Führungskrise bei Volkswagen: VW hält Ergebnis von Krisentreffen geheim

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Führungskrise bei Volkswagen: VW hält Ergebnis von Krisentreffen geheim

, aktualisiert 16. April 2015, 20:09 Uhr

Volkswagen droht eine nervenzehrende Hängepartie: Im Machtkampf tagte das Präsidium des Aufsichtsrates drei Stunden hinter verschlossenen Türen. Das Ergebnis will der Konzern aber vorerst nicht bekannt geben.

VW ist ein Dax-Konzern, aber im Kern mit seinen Mehrheitseignern Porsche und Piëch auch ein Familienunternehmen. Dass es bei denen mal kracht, ist bekannt. Am Donnerstag trat das Präsidium des Aufsichtsrates kurzfristig zusammen, um die entscheidenden Weichenstellungen des Aufsichtsrates vorbereiten.

Nach rund zweieinhalb Stunden ging die Sitzung offenbar zu Ende, nach Informationen verschiedener Medien sind alle Aufsichtsräte wieder auf dem Heimweg. Ein Ergebnis ist noch nicht bekannt – und wird vorerst wohl auch im Dunkeln bleiben. Es werde am Donnerstag keine Mitteilung zu dem Thema mehr geben, sagte ein VW-Sprecher der Nachrichtenagentur Reuters am Abend.

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Wer Winterkorn nachfolgen könnte

  • Herbert Diess

    Zumindest in einem Punkt steht Herbert Diess schon jetzt als Nachfolger von Martin Winterkorn fest: Im Juli soll er das Amt des VW-Markenchefs übernehmen. Winterkorn hat den früheren BMW-Entwicklungsvorstand persönlich für diese Ausgabe ausgewählt – und vom bayrischen Konkurrenten abgeworben. In der Branche gilt Diess als fähiger Manager mit Ambitionen zu Höherem. Bis er ihm Herbst überraschend zu VW wechselte, legte er bei BMW eine steile Karriere hin. Für viele zählte er sogar zum Kreis der möglichen Nachfolger von Konzernchef Norbert Reithofer.

  • Andreas Renschler

    Seit dem Februar 2015 ist Andreas Renschler Chef der Nutzfahrzeugsparte des VW-Konzerns. Er soll aus der gelähmten LKW-Sparte um MAN und Scania endlich eine schlagkräftige Einheit formen. Für den neuen Job und den Posten im VW-Aufsichtsrat hat er seinen Job als Produktionschefs bei Daimler an den Nagel gehängt – zur Überraschung vieler Branchenkenner. Denn dort wurde er sogar als Nachfolger von Dieter Zetsche gehandelt. Wie Herbert Diess wäre Renschler wohl eher ein Interims-Nachfolger für Martin Winterkorn denn langfristige Lösung.

  • Matthias Müller

    Porsche-Chef Matthias Müller lenkt mit dem Sportwagenbauer einen der wichtigsten Gewinnbringer der VW-Gruppe. Schon allein deshalb wird der 61-Jährige als möglicher Nachfolger von Martin Winterkorn gehandelt. Etwaigen Spekulationen hat Müller schon einen Riegel vorgeschoben: „Ich bin kein potenzieller Nachfolger für Herrn Dr. Winterkorn“, erklärte Müller noch Anfang Januar. Er sei zu alt für den Job, sagte er – offenbar in der Annahme, eine Nachfolge-Debatte läge noch in weiter Ferne.

    Für Müller gibt es offenbar trotzdem kaum einen Grund, seine Position bei Porsche aufzugeben. Er fühle sich „pudelwohl hier bei der tollsten Firma der Welt“, sagte er der WirtschaftsWoche im März.

  • Hans Dieter Pötsch

    Als Aufsichtsrat-Mitglied und Finanzchef weiß Hans Dieter Pötsch schon jetzt bestens über alle Entwicklungen im VW-Konzern Bescheid. Seit er 2003 den Posten des Finanzchefs übernommen hat, musste er bereist so manche Mammutaufgabe meistern. Wie die komplizierte Integration von Porsche ins Volkswagen-Reich gelang es ihm meist ziemlich gut. Der Wirtschaftsingenieur hat es deshalb zu einigem Ansehen und Einfluss im Konzern gebracht.

  • Heinz-Jakob Neußer

    VW-Entwicklungsvorstand Heinz-Jakob Neußer wird allenfalls als Nachfolge-Kandidat aus der zweiten Reihe gehandelt. Er verantwortet zwar die Weiterentwicklung der Kernmarke VW, ist aber bislang kein Mitglied des Aufsichtsrats. Allerdings erfüllt er eine wichtige Bedingung, die Ferdinand Piëch für das Spitzenpersonal im VW-Konzern formuliert hat: Der Maschinenbau-Ingenieur verfügt er über viel technisches Know-how.

