Hauptversammlung: Daimler ist nicht mehr Maß aller Dinge

Hauptversammlung: Daimler ist nicht mehr Maß aller Dinge

, aktualisiert 04. April 2012, 14:41 Uhr
Quelle:Handelsblatt Online

Trotz neuer Rekordverkäufe sieht Daimler-Chef Dieter Zetsche noch Wachstumspotential für seinen Konzern. Die Geduld von Großaktionären ist aber sehr strapaziert. Sie greifen Zetsche auf der Hauptversammlung an.

Der Stuttgarter Autobauer Daimler eilt von Rekord zu Rekord und sieht noch weitere Wachstumschancen. „Unser Unternehmen ist auf dem Weg zur Bestform, aber noch nicht am Ziel“, sagte Vorstandschef Dieter Zetsche am Mittwoch laut Redemanuskript bei der Hauptversammlung in Berlin. „Wir trauen uns noch mehr zu, das gilt auch für den Aktienkurs.“ Im ersten Quartal hatte der Konzern so viele Autos verkauft wie noch nie zuvor. Der Absatz stieg um 12 Prozent auf 340.000 Stück. Auch die Lastwagensparte legte deutlich zu. Daimler verkaufte insgesamt rund 107.000 Fahrzeuge, 20 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Bei den Bussen läuft es dagegen nicht so rund. Der Absatz sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund ein Drittel auf 5000 Stück.

Doch das war bei weitem nicht der einzige Kritikpunkt von Großaktionären. So hat die Fondsgesellschaft Union Investment dem Daimler-Chef auf der Hauptversammlung die Leviten gelesen. Die Anteilseigner könnten sich zwar „über eine sehr ordentliche Dividende freuen“, sagte Fondsmanager Ingo Speich am Mittwoch in Berlin. Sie soll von 1,85 Euro je Aktie auf 2,20 Euro steigen.

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Bei genauerem Hinsehen verblasse „aber der Glanz des Sterns im Schatten der übermächtigen Wettbewerber“, sagte Speich. Trotz eines Rekordabsatzes bei Pkw verkaufe Daimler weniger Pkw als BMW und Audi und verdiene weniger als die Wettbewerber. „Nicht Daimler, sondern BMW und Audi sind heute im Premiumsegment das Maß aller Dinge“, sagte der Fondsmanager. Das setzte sich im Auftaktquartal 2012 fort: BMW lieferte weltweit mehr als 400.000 Fahrzeuge der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce aus und erzielte damit einen Rekordwert, wie Vertriebschef Ian Robertson am Mittwoch in New York sagte.

Daimler verliere seit Jahren Marktanteile, während BMW und Audi „erfolgreich den Turbo gezündet“ hätten. Daher habe sich die Daimler-Aktie „im Jahr 2011 um 20 Prozent schlechter entwickelt als die Aktie von BMW“, rechnete der Fondsmanager vor. Rückblickend auf das vergangene Jahrzehnt könne man „von einer verlorenen Dekade“ für den einstmals größten deutschen Premium-Pkw-Anbieter sprechen, sagte Speich und verlangte vom Vorstand - unter Beifall des Publikums - auch einen Ausstieg aus der Formel-Eins-Rennserie nach dem Vorbild des Wettbewerbs BMW. Das Sponsoring der Rennserie kosten Millionen, zudem fahre Daimler mit seinem Mercedes-Rennstall hinterher.

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