Frankreichs Autoindustrie: Neuer Peugeot-Chef kehrt mit eisernem Besen

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Frankreichs Autoindustrie: Neuer Peugeot-Chef kehrt mit eisernem Besen

von Karin Finkenzeller und Philipp Mattheis

Die französischen Traditionsmarken Peugeot und Citroën stecken tief im Absatzloch. Der neue Herr im Hause, Ex-Renault-Manager Carlos Tavares, muss den Konzern stärker umbauen, als es der Eigentümerfamilie lieb ist.

Über Auszeichnungen reden Unternehmen sonst gern und öffentlich. Doch als ein verdienter Ex-Unternehmer der Region vor wenigen Tagen im Peugeot-Museum der ostfranzösischen Stadt Sochaux für seine Verdienste um die Autoindustrie zum Ritter der Ehrenlegion ernannt wurde, war das anders. Zuerst wurden die Medien ein- und dann wieder ausgeladen. So entschied es der Hausherr und Aufsichtsratsvorsitzende des französischen Autokonzerns PSA Peugeot Citroën, Thierry Peugeot. Dies sei eine private Feier, für Außenstehende uninteressant.

Dabei hätte es für Außenstehende jede Menge zu erzählen gegeben. Immerhin hatte der höchste Vertreter der altehrwürdigen Autodynastie gerade bekannt gegeben, dass Carlos Tavares 2014 den bisherigen PSA-Chef Philippe Varin ablösen wird – obwohl dessen Vertrag erst im Frühjahr um vier Jahre verlängert worden war.

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Die Personalie und die Angst vor der Öffentlichkeit lassen tief in den Abgrund beim zweitgrößten europäischen Autobauer blicken. Tavares, bis August 2012 zweiter Mann nach Carlos Ghosn beim heimischen Konkurrenten Renault, soll PSA aus seiner tiefsten Krise ziehen.

PKW-Absatz 2013 in Europa

  • PSA

    Verkäufe absolut: 1.138.000 (gerundet)

    Veränderung im Vergleich zum Vorjahr: -10,3 Prozent

    (Peugeot, Citroen)

    Quelle der Zahlen in dieser Kurztextgalerie: ACEA

  • Andere

    Verkäufe absolut: 73.000 (gerundet)

    Veränderung im Vergleich zum Vorjahr: -9,2 Prozent

  • Fiat

    Verkäufe absolut: 633.000 (gerundet)

    Veränderung im Vergleich zum Vorjahr: -8,1 Prozent

  • Volvo

    Verkäufe absolut: 185.000 (gerundet)

    Veränderung im Vergleich zum Vorjahr: -6,6 Prozent

  • Mitsubishi

    Verkäufe absolut: 63.000 (gerundet)

    Veränderung im Vergleich zum Vorjahr: -6,1 Prozent

  • Suzuki

    Verkäufe absolut: 127.000 (gerundet)

    Veränderung im Vergleich zum Vorjahr: -5,7 Prozent

  • GM

    Verkäufe absolut: 823.000 (gerundet)

    Veränderung im Vergleich zum Vorjahr: -5,5 Prozent

    (Opel, Vauxhall)

  • Ford

    Verkäufe absolut: 770.000 (gerundet)

    Veränderung im Vergleich zum Vorjahr: -5,2 Prozent

  • VW

    Verkäufe absolut: 2.588.000 (gerundet)

    Veränderung im Vergleich zum Vorjahr: -2,8 Prozent

    (Audi, Seat Skoda)

  • Nissan

    Verkäufe absolut: 364.000 (gerundet)

    Veränderung im Vergleich zum Vorjahr: -2,6 Prozent

  • Toyota

    Verkäufe absolut: 457.000 (gerundet)

    Veränderung im Vergleich zum Vorjahr: -1,9 Prozent

  • Hyundai

    Verkäufe absolut: 361.000 (gerundet)

    Veränderung im Vergleich zum Vorjahr: -1,6 Prozent

  • Honda

    Verkäufe absolut: 121.000 (gerundet)

    Veränderung im Vergleich zum Vorjahr: -0,9 Prozent

  • BMW, Mini

    Verkäufe absolut: 668.000 (gerundet)

    Veränderung im Vergleich zum Vorjahr: +0,3 Prozent

  • Kia

    Verkäufe absolut: 287.000 (gerundet)

    Veränderung im Vergleich zum Vorjahr: +0,5 Prozent

  • Renault

    Verkäufe absolut: 907.000 (gerundet)

    Veränderung im Vergleich zum Vorjahr: +1,5 Prozent

    (Renault, Dacia)

  • Daimler

    Verkäufe absolut: 580.000 (gerundet)

    Veränderung im Vergleich zum Vorjahr: +5,0 Prozent

    (Mercedes, Smart)

  • Jaguar, Land Rover

    Verkäufe absolut: 116.000 (gerundet)

    Veränderung im Vergleich zum Vorjahr: +10,6 Prozent

  • Mazda

    Verkäufe absolut: 125.000 (gerundet)

    Veränderung im Vergleich zum Vorjahr: +16,3 Prozent

Kein Hersteller hat im zu Ende gehenden Jahr 2013 so viel an Absatz verloren wie die älteste noch existierende Automarke der Welt. Nach einem Verlust von fünf Milliarden Euro 2012 wird der Konzern auch 2013 mit einem Minus beenden. 1,1 Milliarden Euro muss Peugeot wegen der Absatzschwäche in diesem Jahr abschreiben. Trotz drastischer Sparmaßnahmen und dem Abbau von mehr als 11.000 Arbeitsplätzen bis Mitte 2014 verbrennt PSA pro Monat noch immer rund 100 Millionen Euro.

Während Wettbewerber auf die anziehende Autokonjunktur in Europa hoffen, scheinen sich die dunklen Wolken über PSA festzusetzen. Die Allianz mit der amerikanischen Opel-Mutter General Motors (GM) vom Februar 2012 bleibt hinter den Erwartungen zurück. Die Pläne für eine gemeinsame Plattform für einen Kleinwagen wurden aufgegeben. Auch ihre Kooperation bei kleinen Benzinmotoren verfolgen Amerikaner und Franzosen nicht weiter, wie Opel am 12. Dezember mitteilte.
Stattdessen wollen die beiden Autohersteller nun bei Kleintransportern und Lieferwagen zusammenarbeiten. Eigentlich wollten Peugeot und Opel ihre neuen Minivans Meriva und Citroen C3 im Opel-Werk im spanischen Saragossa bauen. Nun sollen dort nur noch die Nachfolger der Kleintransporter beider Unternehmen hergestellt werden. Durch die Kooperation versprechen sich die beiden Firmen Synergien von etwa 1,2 Milliarden Dollar (870 Millionen Euro) bis 2018, die gleichmäßig aufgeteilt werden sollen. Das sind aber nach Angaben von Peugeot 40 Prozent weniger als zunächst geplant. Dass der chinesische Autobauer Dongfeng und womöglich der französische Staat als Geldgeber einspringen, ist eine der Ungewissheiten, die zusätzlich Unruhe in den PSA-Konzern bringen.

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