Ursprünglich hatte ein Teilnehmer damit gerechnet, schon nach 17.00 Uhr wieder zurück in Deutschland zu sein, wobei mit einer Reisezeit von rund einer Stunde kalkuliert wurde - der Flugverkehr aus Niedersachsen lief über Privatjets, die Volkswagen zugeordnet werden können. Doch bereits früh war abzusehen, dass sich dieser Zeitplan nicht halten lässt. Und auch ein weiteres Zeitziel für eine Rückkehr in Richtung 20.30 Uhr wurde bereits gegen 18.00 Uhr einkassiert.

Winterkorn fordert offenbar Vertragsverlängerung

In dem Gremium sitzen neben Ferdinand Piëch (Vorsitz) und Wolfgang Porsche auch Berthold Huber von der IG Metall (stellvertretender Vorsitz), VW-Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh, Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil sowie der Osterloh-Vize Stephan Wolf. Auch Winterkorn nahm dem Vernehmen nach an dem Treffen teil, nach Informationen der „FAZ“ soll er sogar in die Offensive gegangen sein und eine Vertragsverlängerung gefordert haben.

Winterkorn hatte im Vorfeld seine Teilnahme an einem Treffen der Fraktionsspitzen von Union und SPD abgesagt. SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann sagte am Donnerstag in Friedland bei Göttingen, Grund seien Gremiensitzungen bei Volkswagen. Ein Unternehmenssprecher bestätigte die Absage.

Der VW-Aufsichtsratschef und Großaktionär Piëch war am Freitag über das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ mit dem Zitat „Ich bin auf Distanz zu Winterkorn“ von dem bestbezahlten Dax-Manager abgerückt. Fraglich ist nun, wie die Porsches reagieren, die zusammen mit den Piëchs die Mehrheit an Europas größtem Autobauer halten.

Solche Streits öffentlich loszutreten, stößt bei Familienunternehmer Dirk Roßmann auf großes Unverständnis. Er hält die öffentlich vorangetriebene Demontage des Volkswagen-Chefs Martin Winterkorn durch den VW-Patriarchen Piëch für stillos. „Ich sage: Das ist ein No-Go, das geht gar nicht. Solche Probleme müssen intern besprochen werden, das darf nicht nach außen getragen werden“. Piëch habe mit Sicherheit seine Gründe, womöglich Differenzen in der Konzernstrategie.

Was VW 2014 in den USA verkauft hat

  • Beetle

    29.182 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

    Quelle: CAR-Institut der Universität Duisburg-Essen

  • CC

    9.995 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

  • Eos

    3.411 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

  • Golf

    33.675 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

  • Jetta

    160.873 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

  • US-Passat

    96.649 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

  • Routan

    1.103 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

  • Tiguan

    25.121 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

  • Touareg

    6.961 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

„Aber: Das nach außen zu tragen, ist der falsche Weg. Und das, glaube ich, weiß Herr Piëch auch ganz genau“, sagte Roßmann. „Dennoch tut er es.“ Fest steht für Roßmann (68) mit Blick auf den Autobauer: „Solche Streitereien in der Öffentlichkeit tun dem Unternehmen nicht gut.“

Roßmann glaubt nicht, dass die Winterkorn-Personalie einen Bruch der Familienflügel heraufbeschwört. „Die Porsches und Piëchs sind ja sehr nüchterne, rationale und strukturierte Menschen, die genau ihr Ziel haben und ihre Verantwortung kennen. Da habe ich überhaupt keine Sorge.“ Dem NDR-Hörfunk sagte Roßmann noch: „Man kann auch mal kontrovers sein, aber nach außen immer eine Einheit. Diese Spielregel hat VW momentan verlassen. Schade für den Weltkonzern VW.“

Volkswagen liegt als Europas größter Autobauer auf dem Weltmarkt hinter der asiatischen Konkurrenz Toyota. Knapp die Hälfte der VW-Mitarbeiter finden sich in Deutschland, weltweit sind es rund 600.000 Beschäftigte. Der Absatzmarkt China wird für VW, aber auch andere Autobaer, immer wichtiger: hier setzte Volkswagen zuletzt etwa jedes dritte Fahrzeug ab. China ist damit der größte Einzelmarkt für die Wolfsburger.

Der Umsatz von VW lag 2014 bei rund 202,5 Milliarden Euro, der Gewinn nach Steuern lag bei 10,8 Milliarden Euro.

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