Halbjahresbilanz: Volkswagen verdient weniger

Halbjahresbilanz: Volkswagen verdient weniger

Europas größter Autobauer spürt den Gegenwind: Im ersten Halbjahr hat der Volkswagen-Konzern weniger verdient. Besonders bei der Kernmarke sind die Einbußen groß.

Für den Wolfsburger Volkswagen-Konzern wird seine Hauptmarke VW zum Sorgenkind. Weil der Betriebsgewinn von VW um ein Drittel sank und die beiden Ertragsstützen Audi und Porsche dies nicht ganz wettmachen konnten, kam Europas größter Autobauer im ersten Halbjahr nur schwer voran. Im zweiten Quartal sank der Betriebsgewinn um drei Prozent auf 3,3 Milliarden Euro, wie VW am Donnerstag mitteilte. Mit soviel hatten auch Analysten gerechnet.

Der Umsatz ging um gut zwei Prozent auf 50,1 Milliarden Euro zurück. Bei Anlegern kam vor allem gut an, dass Volkswagen seine Geschäftsziele trotz der Unsicherheiten durch die Ukraine-Krise und Währungsturbulenzen in Schwellenländern beibehielt. Die im Dax notierte Vorzugsaktie legte in einem schwachen Umfeld 1,8 Prozent zu.

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„Trotz Gegenwinds haben wir im ersten Halbjahr eine gute finanzielle Performance gezeigt“, sagte VW-Vorstandschef Martin Winterkorn. „Angesichts des weiterhin hohen Wettbewerbsdrucks, der angespannten Situation in einigen Schwellenländern sowie des fundamentalen technologischen und wirtschaftlichen Umbruchs in unserer Branche arbeiten wir intensiv daran, jetzt alle Voraussetzungen für den Erfolg von morgen zu schaffen. Ich bin zuversichtlich, dass wir unseren Weg unbeirrt fortsetzen werden.“

Wie die VW-Sparten 2013 abgeschnitten haben

  • Volkswagen Pkw

    Die Kernmarke des Volkswagen-Konzerns litt im Jahr 2013 unter der Absatzschwäche. Mit 4,7 Millionen verkauften Fahrzeugen schrumpfte der Absatz um 2,2 Prozent. Der Umsatz ging sogar um 4,4 Prozent zurück. Immerhin erwirtschaftet die Kernmarke noch ein operatives Ergebnis von 2,9 Milliarden Euro.

  • Audi

    Die Premiumtochter aus Ingolstadt konnte die Verkäufe steigern. Mit 1,35 Millionen verkauften Fahrzeugen steht unterm Strich ein Plus von 3,85 Prozent. Auch der Umsatz legte leicht auf 49,88 Milliarden Euro zu. Unterm Strich steht trotzdem ein deutlicher Rückgang beim Profit um rund 6,3 Prozent auf 5,03 Milliarden Euro.

  • Seat

    Das spanische Sorgenkind kommt bei den Verkaufszahlen wieder auf die Beine. 459.000 Fahrzeuge verkauften die Spanier im Jahr 2013 - ein Plus von rund sieben Prozent. Auch der Umsatz legt um rund sechs Prozent auf 6,87 Milliarden Euro zu. Unterm Strich steht aber immer noch ein Verlust von 152 Millionen Euro, der immerhin um vier Millionen Euro reduziert wurde.

  • Skoda

    Mit günstiger VW-Technik konnte die tschechische Tochter in den vergangenen Jahren die Kunden locken. Im Jahr 2013 lief es schlechter. Mit 719.000 verkauften Fahrzeugen ging der Absatz um 1,2 Prozent zurück. Der Umsatz fiel ebenfalls leicht schlechter aus und beträgt nun 10,32 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis hat das deutliche Spuren hinterlassen. Der Gewinn beträgt 522 Millionen Euro und damit satte 26,7 Prozent weniger.

  • Porsche

    Die Profitmaschine aus Zuffenhausen treibt erstmals das operative Ergebnis des VW-Konzerns an. Seit der Integration im August 2012 hat der Sportwagenbauer einen Profit von 1,46 Milliarden Euro erwirtschaftet. Der Umsatz beträgt nun 7,03 Milliarden Euro. Der Absatz von Porsche wurde auf 78.000 Fahrzeuge taxiert.

  • Bentley

    Bald soll die Luxus-Autoschmiede einen Nobel-SUV an den Start bringen. 2013 legt der Absatz um 21 Prozent auf 11.000 verkaufte Fahrzeuge zu. Auch beim Umsatz steht bei 1,68 Milliarden Euro ein Plus von 15,5 Prozent. Der Gewinn der britischen Nobeltochter legt um satte 68 Prozent auf 168 Millionen Euro zu.

  • Lamborghini und Bugatti

    Die Ergebnisse der beiden Ultraluxus-Sparten werden im Volkswagen-Halbjahresbericht nicht gesondert ausgewiesen. Der Absatz kann bei Lamborghini um 5,1 Prozent auf 1166 verkaufte Fahrzeuge zulegen. Die französischen Ultrasportwagen von Bugatti wurden im ersten Halbjahr ganze 16 Mal verkauft.

  • VW Nutzfahrzeuge

    Die Nutzfahrzeugsparte des Konzerns schwächelt weiter. Der Absatz stagniert bei 436.000 verkauften Fahrzeugen. Der Umsatz schrumpft ebenfalls leicht auf 9,37 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legt dagegen um 6,4 Prozent zu auf 448 Millionen Euro.

