Harald Wester: Maserati will Ferrari die Rücklichter zeigen

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Maserati-Chef Harald Wester. Die Italiener wollen mehr verkaufen und mehr verdienen als Ferrari. Das Rüstzeug: Der Quattroporte (im Bild) und der neue Ghibli.

von Franz W. Rother

Harald Wester, Chef der italienischen Sportwagenikone Maserati, bläst mit neuen Modellen zur Offensive. Ferrari soll sehen, was eine Harke ist. Den Anfang macht der Ghibli, der diese Woche in den Handel kommt.

WirtschaftsWoche: Herr Wester, Maserati ist bald 100 Jahre alt. Die Geschichte des Unternehmens ist sehr wechselhaft, mehr als einmal stand Maserati vor der Pleite. In welcher Verfassung ist die Marke, ist das Unternehmen Maserati heute?

Wester: Aus meiner Sicht und mit Blick auf die Vergangenheit steht die Marke heute so gut und so glänzend da wie noch nie zuvor.

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Glänzend auch in finanzieller Hinsicht?

Durchaus. 2007 haben wir aufgehört, Geld zu verlieren – wir verdienen heute ordentlich Geld. Nach der Lehman-Pleite sind die Verkäufe aller Luxusmarken weltweit eingebrochen, stärker noch als die der Massenhersteller. Wir haben auch damals noch einen Profit erzielt. Denn wir haben in den zurückliegenden Jahren alles in Ordnung gebracht, wo zuvor Unordnung herrschte. Wir haben die Gewinnschwelle gesenkt, die Produktqualität erhöht und eine neue Fahrzeugarchitektur entwickelt. Jetzt fahren wir die Ernte ein: Wir sind aktuell die Premiummarke weltweit mit den stärksten Zuwächsen bei der Markenbekanntheit. Das alles sieht sehr gut aus.

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Maserati möchte auch im Flottengeschäft eine ernsthafte Alternative zu den deutschen Premiumherstellern werden. Der Verkauf des neuen Ghibli startet im Juli zu Preisen ab 65.000 Euro.

Maserati Ghibli: Sechszylinder mit drei Liter Hubraum  - auch als Diesel zu haben; 330 PS. Von null auf hundert in 5,7 Sekunden. Höchstgeschwindigkeit:  263 km/h. Ein neuer Kandidat für den Firmenfuhrpark? Quelle: Maserati

Das Markenimage ist trotz der wechselhaften Geschichte immer noch sehr gut. Wie erklären Sie sich das?

Maserati bot immer faszinierende Technik sehr schön verpackt.

Wie Ferrari auch.

Ja, aber um einen Ferrari zu fahren, braucht es schon ein sehr starkes Ego. Maserati kam immer eleganter daher, auch dezenter im Auftritt. Mit der Marke war man immer politisch korrekt motorisiert. Das ist auch heute noch so: Wer Maserati wählt, setzt auf Understatement.

Die Übernahme durch Fiat liegt mittlerweile auch schon 20 Jahre zurück. Warum braucht es so lange, um Maserati wiederzuerwecken?

Fiat hat sich anfangs sehr schwer getan. Der Konzern hatte damals zunächst andere Prioritäten und dann auch keinen Ansatz gefunden. Darum hat man die Marke 1998 in die Obhut von Ferrari gegeben. Ich war damals bei Ferrari und an der Entwicklung des ersten Quattroporte beteiligt, der 2003 auf den Markt kam. Das war ein großer Schritt vorwärts. Aber das Auto erfüllte noch nicht zu 100 Prozent die Ansprüche der Käufer. Das Getriebe war zu ruppig und die Qualität noch nicht perfekt. Das Auto wurde deshalb 2006 noch einmal grundlegend überarbeitet.

Beinahe zeitgleich wurde Maserati auch organisatorisch wieder auf eigene Beine gestellt. Warum das?

Das hat der Marke ungeheuer gut getan. Maserati hat bei Ferrari eine Menge Energie und Aufmerksamkeit abgesaugt und wurde dadurch sehr schwer zu handeln. Die Dinge liefen darüber hinaus immer weiter auseinander.

Aber es gibt noch Bande zwischen beiden Marken?

Das stärkste Band ist die gemeinsame Motorenproduktion heute. Und die nächste Motorengeneration, die neuen Sechs- und Achtzylinder, wird man in Partnerschaft entwickeln.

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