Hans Richter: Der Staatsanwalt, vor dem die Großen zittern

Hans Richter: Der Staatsanwalt, vor dem die Großen zittern

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Großes, mühsam erbaut aus den kleinen Puzzleteilchen der Paragrafen. Oberstaatsanwalt Hans Richter ist kein Rambo in Robe.

von Martin Seiwert

Porsche, LBBW, Schlecker, EnBW – Hans Richter ist der Wirtschaftsstaatsanwalt mit den spektakulärsten Ermittlungsakten in Deutschland. Wie tickt der Mann, der Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking hinter Gitter bringen könnte?

Große Worte mag er nicht, martialische auch nicht. Jäger ist so ein Wort. Er will nicht Jäger genannt werden, und doch war er es fast sein ganzes Berufsleben lang. Daimler-Jäger nannte man ihn. Oder Parteispendenjäger. Und nach der deutschen Einheit war er oberster Korruptionsjäger der Treuhandanstalt. Milliarden jagte er, Manager und Minister. Jetzt ist er 64 und humpelt.

Der leitende Oberstaatsanwalt Hans Richter – bescheiden im Auftritt, sanft schwäbelnd und summa summarum das Gegenteil eines Rambos in Robe – hat eine OP hinter sich. Er zieht ein Bein nach, wenn er über die langen, kargen Gänge der Stuttgarter Staatsanwaltschaft hastet. Wenn es der Terminkalender zulässt, geht er abends zur Krankengymnastik.

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„Nix Schlimmes“, sagt Richter, ohne in Details zu gehen. „Aber trotzdem konnt ich die Operation jetzt natürlich gar net gebrauchen.“ Ungeduldig ist er, der Staatsanwalt, der seit 32 Jahren Wirtschaftsstraftaten verfolgt. Statt mit 65 in Rente zu gehen, darf er mit Sondergenehmigung des baden-württembergischen Justizministers noch zwei Jahre bleiben – und voll aufdrehen. Seine Jagdausflüge: aufwendiger und spektakulärer als je zuvor. Sein Revier: Württemberg, der schwäbische Teil des Bundeslandes. Dort ist die Stuttgarter Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftsstrafsachen zuständig. Richter ist als Hauptabteilungsleiter Wirtschaft Chef von rund 40 Staatsanwälten. Dazu leitet er die Unterabteilung für Insolvenz-, Banken- und Börsenstrafrecht.

Idealist gegen Raubein

Den einstigen Managementstar und Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und seinen Finanzvorstand Holger Härter verfolgt Richter seit mehr als drei Jahren wegen des Verdachts der Börsenmanipulation. Möglicher Schaden bei Investoren: mehr als vier Milliarden Euro. Beim früheren Ministerpräsidenten Stefan Mappus vermutet er im Zusammenhang mit dem Erwerb des Energieriesen EnBW Untreue. Schaden für Baden-Württemberg: womöglich 800 Millionen Euro. Außerdem hat er die schwäbische Drogisten-Dynastie der Schleckers ins Visier genommen und die Banker, die im Verdacht stehen, die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) ins Elend gestürzt zu haben. Fünf Milliarden Euro kostete das Missmanagement bei der Landesbank den Steuerzahler.

Richter – das ist derzeit der Staatsanwalt, dessen Fälle die meisten Nullen haben. Der Strafverfolger und seine Kollegen arbeiten am Anschlag. Wer es nicht glaubt, kann nachts, samstags oder sonntags in der Stuttgarter Neckarstraße 145 nachsehen. Fast immer brennt in einigen Büros der Wirtschaftsstaatsanwälte das Licht – oft auch hinter den Milchglasscheiben von Richters Erdgeschossbüro.

Bei der LBBW sind die Ermittlungen noch in vollem Gang, bei Schlecker und EnBW haben sie gerade erst begonnen. Bei Porsche dagegen sind sie abgeschlossen. In diesen Wochen prüfen die Anwälte von Wiedeking und Härter die Ermittlungsergebnisse, die ihnen die Staatsanwaltschaft zur Stellungnahme zugesandt hat.

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