Geheimtreffen zur Führungskrise: VW-Präsidium will am Freitag Erklärung abgeben

Geheimtreffen zur Führungskrise: VW-Präsidium will am Freitag Erklärung abgeben

, aktualisiert 17. April 2015, 10:12 Uhr
Bild vergrößern

Martin Winterkorn: Vertragsverlängerung oder Entlassung?

Im VW-Machtkampf will die Führungsspitze erstmals Farbe bekennen und sich am heutigen Freitag zum tagelangen Machtpoker äußern. Zeit und Inhalt der Erklärung nach dem Geheimtreffen des Präsidiums sind aber unklar.

Zum ersten Mal in dem seit knapp einer Woche schwelenden Machtkampf an der VW-Spitze will die Führung von Europas größtem Autobauer am Freitag eine Erklärung abgeben. Mit Spannung warten Branchenbeobachter, Aktionäre und die Beschäftigten auf eine offizielle Äußerung des Konzerns, nachdem tags zuvor der engste Kreis des Volkswagen-Aufsichtsrats bei einer Sondersitzung in Salzburg zusammengekommen war.

Die Bekanntgabe der Ergebnisse zieht sich einem Insider zufolge noch hin. Die geplante Mitteilung müsse erst zwischen allen Beteiligten abgestimmt und dann für die weltweite Veröffentlichung übersetzt werden, sagte eine mit den Vorgängen vertraute der Person am Freitag.

Anzeige

Vorstandschef Martin Winterkorn steht unter Druck, seitdem sein langjähriger Mentor und Chefaufseher Ferdinand Piëch Ende vergangener Woche überraschend von ihm abgerückt war. Ob die Erklärung dem Konzern einen Ausweg aus der Führungskrise ebnet, war zunächst ebenso unklar wie der genaue Zeitpunkt der Information.

Piëch und seine Figuren

  • Ferdinand Piëch

    Auf dem Weg des Ferdinand Piëch vom Audi-Manager auf den Aufsichtsratschefsessel des größten Autokonzerns Europas, blieb so mancher Top-Manager auf der Strecke. Die wichtigsten Stationen zusammengefasst.

  • 1988: Beerbt

    Nach fünf Jahren als Vize übernimmt Piëch bei Audi den Chefsessel von Wolfgang Habbel und baut die Marke mit den vier Ringen zur Premiummarke um. In die Ära des Vollblutingenieurs fällt die Entwicklung des Super-Diesels TDI sowie des Allradantriebs Quattro.

  • 1993: Abgeworben

    Als neuer VW-Chef wirbt Piëch den Einkaufschef José Ignacio López vom Konkurrenten General Motors (GM) ab, der die Preise der Zulieferer drücken soll. Wegen des Verdachts, GM-Betriebsgeheimnisse an VW verraten zu haben, muss Piëch 1996 López fallen lassen.

  • 1994: Vorgeschickt

    Piëch heuert das IG-Metall- und SPD-Mitglied Peter Hartz als VW-Personalchef an. Der führt die Vier-Tage-Woche ein und spart so 500 Millionen Euro Lohnkosten. Nachdem auffliegt, dass VW unter ihm Luxusreisen und Bordellbesuche für Betriebsräte finanzierte, muss Hartz gehen.

  • 2006: Ausradiert

    Als Piëch 2002 VW-Aufsichtsratschef wird, installiert er Ex-BMW-Chef Bernd Pischetsrieder als VW-Lenker. Der agiert eigenständig, macht Piëch-Ideen rückgängig. Fünf Jahre später schweigt Piëch demonstrativ, als er gefragt wird, ob Pischetsrieder im Amt bleibt. Kurz darauf holt er Winterkorn.

  • 2008: Verbrannt

    Jahrelang versuchte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking unter der Aufsicht von Piëch VW zu übernehmen. Als dies scheitert, sagt Piëch auf die Frage von Journalisten, ob Wiedeking sein Vertrauen genieße: „Zurzeit noch. Das ,Noch‘ können Sie streichen.“ Wiedeking muss gehen.

