
Von „Tabubruch“ ist heute die Rede, weil Daimler womöglich kleinere Autos zusammen mit Renault-Nissan produzieren will. Wenn es einen Tabubruch gegeben hat, dann nicht durch die neuen Pläne, sondern durch eine Kooperation, die die beiden Autobauer bereits im April 2010 vereinbarten und mit einer gegenseitigen Kapitalverflechtung besiegelten. Es wäre eher ein „Vertragsbruch“, wollte einer der Partner nun nicht über die gemeinsame Produktion einzelner Modelle nachdenken.
Die Kooperationsvereinbarung sieht vor, dass die Kleinwagen Smart und Renault Twingo ab 2013 auf gemeinsamen Plattformen gebaut werden. Die Viersitzer-Version des Smart wird im slowenischen Renault-Werk Novo Mesto gefertigt. Außerdem müssen die stolzen Daimler-Ingenieure künftig Drei- und Vierzylinder-Motoren aus dem Hause Renault in ihren Autos verbauen. Im Gegenzug müssen sie größere Daimler-Motoren für die Nissan-Nobelmarke Infiniti herausrücken. Und das, obwohl Infiniti in den USA ein wichtiger Mercedes-Konkurrent ist und verstärkt auf den europäischen Markt drängt.
Bild: PressebildAngriff auf dem Markt der Kompakten: Der Autobauer Daimler hat am Montag seine neue A-Klasse vom Band rollen lassen und trotz des schwachen Markts in Europa ein neues Rekordjahr in Aussicht gestellt. „Für das Gesamtjahr gehen wir davon aus, den Absatzrekord des letzten Jahres nochmals übertreffen zu können“, sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche in Rastatt.
Bild: dapdTrotz eines rückläufigen Gesamtmarktes habe Daimler weitere Marktanteile gewonnen. Hoffnungsträger für das laufende Jahr ist auch die neue Generation des kleinsten Mercedes. Seit dem Verkaufsstart Mitte Juni habe es mehr als 40.000 Bestellungen für den neuen Kompakten gegeben, der vor allem jüngere Käufer ansprechen soll.
Bild: dpaDaimler bläst damit zum Angriff auf Audi und BMW, an deren Absatz die Stuttgarter bis 2020 vorbeiziehen möchten. 2011 lag Mercedes hier hinter der Konkurrenz. Zetsche betonte: „Wir sind zuversichtlich, dass wir spätestens 2020 vorne liegen werden.“
Bild: PressebildDie neue A-Klasse gehört zusammen mit der im vergangenen Herbst vorgestellten B-Klasse zur Kompaktwagen-Offensive von Daimler und soll noch mindestens drei Ableger bekommen. Ende nächsten Jahres soll in Rastatt ein kompakter Offroader als nächstes A-Klasse-Modell vom Band rollen. „Jeder dritte Käufer der neuen B-Klasse ist vorher ein anderes Fahrzeug gefahren“, sagte Zetsche. Bei der A-Klasse ziele Daimler „auf Eroberungsraten von bis zu 50 Prozent“.
Bild: PressebildFachleute schätzen die Erfolgsaussichten des neuen Kompakten hoch ein. „Die Chancen stehen gut“, sagte Autoexperte Willi Diez, Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft an der Hochschule Nürtingen-Geislingen, der Nachrichtenagentur dpa. „Allgemein geht ja die Nachfrage stärker in Richtung kompaktere Fahrzeuge.“ Er halte die A-Klasse für die wichtigste Produktneuerung von Mercedes in den vergangenen 10 bis 15 Jahren.
Bild: dpaFür ihre Kompaktwagen-Offensive wollen die Schwaben künftig weiter viel Geld in die Hand nehmen: Insgesamt investiert Daimler allein in Rastatt 1,2 Milliarden Euro. 600 Millionen sind bereits geflossen, die andere Hälfte soll in diesem und im kommenden Jahr folgen.
Angriff auf dem Markt der Kompakten: Der Autobauer Daimler hat am Montag seine neue A-Klasse vom Band rollen lassen und trotz des schwachen Markts in Europa ein neues Rekordjahr in Aussicht gestellt. „Für das Gesamtjahr gehen wir davon aus, den Absatzrekord des letzten Jahres nochmals übertreffen zu können“, sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche in Rastatt.
Das erste in Blech gepresste Ergebnis der deutsch-französischen Zusammenarbeit darf im September beim Pariser Autosalon bestaunt werden. Daimler zeigt dort den Mercedes Citan – ein Stadtlieferwagen, bei dem sich die Stuttgarter Designer noch nicht mal die Mühe gemacht haben, die Renault-Verwandtschaft zu vertuschen. Das Auto hat einen Stern auf dem Kühlergrill, ist ansonsten aber ein Renault Kangoo. Gebaut wird der Citan zusammen mit dem Kangoo in einer Renault-Fabrik im nordfranzösischen Maubeuge.
Mercedes-Fans mögen solche anrüchigen Deals verunsichern, doch sie sind unumgänglich, will Daimler auf Dauer bestehen. Der schwäbische Stern mag noch so hell strahlen – allein kann er im kalten Auto-Universum sicherlich nicht überleben. Bei Verhandlungen mit den Zulieferern, von denen viele sogar noch profitabler arbeiten als Daimler, BMW oder Audi, geht Nachfragevolumen und Marktmacht über alles. Auch bei Forschung und Entwicklung hängt alles an den Stückzahlen. Technische Meisterleistungen haben nur eine Chance, wenn die Kosten von Millionen Kunden geschultert werden.
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