Gerüchte zum Kaufpreis: Einigung über Opel-Übernahme steht bevor

Gerüchte zum Kaufpreis: Einigung über Opel-Übernahme steht bevor

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Mit dem Kauf von Opel will PSA zur Nummer Zwei in der europäischen Autobranche aufsteigen. Die Verhandlungen mit der Opel-Mutter GM sind offenbar weit fortgeschritten. Am Montag treten die Konzerne vor die Presse.


Der französische Autokonzern PSA macht bei der geplanten Übernahme des traditionsreichen Herstellers Opel Tempo. Es wird erwartet, dass die Franzosen und der Opel-Mutterkonzern General Motors an diesem Montag eine Absichtserklärung mit Eckpunkten über den Opel-Verkauf verkünden.

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Beide Seiten hatten am Wochenende eine Pressekonferenz für Montagvormittag in Paris angekündigt. PSA mit seinen bisherigen Marken Peugeot und Citroën will mit Opel zu einem „europäischen Auto-Champion“ und damit zur Nummer Zwei hinter Volkswagen aufsteigen.

Nach einem Bericht der französischen Wirtschaftszeitung „Les Echos“ soll der Kaufpreis für Opel zwischen 1,6 und 1,8 Milliarden Euro liegen. Ziel sei es, den Deal bis Ende des Jahres abzuschließen. Zwei zentrale Fragen seien in den Verhandlungen bereits gelöst worden: Milliardenschwere Pensionsverpflichtungen verbleiben dem Bericht zufolge zu großen Teilen bei General Motors. Auch bei Modell-Lizenzen habe es eine Einigung gegeben. So dürfe PSA das Elektroauto Opel Ampera, das technologisch auf dem Chevrolet Bolt von GM basiert, weiterhin verkaufen. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür bislang nicht.

Peugeot soll Einigung erzielt haben Opel-Betriebsversammlung auf Montag vertagt

Beim geplanten Opel-Verkauf steigt die Spannung: Am Montag könnte die Einigung zwischen PSA und General Motors endgültig besiegelt werden. Die für Freitag in Rüsselsheim angesetzte Opel-Betriebsversammlung wurde vertagt.

Die Logos von Opel and Peugeot. Quelle: REUTERS

Die Pressekonferenz ist für 9.15 Uhr in der Pariser PSA-Zentrale angesetzt. PSA und General Motors (GM) könnten ein sogenanntes Memorandum of Understanding unterzeichnen, eine Absichtserklärung über einen Verkauf von Opel an den französischen Konzern.

Angst vor Jobabbau

Mitte Februar hatten die Konzerne Gespräche über einen möglichen Verkauf des GM-Europageschäfts mit den Töchtern Opel und Vauxhall bestätigt. PSA-Chef Carlos Tavares hatte zugesagt, Opel als deutsches Unternehmen zu erhalten. Er hatte aber zugleich angekündigt, Opel müsse sich im Fall einer Übernahme durch PSA weitgehend aus eigener Kraft sanieren. Opel schreibt seit Jahren rote Zahlen.

Hintergründe zur PSA Group

  • Absatz

    Der vom Staat gestützte französische Autobauer PSA Peugeot Citroën hat im vergangenen Jahr weltweit über 3,1 Millionen Fahrzeuge abgesetzt. Der französische VW-Konkurrent mit den Marken „Peugeot“, „Citroën“ und „DS“ sieht sich in Europa schon länger als Branchenzweiter.

  • Sanierung

    Konzernchef Carlos Tavares fuhr in den vergangenen Jahren einen harten Sanierungskurs unter anderem mit Werkschließungen und Jobabbau. Um das vor drei Jahren stark angeschlagene Unternehmen zu retten, schoss unter anderem der französische Staat Geld zu und hielt zuletzt rund 14 Prozent der Anteile.

  • Chinesischer Investor

    Auch der staatlich kontrollierte chinesische Hersteller Dongfeng stieg 2014 bei dem Traditionsunternehmen mit 14 Prozent ein. Der Einfluss der Peugeot-Familie sank im Zuge der Sanierung hingegen beträchtlich.

  • Umsatz

    Der Umsatz betrug im vorvergangenen Jahr 54,7 Milliarden Euro; neuere Jahreszahlen liegen nicht vor. Der Konzern beschäftigte 184.000 Mitarbeiter.