Nach dem Treffen des Aufsichtsrats-Präsidiums in Österreich zeichnete sich zunächst keine schnelle Lösung in dem Machtpoker ab. Das sechsköpfige Präsidium stellt den Kern des 20-köpfigen Kontrollgremiums. Bei dem Sondertreffen in Salzburg war am Donnerstag auch Winterkorn mit von der Partie. Am Abend saß er dann mit Betriebsratschef Bernd Osterloh auf der Tribüne beim Europa-League-Spiel des VfL Wolfsburg gegen den SSC Neapel.

Winterkorn forderte offenbar Vertragsverlängerung

Im „Spiegel“ war Piëch „auf Distanz zu Winterkorn“ gegangen und hatte ihm damit das Vertrauen entzogen. Nach dieser öffentlichen Attacke ging es nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur bei dem Treffen im Salzburg um Winterkorns berufliche Zukunft bei VW.

Winterkorn will laut „Frankfurter Allgemeiner Zeitung“ um eine Verlängerung seines 2016 auslaufenden Vertrags kämpfen. Auch nach dpa-Informationen waren strategische Fragen rund um den Kurs des Vorstands zumindest ein wesentlicher Bestandteil des Sondertreffens. Das Bundesland Salzburg ist nicht nur die Heimat von Piëch, auch der Familiensitz der Porsches befindet sich dort. Beide Familienzweige halten zusammen die Macht bei Europas größtem Autobauer.

Das Aufsichtsrats-Präsidium bereitet entscheidende Weichenstellungen des Kontrollgremiums vor. Das Sextett bilden: Ferdinand Piëch (Vorsitz), Berthold Huber von der IG Metall (Vize-Vorsitz), VW-Konzernbetriebsratschef Osterloh, der Sprecher des Porsche-Familienzweigs, Wolfgang Porsche, Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und Osterloh-Vize Stephan Wolf.

Winterkorn galt als gesetzter Nachfolger – bis vor einer Woche

Winterkorn galt bis zu der Piëch-Kritik als gesetzter Nachfolger des VW-Patriarchen als Chefkontrolleur. Neben der Distanz-Ansage zitierte der „Spiegel“ Piëch auch mit den Worten: „Ich strebe an, dass an die Spitze des Aufsichtsrats und des Vorstands die Richtigen kommen.“

Damit schien nicht nur ein Wechsel an die Spitze des Kontrollgremiums unmöglich, sondern auch Winterkorns weiterer Verbleib im Vorstand zumindest fraglich. Während sein Vorstandsvertrag Ende 2016 ausläuft, ist Piëch bis zum Frühjahr 2017 als Aufsichtsratschef gewählt.

Was VW 2014 in den USA verkauft hat

  • Beetle

    29.182 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

    Quelle: CAR-Institut der Universität Duisburg-Essen

  • CC

    9.995 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

  • Eos

    3.411 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

  • Golf

    33.675 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

  • Jetta

    160.873 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

  • US-Passat

    96.649 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

  • Routan

    1.103 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

  • Tiguan

    25.121 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

  • Touareg

    6.961 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

Mit der Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat und den zwei Vertretern des VW-Großaktionärs Niedersachsen auf der Kapitalseite hatte sich eine Allianz zu Winterkorn bekannt. Insider sagten aber übereinstimmend, dass eine offene Frontenbildung gegen Piëch unwahrscheinlich ist.

Der Sprecher des Porsche-Familienzweigs, Wolfgang Porsche, hatte Piëchs Äußerungen als „Privatmeinung“ bezeichnet. Einen Treueschwur für Winterkorn sprach Wolfgang Porsche aber nicht aus.

Weitere Artikel

Der Fußball-Bundesligist VfL Wolfsburg befürchtet für den Fall eines Führungswechsels an der Spitze des Mutterkonzerns keine negativen Folgen. „Das, was man sagen kann, ist, dass das Engagement von VW beim VfL personenunabhängig ist“, sagte Sportchef Klaus Allofs nach der 1:4-Niederlage in der Europa League gegen den SSC Neapel am Donnerstagabend. Zum aktuellen Machtkampf bei VW wollte sich Allofs nicht äußern: „Sie werden verstehen, dass ich das nicht kommentiere.“

Unter Winterkorn war die finanzielle Unterstützung des Vereins durch VW weiter gestiegen. Derzeit erhält der VfL als hundertprozentige Konzerntochter jährlich eine hohe zweistellige Millionensumme.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%