Generationswechsel 2020: Daimler behält Zetsche - vorerst

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Generationswechsel 2020: Daimler behält Zetsche - vorerst

Bei Volkswagen ist es noch ein Rätsel, bei BMW ging es schnell - bei Daimler wird der Generationswechsel an der Konzernspitze nun langsam vorbereitet.

Knapp ein Jahr vor der Entscheidung über die nächste Amtszeit des Vorstandsvorsitzenden hat Aufsichtsratschef Manfred Bischoff ein Machtwort gesprochen. Daimler-Chef Dieter Zetsche soll den Premiumauto- und Lkw-Hersteller ab 2017 drei weitere Jahre führen, kündigte er am Mittwoch auf der Hauptversammlung in Berlin an. In der Pole-Position für die Nachfolge des dann 66-Jährigen sehen viele zurzeit das mit 45 Jahren jüngste Vorstandsmitglied, den Schweden Ola Källenius. "Das Szenario ist klar", heißt es in Unternehmenskreisen. "Zetsche verlängert - und dann steht einer bereit, dem man es zutraut, der aber noch zu jung ist."

In der deutschen Autoindustrie sorgt der Generationswechsel bei den Konzernlenkern für Gesprächsstoff: VW-Chef Martin Winterkorn hatte im vergangenen Jahr angedeutet, dass er nach dem Ende seines Vertrages 2016 mit dann 69 Jahren die Führung abgeben will. Einen klaren Favoriten gibt es für die Nachfolge nicht. BMW überraschte im Dezember mit der Entscheidung, dass Norbert Reithofer (58) den Vorstandsvorsitz vorzeitig im Mai an den 49-jährigen Produktionschef Harald Krüger übergibt. Kurz darauf gab Daimler mit der Berufung von Vertriebschef Källenius in den Vorstand ein Signal - denn einer der mutmaßlichen Kronprinzen verbesserte damit klar seine Position.

So entwickelte sich Mercedes-Benz 2014

  • USA

    Größter Absatzmarkt waren erneut die USA mit 330.391 verkauften Autos (plus 5,7 Prozent). Wegen der hohen Nachfrage nach SUV hat Daimler den Ausbau seines Werks in Tuscaloosa angekündigt.

  • China

    Erstmals vor Deutschland, war China 2014 für Daimler der zweitwichtigste Markt weltweit mit insgesamt 281.588 Autos - ein Plus von 29,1 Prozent.

  • Europa und Deutschland

    In Europa steigerte Mercedes den Absatz 2014 um 9,4 Prozent auf 723.000 Fahrzeuge - und liegt damit deutlich über dem allgemeinen Marktwachstum. In Deutschland setzten die Schwaben 261.000 Modelle ab - ein Plus von 2,3 Prozent.

  • Smart

    Die Kleinwagen verkauften sich 2014 dem Modelwechsel geschuldet schlechter. Der Absatz brach um 10,9 Prozent auf 89.844 Fahrzeuge ein. Der neue Fortwo und der Forfour sollen in diesem Jahr den Absatz deutlich steigern.

Zetsche hat dem Konzern mit seinen rund 280.000 Mitarbeitern ein ehrgeiziges Wachstumsziel für 2020 verordnet: Bis dahin will Daimler den vor zehn Jahren verlorenen Thron des größten und profitabelsten Premiumautobauer der Welt von BMW zurückerobern. Auf dem Weg dorthin hat der Mann mit dem markanten Schnauzbart Erfolge vorzuweisen: Der Absatz stieg mit zwölf Prozent 2014 schneller als bei den Rivalen BMW und der Volkswagen-Tochter Audi, sodass sich der Rückstand auf sie verringerte. Die operative Rendite blieb mit acht Prozent vom Umsatz noch anderthalb Prozentpunkte hinter dem Niveau der anderen zurück. Der Konzern steht gut da und kann Milliarden in die Techniktrends zum automatisierten, vernetzten und emissionsärmeren Fahren stecken. Das Verhältnis zu den Arbeitnehmern im Aufsichtsrat, die vor zwei Jahren einen neuen Vertrag mit Zetsche wegen Krach über Sparprogramme verhindern wollten, hat der Daimler-Chef verbessert. An seinem Willen weiterzumachen gebe es keinen Zweifel, sagte ein Unternehmenskenner. "Er will das Ziel, das er vorgegeben hat für 2020, erreichen - denn als Elektrotechniker will er eine Maschine schaffen, die läuft."