  • Diesel-Untersuchung

    Unlängst schaltete die französische Antibetrugsbehörde nach Untersuchungen zu Diesel-Abgasen bei PSA die Justiz ein. Ein entsprechendes Dossier ging an die Staatsanwaltschaft. Es liegt nun an der Justiz, über eventuelle Folgen zu entscheiden. Der Konzern betonte, er habe seine Fahrzeuge niemals mit Betrugs-Software ausgestattet.

Im Falle einer Opel-Übernahme durch PSA wird mittelfristig ein Jobabbau befürchtet. Die rund 19 000 deutschen Opel-Beschäftigten sind noch bis Ende 2018 vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt. Zudem hat sich die Noch-Mutter General Motors bis ins Jahr 2020 tarifvertraglich zu Investitionen und Produktion in den drei deutschen Opel-Werken Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach verpflichtet.

Auch am Opel-Stammsitz Rüsselsheim erhoffen sich die Beschäftigten an diesem Montag Klarheit über den geplanten Verkauf. Weil es am Freitag zunächst keine Neuigkeiten zu den Verhandlungen gab, wurde eine Betriebsversammlung kurzfristig auf den Montag vertagt. Opel hat derzeit gut 38 000 Mitarbeiter in sieben europäischen Ländern.

Die Opel-Produktionsstandorte in Europa

  • Rüsselsheim

    Am Opel-Hauptstandort arbeiten 15.040 Beschäftigte, davon gut die Hälfte im Entwicklungszentrum. Die Produktion hat rund 4000 Arbeitnehmer. Sie bauen den Mittelklassewagen Insignia in mehreren Varianten, den Zafira sowie Getriebe und Komponenten.

    Quelle: rtr

  • Kaiserslautern

    Der Standort in Rheinland-Pfalz hat 2140 Beschäftigte. Sie produzieren Motoren und Fahrwerkskomponenten.

  • Eisenach

    In Thüringen laufen die Kleinwagen Corsa und Adam vom Band. Im Werk Eisenach arbeiten 1850 Menschen.

  • Polen

    Im polnischen Gliwice sind knapp 3270 Mitarbeiter beschäftigt. Sie bauen den Kompaktwagen Astra und das Cabrio Cascada und den Sportwagen Opel GTC. In Tychy stellen 410 Beschäftigte Motoren her.

  • Spanien

    In Figueruelas bei Saragossa laufen Corsa, der SUV Mokka und bald auch der Stadt-SUV Crossland X vom Band. Der Standort hat 5080 Arbeitsplätze.

  • Großbritannien

    Im Werk Ellesmere Port arbeiten 1830 Beschäftigte. Hier werden ebenfalls Astra-Modelle produziert.
    Der Standort Luton nördlich von London hat 1530 Arbeitnehmer und baut den Kleintransporter Vivaro.

  • Österreich

    Im Werk Aspern nahe Wien arbeiten 1390 Menschen. Dort werden Motoren und Getriebe hergestellt.

  • Ungarn

    Motoren und Komponenten produziert auch die Fabrik in Szentgotthard mit 1210 Arbeitnehmern.

  • Italien

    In Turin gibt es noch ein Zentrum zur Entwicklung von Dieselmotoren mit 700 Mitarbeitern.

Laut „Les Echos“ hatte der Aufsichtsrat des PSA-Konzerns am Freitag grundsätzlich grünes Licht für das Geschäft gegeben. PSA äußerte sich dazu nicht. Der Konzern war in den vergangenen Jahren mit einem harten Sanierungskurs und Stellenabbau in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt.

Die Opel-Beschäftigten sollten die mögliche Übernahme durch PSA trotz aller Unsicherheiten als große Chance begreifen, sagte der Branchenexperte Stefan Bratzel vom Auto-Forschungsinstitut CAM. Im Prinzip habe das Unternehmen auch keine andere Wahl. „Opel muss das als Chance sehen. Denn es ist klar, dass General Motors weg von Opel will“, sagte Bratzel der Deutschen Presse-Agentur.

Opel ist bereits seit 1929 Bestandteil des US-Konzerns und bildet mit der britischen Schwestermarke Vauxhall dessen Europasparte, die im vergangenen Jahr 1,16 Millionen Autos verkauft hat. Zuletzt hatte es 2009 nach Scheidung ausgesehen, als GM in der Finanz- und Wirtschaftskrise selbst ins Schlingern geraten war und schließlich von der US-Regierung mit Milliarden-Spritzen gerettet werden musste. PSA und Opel arbeiten bei einigen Fahrzeugmodellen bereits zusammen.

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