: In der öffentlichen Wahrnehmung überstrahlt die Formel 1 die kleine Elektro-Rennserie noch bei weitem – auch wenn die Aufmerksamkeit für Motorsport in den vergangenen Jahren deutlich gesunken ist.

Unter anderem auch deshalb geht die Formel E einen anderen Weg. Nicht nur beim Antrieb, sondern auch bei den Veranstaltungen selbst. Zählen Stadtkurse in der Formel 1 zu den Ausnahmen, sind sie bei der Formel E die Regel. Die Fans müssen nicht an die entlegenen Rennstrecken pilgern, sondern der Rennsport kommt zu ihnen in die Innenstädte.

Deutsche Fahrer und deutsches Team am Start

So erfolgreich die Premiere der Formel E in Monaco auch war, 2016 wird dort kein Rennen stattfinden. Das liegt aber nicht an der Serie, sondern an Terminproblemen in dem Fürstentum. „Neben dem Formel-1-Rennen haben wir 2016 wieder den historischen Grand Prix. Und wir können unmöglich drei Rennen im gleichen Jahr durchführen“, sagt Michel Boeri, Chef des monegassischen Automobilklubs ACM. „Wir könnten uns aber vorstellen, das E-Rennen abwechselnd mit dem historischen Grand Prix alle zwei Jahre durchzuführen.“ An einem Ersatz-Standort wird es sicher nicht mangeln: Mehr als 100 Städte haben sich auf einen ePrix beworben. Die Schweiz, in der seit den Fünfzigerjahren jeglicher Motorsport verboten ist, hat sogar die Gesetze geändert, so dass Elektro-Rennen künftig möglich sind.

Mit dabei ist auch ein deutsches Team, Abt Sportsline aus Kempten im Allgäu. Für Teamchef Hans-Jürgen Abt ist das Konzept mit den Stadtrennen bereits jetzt aufgegangen. „In Asien und Amerika waren die Leute von der Formel E begeistert. In Monaco sind wir jetzt das erste Mal in Europa gefahren und die Tribünen waren voll“, sagt Abt. „Es war eine tolle Kulisse, da kann man beim ersten Auftritt einer neuen Rennserie stolz sein.“

Stolz ist Abt auch auf seine Fahrer. Der ehemalige Formel-1-Pilot Lucas di Grassi führt nach sieben von elf Rennen die Meisterschaft an, in Monaco wurde er Zweiter. Sein Teamkollege ist Daniel Abt, der Sohn des Teamchefs. Beim fünften Lauf in Miami hat der 22-Jährige seinen ersten Podestplatz erzielt. „Die Kombination unserer Fahrer ist eine gute Voraussetzung für den dauerhaften Erfolg des Teams“, sagt Abt senior. „Lucas di Grassi bringt als ehemaliger Formel-1-Fahrer und Teilnehmer der 24 Stunden von Le Mans viel Erfahrung mit, was auch uns als Team gut tut. Daniel steht mit seinen 22 Jahren erst am Anfang seiner Karriere. So können wir neben dem „Veteran“ einen zweiten, jungen Fahrer aufbauen.“

Formel 1 Rasende Langweiler vor ungewisser Zukunft

Nur 15 Autos am Start, Red Bull stänkert über die Mercedes-Dominanz: Die Formel 1 ist mehr schlecht als recht in die Saison gestartet. Mit sinkenden Zuschauerzahlen steht das PS-Spektakel vor einer ungewissen Zukunft.

Wo geht es hin? Mercedes-Pilot Lewis Hamilton beim Auftaktrennen in Melbourne Quelle: REUTERS

Wenn die selbsternannte Königsklasse des Motorsports am Wochenende in Monaco auf Punktejagd geht, ist die Formel E längst weitergezogen. Am Samstag rasen die leisen Flüster-Flitzer durch Berlin. Der deutsche Lauf findet auf dem Tempelhofer Feld statt – im Gegensatz zu den deutschen Formel-1-Strecken bei Hockenheim oder dem Nürburgring in der Eiffel ist die Formel-E-Strecke bequem mit der U-Bahn zu erreichen.

Das sorgt für ein anderes Publikum an der Strecke. Zu den Fans, die ihren Aufenthalt lange im Voraus planen, kommen Spontan-Besucher – was bei anderen Rennserien kaum möglich ist. „Ich schätze, dass bei den bisherigen Rennen 40 bis 50 Prozent der Zuschauer sich spontan entschieden haben“, sagt Teamchef Abt. „Die Leute sollen in die Stadt gehen und sich guten Motorsport anschauen können. Wer sich spontan entscheidet, soll nicht von hohen Ticketpreisen abgeschreckt werden.“

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