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Neuzulassungen in Deutschland 2014

  • Minis

    Neuzulassungen: 227.835 Fahrzeuge

    Anteil der Neuzulassungen: 7,5 Prozent

    Quelle: Kraftfahrt-Bundesamt KBA

  • Kleinwagen

    Neuzulassungen: 457.633 Fahrzeuge

    Anteil der Neuzulassungen: 15,1 Prozent

  • Kompaktklasse

    Neuzulassungen: 801.441 Fahrzeuge

    Anteil der Neuzulassungen: 26,4 Prozent

  • Mittelklasse

    Neuzulassungen: 380.263 Fahrzeuge

    Anteil der Neuzulassungen: 12,5 Prozent

  • Obere Mittelklasse

    Neuzulassungen: 121.998 Fahrzeuge

    Anteil der Neuzulassungen: 4,0 Prozent

  • Oberklasse

    Neuzulassungen: 29.861 Fahrzeuge

    Anteil der Neuzulassungen: 1,0 Prozent

  • SUV

    Neuzulassungen: 296.714 Fahrzeuge

    Anteil der Neuzulassungen: 9,8 Prozent

  • Geländewagen

    Neuzulassungen: 232.230 Fahrzeuge

    Anteil der Neuzulassungen: 7,8 Prozent

  • Sportwagen

    Neuzulassungen: 36.888 Fahrzeuge

    Anteil der Neuzulassungen: 1,2 Prozent

  • Vans

    Neuzulassungen: 291.599 Fahrzeuge

    Anteil der Neuzulassungen: 9,6 Prozent

  • Utilities

    Neuzulassungen: 123.296 Fahrzeuge

    Anteil der Neuzulassungen: 4,1 Prozent

  • Wohnmobile

    Neuzulassungen: 25.746 Fahrzeuge

    Anteil der Neuzulassungen: 0,8 Prozent

Als ideal für den Wechsel von Firmenlenkern gilt das Alter um die 50 Jahre - ein neuer Vorstandsvorsitzender hat dann noch mindestens zwei Mal fünf Jahre Zeit, einem Unternehmen seinen Stempel aufzudrücken. "Wir würden es begrüßen, wenn ein neuer Vorstandschef Daimler wiederum für eine ganze Dekade prägen könnte", erklärte etwa Ingo Speich, Portfoliomanager bei der an Daimler beteiligten Fondsgesellschaft Union Investment.

Für die Daimler-Vorstände Wolfgang Bernhard, Bodo Uebber, Hubertus Troska und Wilfried Porth, alle Mitte 50, wird das Alter durch Zetsches Verlängerung ein Minuspunkt, sollten sie den Vorstandsvorsitz anstreben. Der frühere Daimler- und jetzige VW-Nutzfahrzeug-Manager Andreas Renschler hatte das bei seinem Weggang aus Stuttgart Anfang 2014 offen ausgesprochen. Deshalb richteten sich die Blicke auf die jüngere Riege der Top-Manager, die Daimler im vergangenen Jahr zu Bereichsvorständen machte - neben Källenius noch Produktionschef Markus Schäfer und Einkaufsmanager Klaus Zehender.

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Der Schwede Källenius hat bei Mercedes eine Bilderbuchkarriere hingelegt: Mit 24 Jahren in der Internationalen Nachwuchsgruppe eingestiegen, verantwortete er Entwicklung und Produktion von Formel-1-Motoren, leitete das US-Pkw-Werk Tuscaloosa und sorgte von 2010 bis 2013 für zweistelligen Absatzzuwachs bei der Veredelungstochter Mercedes-AMG. Källenius sei ein begabter Verkäufer und Menschenfänger, könne zugleich aber seine Ziele hartnäckig durchsetzen, erklärte ein Insider: "Ola hat keine Feinde, der nimmt die Leute in den Arm." Sein einziger Makel: In Stockholm und St. Gallen hat er Internationales Management sowie Finanz- und Rechnungswesen studiert - er ist also kein Ingenieur. Den Ritterschlag vom Chef erhielt er 2013 beim Aufstieg zum Mercedes-Benz-Vertriebschef trotzdem. Kallänius sei "ein echter Car-Guy", erklärte Zetsche damals.

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