  • MAN

    Mit einem Beherrschungsvertrag sitzt VW längst auch bei den Münchnern am Steuer. Der Absatz des Lkw-Bauers legt im Gesamtjahr 2013 leicht auf 140.000 verkaufte Fahrzeuge zu. Der Umsatz sinkt dagegen leicht auf 15,86 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis steht unterm Strich ein Gewinn von 319 Millionen Euro - ein Rückgang um satte 61 Prozent.

  • Scania

    Die schweren Schweden verkaufen wieder mehr. Mit 80.000 verkauften Lkw steigt der Absatz um 19,4 Prozent, auch der Umsatz legt um 11,2 Prozent auf 10,36 Milliarden Euro zu. Mit 974 Millionen Euro ist das operative Ergebnis rund 4,7 Prozent besser als im Vorjahr.

  • VW Finanzdienstleistungen

    Mit einem Umsatzplus von 10,8 Prozent leistet die Finanztochter des VW-Konzerns mittlerweile einen ordentlichen Beitrag zum Konzernergebnis. Das operative Ergebnis legt im Jahr 2013 um 17,5 Prozent auf 1,86 Milliarden Euro zu.

Was dem Konzernlenker nicht gefallen dürfte: Die Kernmarke VW schnitt besonders schwach ab. Während Audi und Porsche zulegen konnten, sackte der Betriebsgewinn der Hauptmarke in der ersten Jahreshälfte um ein Drittel auf eine Milliarde Euro ab. Winterkorn hat ein Sparprogramm angekündigt, um die Kosten von VW um fünf Milliarden Euro im Jahr zu senken. Dadurch soll die operative Rendite der Marke Volkswagen bis 2018 auf mindestens sechs Prozent gehievt werden. Im ersten Halbjahr ging sie auf 2,1 Prozent zurück.

Nicht nur die Premiummarken des Konzerns konnten beim operativen Ergebnis und der Rendite zulegen, auch Skoda verbesserte sein Ergebnis von 243 Millionen Euro im Vorjahr auf 425 Millionen Euro deutlich steigern. Einzig die seit Jahren kriselnde spanische Tochter Seat schreibt weiterhin rote Zahlen, auch wenn sich das Minus von 40 auf 37 Millionen Euro verringerte.

Toyota nur noch hauchdünn vorne

Der Volkswagen-Konzern mit seinen zwölf Marken zahlt derzeit den Preis für das rasante Wachstum der vergangenen Jahre. Dem Ziel, Toyota in den nächsten Jahren vom Thron als Weltmarktführer zu stoßen, wurde bis vor Kurzem vieles untergeordnet. Seit Winterkorn Anfang 2007 das Steuer in Wolfsburg übernahm, ist der Konzernabsatz um mehr als die Hälfte auf 9,7 Millionen Fahrzeuge gestiegen. Zur Jahresmitte lagen die Auslieferungen einschließlich der Lkw-Töchter MAN und Scania mit 5,066 Millionen Fahrzeugen nur noch 31.000 Stück hinter dem japanischen Erzrivalen. Toyota hatte weltweit in diesem Zeitraum 5,097 Millionen Fahrzeuge ausgeliefert.

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Sie begann als Gouvernante seiner Kinder, heute ist sie Ferdinand Piëchs Ehefrau und wichtigste Ratgeberin: Kann Ursula Piëch eines Tages seine Rolle übernehmen?

Quelle: imago

Der weltweit agierende Konzern bekommt die regional deutlich schwankende Pkw-Nachfrage zu spüren. Während die Zahl der Neuzulassungen in den Regionen Asien-Pazifik, Westeuropa und Nordamerika sowie in Zentraleuropa im Vergleich zum Vorjahr zunahm, blieben die Märkte in Südamerika und Osteuropa teils deutlich unter den Volumina des Vorjahres. „Die wirtschaftliche Großwetterlage ist so volatil und fragmentiert wie selten zuvor – von den Wechselkursen bis zu den Rückgängen in Schwellenländern“, sagte VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch. „Angesichts dessen ist es wichtiger denn je, dass wir unsere strikte Kosten- und Investitionsdisziplin sowie unsere finanzielle Solidität beibehalten, um unsere Rendite- und Strategieziele für das Jahr 2018 zu erreichen.“

Investitionen für Baukastensystem lasten auf VW

Den Ausblick bekräftigte das Management – auch weil in China der Gewinn weiter sprudelt. Demnach peilt der Konzern mit seinen zwölf Marken eine Rendite in einer Spanne zwischen 5,5 und 6,5 Prozent an. Zur Jahresmitte lag die Marge bei 6,3 Prozent. Beim Konzernumsatz hält Volkswagen im laufenden Jahr weiterhin sowohl einen Rückgang als auch einen Zuwachs für möglich – er soll sich in einer Bandbreite von drei Prozent um den Vorjahreswert bewegen.

VW führt gerade mit gewaltigen Investitionen das neue Baukastensystem ein, von dem sich die Wolfsburger hohe Einsparungen erhoffen. Die modulare Technik, durch die verschiedene Fahrzeugtypen mit gleicher Architektur auf einem Band gleichzeitig und somit günstiger produziert werden können, soll den Schub für weiteres Wachstum geben. Die neue Vielfalt hat aber Tücken: Besonders deutlich wird das derzeit in der Golf-Produktion in Wolfsburg, wo VW die Bänder wegen technischer Probleme immer wieder anhalten muss.

Inzwischen steuert Winterkorn um. Statt Wachstum um jeden Preis will er künftig mehr an jedem verkauften Auto verdienen. Damit hofft Winterkorn, nach jahrelanger Gewinnstagnation die Früchte für die kostspieligen Investitionen in das Baukastensystem ernten zu können.

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